Kommentare & Blogs

Beiträge zur Rubrik Kommentare & Blogs

Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Die Sprache Gottes

Spricht Gott die Sprachen der Welt? Versteht er uns? Warum greift er nicht ein? Oder schweigt er? Hat er sich verabschiedet? So fragen nicht nur Kinder und Philosophen. Im Konzentrationslager Mauthausen, der Stätte des Todes, hat ein Todeskandidat in die Barackenwand geritzt: „Wenn es einen Gott gibt, dann wird er bei mir um Verzeihung bitten müssen.“ Gott spricht, nicht gestrig und billig, sondern in den Lebenssprachen der Menschen, die der Mensch gerade verlernt. Gott schreit nicht und redet...

  • 20.11.25

DENK_MAL
Hoffnungsträger

Vor jeder Wahl hört, liest oder setzt man auf den/die neue Hoffnungsträger/in; so war es u. a. in den Jahren 2009 bei US-Präsident Barack Obama, 2013 bei Papst Franziskus oder aktuell bei den Bürgermeisterwahlen von New York City. Immer wieder wird die Hoffnung geweckt, mit dem/der Neuen wird es anders, besser, großartiger usw. Gleichzeitig fallen einem die vielen Hoffnungsträger/ innen ein, die enttäuschten, deren Wirken weniger neu bzw. weniger besser war, oder deren Vermächtnis sogar...

  • 20.11.25

FEDER_SPIEL
Menschen und Chatbots

Die Texte, die Sie in dieser Zeitung lesen, haben Menschen für Sie geschrieben. Werte, Prioritäten, Relevanz und Konzepte haben sie abgewogen, Entscheidungen getroffen und aus Ideen hoffentlich lesenswerte Artikel gemacht. Wir werden auch in Zukunft keine Texte abdrucken, die eine „künstliche Intelligenz“ erstellt hat. Auch, wenn solche Texte nicht unbedingt schlecht sein müssen. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sind es uns wert, dass wir Zeit in die Erstellung eines Beitrags investieren....

  • 20.11.25

Aus meiner Sicht - Katharina Grager
Keine Tollkirschen

„Es geht nicht darum, die schlaueste Person im Raum zu sein, sondern die neugierigste“, sagte die kanadische Forscherin Nida Ali kürzlich bei einer Preisverleihung (Die Furche, 13. 11.). „Neugierige Leutʼ sterben früh“, spricht der Volksmund. Das Drohwort kontere ich gerne keck mit: „Aber Unkraut vergeht nicht!“ Neugier bringt uns voran. Die Lust auf Neues und das Streben, Neues zu erkunden, hat der Menschheit viele Entdeckungen gebracht. Zugleich ist es manchmal auch gefährlich. Der erste...

  • 19.11.25

Offen gesagt - Anna-Maria Kienzl
„Frag mich doch!“

Warum braucht es den Internationalen Tag der Kinderrechte? Der Internationale Tag der Kinderrechte am 20. November erinnert uns jedes Jahr an die Verabschiedung der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN) im Jahr 1989. Das Abkommen, das in 54 Artikeln die Rechte von Kindern bis zum 18. Lebensjahr festlegt, hat sich als weltweites Grundgesetz für die Rechte von Kindern etabliert. Die UN-Kinderrechtskonvention, die von 196 Staaten ratifiziert wurde, ergänzt damit die allgemeinen...

  • 19.11.25

Positionen - Christian Teissl
Unverloren

Man erlebt es immer wieder: Plötzlich zeigen sich haarfeine Risse im Gefüge einer Freundschaft, und man weiß nicht, wie und wodurch sie entstanden sind. Vielleicht war es eine Frage, die ohne Antwort geblieben ist, vielleicht ein unaufgeklärtes Missverständnis, vielleicht eine leise Enttäuschung über eine unterbliebene Geste, ein falsches Wort, ein Zuwenig oder ein Zuviel des Guten. Es lässt sich nicht sicher sagen, man spürt nur – der andere rückt von einem ab, und indem man es spürt oder zu...

