Positionen - Svjetlana Wisiak
Eine Margerite zum Abschied
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Kürzlich habe ich erfahren, dass ein Bewohner einer unserer Einrichtungen verstorben ist. Das kommt ab und zu einmal vor, und es ist jedes Mal traurig.
Diesen Bewohner kannte ich aber seit ich bei den VinziWerken angefangen habe. Er war wortkarg, schüchtern und zurückgezogen. Eine Familie hatte er nicht oder hielt zumindest keinen Kontakt zu näheren Verwandten.
Mit mir hat er selten gesprochen, höchstens hat er mir ab und zu einen kritischen Blick zugeworfen. Eines Tages ging ich nach einem Besuch im Haus eine Runde und verabschiedete mich von allen. Er hat mich zu sich gewunken und mir eine Margerite aus seinem Blumenbeet in die Hand gedrückt. Die Einrichtungsleiterin sagte zu mir: „Jetzt hast du sein Vertrauen gewonnen.“ Mich hat das damals sehr gerührt, und die Blume behielt ich, bis sie komplett ausgetrocknet war. Und auch wenn ich danach nie sagen konnte, ob er sich an mich oder diesen Moment erinnern konnte, werde ich immer in diesem Zusammenhang mit Freude an ihn denken.
Und ist es nicht das, worum es am Ende des Tages (und auch des Lebens) geht? Dass sich jemand mit einem Lächeln im Gesicht an dich erinnert? Möge er in Frieden ruhen.
Svjetlana Wisiak
svjetlana@wisiak.net
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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