  • 19.11.25

Mutworte - Christa Carina Kokol
Owi lacht

„Es muss sich vieles ändern, damit es so bleibt, wie es ist.“ Dieser Imperativ nach einem Zitat aus dem Roman „Der Leopard“ von G. Tomasi di Lampedusa ist eine Lebensweisheit, der sich das SONNTAGSBLATT verpflichtet weiß. Man stelle sich vor, die Zeitung hätte sich seit ihrer Erstausgabe vor 80 Jahren nicht verändert. Auch ohne hellseherische Fähigkeiten wissen wir, dass es das Blatt längst nicht mehr geben würde. Nur durch Wandlung wird die Grundintention der ersten Stunde erhalten und...

  • 19.11.25

Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Verlust der Sprache

Um die Sprache wird kaum gerungen, sie ist verflacht. Sie macht den Menschen und seine Kultur, sie bildet, versöhnt und entzweit. Nicht ich mache die Sprache, die Sprache macht mich! Der Evangelist Johannes überliefert: „Im Anfang war das Wort“. Kürzel, Zeichen, Unworte ersetzen die Sprache, es gibt sogar ein „Unwort“ des Jahres. Es wird gestottert, gerülpst, aus dem Zusammenhang gerissen. Die Zeitungen sind voll mit Fehlern, auch Bildschirme ersetzen die Bücher nicht. Der Sprache, als Ausdruck...

  • 13.11.25

DENK_MAL
Die Hoffnung stirbt zuletzt

Diese Redewendung kommt Ihnen wahrscheinlich genau so bekannt vor wie mir. Fix zugschrieben kann sie zwar niemandem werden, dennoch ist sie eine sehr beliebte, die ich immer wieder in verschiedenen Situationen verwende. Denn sie füttert meinen Optimismus, wenn mich Meldungen aus der Welt berühren und erschüttern – so wie ein Politiker mit dem Vornamen einer bekannten Comic(enten)figur versucht, uns wie ein Gaukler beim Narren zu (unter)halten, was ihm bei mir aber nie gelingt. Ich ertappe mich...

  • 13.11.25

FEDER_SPIEL
Kirchen wie Schwestern

Traute und Hans Redl aus Bad Vöslau in Niederösterreich feierten am 2. Oktober 2025 ihr 60. Hochzeitsjubiläum, so stand es im „Kurier“. Als sie einander 1965 das Ja-Wort gaben, war das eine Sensation – und ein Skandal. Traute war in der evangelischen Kirche aktiv, Hans in der katholischen. Dank des 1965 zu Ende gehenden Zweiten Vatikanums war an eine ökumenische Trauung überhaupt erst zu denken. Dennoch: Dem evangelischen Pfarrer wurde am Tag vor der Trauung untersagt, daran mitzuwirken. Da er...

  • 13.11.25

Aus meiner Sicht - Heinz Finster, Geschäftsführer
Der Dienst an der Menschheit

Ein ermutigender Höhepunkt bei unserer Diözesanwallfahrt war die Generalaudienz von Papst Leo XIV. am Petersplatz. Es war aufregend: früh aufstehen, im Stau mit dem Bus zum Petersplatz, sich in der unübersehbar langen Schlange anstellen, nach den Sicherheitskontrollen endlich ein sonniges Platzerl am großen Petersplatz finden. In der Aufregung konnte man leicht „überhören“, mit welch feiner Eindringlichkeit der Papst anlässlich von 60 Jahre Nostrae aetate zum interreligiösen Dialog ermunterte:...

  • 12.11.25

Offen gesagt - Manuela Harb
Heilsam für alle

Wie sieht ein heilsamer Umgang mit dem Leben aus? Grundvoraussetzung ist ein gemeinschaftliches Miteinander, und darauf aufbauend: ein guter Umgang mit der Schöpfung. Mit unserem „Lebensgartl“ versuchen wir das. Nach dem Tod eines unserer Kinder vor 22 Jahren trauerte jedes Familienmitglied für sich. „Wir brauchen etwas, das uns einander wieder näherbringt“, sagten mein Mann und ich, und wir wollten einen Ort schaffen, mit dem das Leben weitergeht. Wir pachteten ein Grundstück, auf dem wir Obst...

  • 12.11.25

Positionen - Elisabeth Wimmer
Balancieren üben

„Grüß Gott in unserer kuscheligen Kirche“, werden wir mit Schmäh vor der Messe begrüßt. Ich lerne wieder eine Kirche kennen. (Ganz nah ist mir noch der Eindruck vom Dom in Venzone, der – wieder aufgebaut nach den Erdbeben von 1976 – seine Wunden nicht verschweigt.) Das Kirchlein Maria Altötting im steirischen Winklern kommt mir in anderer Weise entgegen. Der Kirchenraum, nach dem Vorbild der Gnadenkapelle von Altötting errichtet, hat tatsächlich etwas Heimeliges, und die freundliche...

  • 12.11.25

Mutworte - Sabine Petritsch
Woher kommt der Mut?

Beim Friseur, inmitten des Betriebes, blättere ich in einer Zeitschrift. Meine Aufmerksamkeit bleibt hängen beim Zitat „Courage comes from caring – Mut kommt von Fürsorge“, das dem Philosophen Laotse zugeschrieben wird. Der Artikel beschreibt das Gefühl der Sorge – sei es um andere, um sich selbst oder um ein Ideal, das die inneren Kräfte mobilisiert und sich im mutigen Verhalten zeigt. In mich gekehrt frage ich mich: Was oder wer braucht unsere Fürsorge? Es ist das Haus alles Lebendigen....

  • 12.11.25

Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Volksmission

Ein Schelm, wer bei diesem Wort an den „Volkskanzler“ denkt. Volksmission, Unterweisung in Christlichem, war die privilegierte Aufgabe der Redemptoristen. Diese Volksmissionare sind verstummt, auch die Volksprediger auf den Kirchenkanzeln. Die Kanzeln sind zu Leer-Orten geworden, Überbleibsel aus einer Zeit, da die Kirche noch das Sagen hatte. Übrigens, der hl. Martin war ein Volksbischof, vom Volk akklamiert und von den Gänsen verraten, dafür müssen sie immer noch braten. Unsere politischen...

  • 06.11.25

DENK_MAL
Das Ende naht

Im November sei es gestattet, auf unser irdisches Ende hin einen wirtschaftlichen Blick zu richten. Die Bestattungskultur ist ein Wirtschaftsbereich, der eine durchaus beachtliche Größenordnungen von mehr als € 500 Mio. im Jahr aufweist. Konjunkturelle Entwicklungen spielen kaum eine Rolle. Dennoch, beim Gang über heimische Friedhöfe fällt das Wort „heimgefallen“ immer öfter auf. Verlieren wir unsere bisherige österreichische Kultur, der „schönen Leich“? Alternativen sind gefragt und haben ihre...

  • 06.11.25

FEDER_SPIEL
Papst lobt Lehrende

Stell dir vor, dein Mathelehrer wird Papst! So müssen sich die ehemaligen Schülerinnen und Schüler von Robert Prevost gefühlt haben, als sie hörten, dass ihr Mathe- oder Physiklehrer zum Papst gewählt wurde. Das kommt nicht alle Tage vor. Auf diese, wenn auch kurzzeitige, Lehrerfahrung konnte Leo XIV. zurückgreifen, als er Ende Oktober 6.000 Jugendliche und tags darauf Lehrende von Schulen und Universitäten zu den Heilig-Jahr-Feiern für den Bildungsbereich empfing. Quasi als Kollege konnte er...

  • 06.11.25

Aus meiner Sicht - Anna Maria Steiner, Redakteurin
Bin dann mal weg

Einander in die Arme fallen – verbunden mit einem „Wie war es denn? Erzähl doch mal!“: Ein Wiedersehen mit lieben Menschen geht einher mit Neugierde und Dank für die gesunde Wiederkehr. Ähnlich empfinden derzeit wohl auch all jene 250, die ihre Angehörigen seit 31. Oktober wieder gut zurück wissen von der SONNTAGSBLATT-Reise nach Rom (mehr auf den Seiten 12 bis 13). „Auf Reisen gleichen wir einem Film, der belichtet wird. Entwickeln wird ihn die Erinnerung“, soll Max Frisch (1911–1991) einmal...

  • 05.11.25

Offen gesagt - Andreas Steiner
Gott übertragen

Was bringt eine Gottesdienstübertragung im Fernsehen oder Radio für eine Pfarre mit sich, und wie läuft sie ab? Wesentlich bei einer Übertragung ist, all das, was in der Feier hör- und sichtbar gemacht werden soll, feierlich, gut gestaltet und ruhig in einem vorgegebenen Zeitfenster unterzubringen. Übertragungen können für Pfarren eine Chance sein, ihre liturgische Praxis zu überprüfen. Dabei tauchen z. B. Fragen zur Feierqualität auf: Feiern wir als Gemeinde gemeinsam? Können sich Menschen...

  • 05.11.25

Positionen - Svjetlana Wisiak
Eine Margerite zum Abschied

Kürzlich habe ich erfahren, dass ein Bewohner einer unserer Einrichtungen verstorben ist. Das kommt ab und zu einmal vor, und es ist jedes Mal traurig. Diesen Bewohner kannte ich aber seit ich bei den VinziWerken angefangen habe. Er war wortkarg, schüchtern und zurückgezogen. Eine Familie hatte er nicht oder hielt zumindest keinen Kontakt zu näheren Verwandten. Mit mir hat er selten gesprochen, höchstens hat er mir ab und zu einen kritischen Blick zugeworfen. Eines Tages ging ich nach einem...

  • 05.11.25

Mutworte - Ruth Zenkert
Essen als Trost

Je näher wir dem Haus von Anca kamen, desto mulmiger wurde mir. Die Familie kam nicht aus dem Elend: Anca mit ihren Kindern, Enkeln und den zwei Männern, die sie zugleich geheiratet hatte. Der Hof voll Müll, das Haus eine Ruine. Heute ging ich hin, weil Ovidiu, ihr achtzehnjähriger Sohn, gestorben war. Als Bub hatte er bei uns gelebt, dann wollte er mit seinem Pferd bei den Bauern Geld verdienen. Sein krankes Herz hielt nicht mehr. Doch als ich den Hof betrat, war alles aufgeräumt. Freunde...

  • 05.11.25

DENK_MAL
Einander Gutes wollen schafft Sicherheit

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich in einem Bistro in Brüssel, fünf Gehminuten vom Sitz der Europäischen Kommission entfernt. Im Rahmen einer „Lern- und Begegnungsreise“ der Katholischen Aktion Österreich besuchen wir Europäische Institutionen und führen Gespräche mit Menschen, die in unterschiedlichen Feldern hier in Brüssel arbeiten. Im Eintauchen in die Geschichte der Europäischen Union wird mir klar: Die Grundlage der Idee der europäischen Einheit beruht nicht nur auf dem Wunsch...

  • 30.10.25

FEDER_SPIEL
Nicht dahinwurschteln

„Es ist eine Kompromisslösung.“ Meistens verheißt diese Aussage nichts Gutes. Man spricht sie achselzuckend und entschuldigend dafür, dass es sich um keine besonders gute Lösung handelt. Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist am Nationalfeiertag zur Ehrenrettung des Kompromisses ausgerückt. Er erinnerte daran, dass es in Österreichs jüngerer Geschichte immer wieder Kompromisse waren, die gangbare Lösungen ermöglicht hätten, und erhob den „guten Kompromiss“ gar zum „österreichischen...

  • 30.10.25

Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Der getötete Tod

Haben wir den Tod verdrängt, entwaffnet, überlistet, beschönigt? Der Tod ist gegenwärtig, er lauert auf uns und schleicht sich durch die Fugen des Lebens, er ist ein Feind des Lebens. Angesichts des eigenen Todes, der vielen Toten und Getöteten ist die Verharmlosung des Todes tödlich. Frommes Geschwätz redet von „Wiedersehens- und Auferstehungsfeiern“, nicht vom Begräbnis. Andere ermuntern beim Abschied zu bunten Kleidern, sie inszenieren das Sterben. Manche pressen aus der Asche der...

  • 30.10.25

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