Positionen

Beiträge zum Thema Positionen

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Positionen - Karl Veitschegger
Er fehlt mir

Am 21. April jährt sich sein Todestag. Von den sieben Päpsten, die ich bisher erlebte, war er mir der liebste: Franziskus. „Todos, todos, todos!“ — alle sollen die Liebe Gottes spüren: Gefangene, Geflüchtete, Menschen in kirchenrechtlich „irregulären Beziehungen“, queere Menschen … Darum ging es ihm. Sakramente verstand er nicht als Belohnung für „Brave“, sondern als Hilfe für jene, die sich mit dem Leben und oft auch dem Christsein schwertun. Synodalität, gemeinsames Suchen und Finden, sollte...

  • 15.04.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Ein Osterei

„Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen“, schrieb einst Friedrich Nietzsche mit dem ihm eigenen Spott über die Christen. Als ich in jungen Jahren diesen Satz zum ersten Mal las, fühlte ich meine kindliche Wahrnehmung in Worte gefasst. Unvergessen sind mir die strengen, missbilligenden Blicke der alten Frauen und Männer, sobald ich nicht wie versteinert in der Kirchenbank saß. Mittlerweile frage ich mich, ob Nietzsche (und ich) nicht zu viel erwartet haben: Sind die strengen Gesichter in der...

  • 08.04.26
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Positionen - Christian Teissl
Jahr für Jahr

„Komm abends in den österlichen Garten,/ sieh blühend die Magnolie stehn,/ ihr Rosa ist noch ungewiß, wie ein Erwarten,/ durch das errötend ängstliche Gedanken gehn.“ An diese Verse des Grazer Dichters Rudolf Stibill muss ich jedes Jahr denken, wenn die Magnolienbäume erblühen. Ihre Blütezeit ist kurz, ihre Blütenpracht schnell dahin. Das Gedicht findet dafür ein stimmiges Bild: „Fast meinst du, leise unter sie getreten,/ es sei ein Flug von Vögeln, seltsam scheu und leicht,/ der schwirrend...

  • 01.04.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
Ein Statement

In der Karwoche zerbröselt die Zukunft. Diese Tage werden im Rhythmus des Kirchenjahres vom österlichen Geist her verstanden. Doch aus dem Blickwinkel derer, über die in den biblischen Texten erzählt wird, ist sie ein Ende. Wie kann daraus Hoffnung auf Zukunft entstehen? Das ist eine sehr zeitgemäße Frage. Was lässt die Beteiligten diese Tage aushalten, da ihre Gemeinschaft zerbröckelt, Freunde fremd werden, wo verraten wird und Reue bedrängt, wo Lebenskonzepte zerbrechen, und das alles in...

  • 25.03.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Die Fragen lieben

Im Supermarkt hat sich eine lange Schlange an der Kassa gebildet. Ein genervter Kunde ruft: „Können Sie nicht eine zweite Kasse aufmachen?“ Die Kassierin antwortet trocken: „Doch. Aber glauben Sie, es geht schneller, wenn ich ständig von einer Kassa zur anderen springe?“ Geduld ist nicht die Stärke vieler unserer Zeitgenossen. Für sie gilt: „Ich kann die Geduld verlieren, obwohl ich keine habe.“ Alles soll sofort erledigt werden. Die Folgen, die mit solchen oft unausgegorenen Antworten...

  • 18.03.26
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Explodierende Eier

Vielleicht kennen Sie die Videos über vermeintliche Schnäppchen aus dem Internet: vom Teppich, der in eine Handfläche passt oder dem Hundebett, in dem höchstens ein Hamster Platz hat. So war ich skeptisch, als die Sozialen Medien mein Vorhaben, mir neue Pfannen zuzulegen, aufgriffen. Selbst der britische Starkoch, der mich aus der Werbeanzeige angrinste, konnte mir die Zweifel nicht nehmen. Doch alle Rezensionen stellten diesen Pfannen gute Noten aus, und so landeten sie kurz darauf auf meinem...

  • 11.03.26
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Positionen - Karl Veitschegger
Die Brezel

Sie ist seit Jahrhunderten eine beliebte Fastenspeise aus Mehl, Salz, Hefe und Wasser. Ein Mönch in Südfrankreich soll sie vor 1400 Jahren erfunden haben. Ihr Name kommt vom lateinischen „brachiolum“ (dt. „Ärmchen“). Denn ihre Form erinnert an die Haltung von Mönchen, die beim Gebet ihre Arme vor der Brust kreuzen. Und damit sind wir schon bei ihrer Symbolik: Hält man eine Brezel ins Sonnenlicht, strömt dreifach Licht durch ihre „Öffnungen“ – ein Hoffnungszeichen. So verschlungen unser Leben,...

  • 04.03.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Wenn die Masken fallen

Ich war nie ein großer Faschingsfan. Die Maske als Vorwand für das Überschreiten zivilisatorischer (und persönlicher) Grenzen machte mir als kindlichem Zaungast von Umzügen und Faschingspartys Angst. Dementsprechend froh war ich am Aschermittwoch, wenn die Masken weggeräumt wurden. Allerdings realisierte ich am Weg zum Erwachsenwerden, dass die Masken am Aschermittwoch nicht fallen, sondern nur gegen andere, dezentere eingetauscht werden. Das lateinische Wort für Masken im Theater ist die...

  • 25.02.26
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Positionen - Christian Teissl
Nur eine Rose ...

Kaum etwas verändert einen Raum so sehr, ganz gleich, ob Wohn- oder Arbeitsraum, wie Blumenschmuck. Ob auf der Wiese gepflückt oder in einer Blumenhandlung gekauft – Blumen verändern die Luft und das Licht in ihrer näheren Umgebung. Am intensivsten erlebe ich das Mal für Mal mit Rosen. Es brauchen gar nicht viele zu sein; es braucht keinen prächtigen Strauß; eine einzelne Rose genügt. Man frischt sie ein, stellt sie auf den Tisch – und es ist mit einem Mal ein anderer Tisch; man nimmt an ihm...

  • 18.02.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
„Veronika“

Jö, eine g’scheite Kuh! Tierbilder sind beliebt: wie jüngst das Foto von der Kuh Veronika aus dem Gailtal, die sich mit einem Lang-stiel-Besen das Fell kratzt. Berühmt wurde das Tier nicht, weil es uns unterhält, sondern weil es so klug ist. Forscher der Wiener Veterinärmedizinischen Universität haben von ihren Studienergebnissen berichtet: Veronika kann einen Besen gezielt als „Mehr-zweck-Werkzeug“ benutzen. Sie dreht den Besen um, je nachdem, wo es juckt. Das hat man bei Rindern bisher noch...

  • 11.02.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Narr in Christo

Schon im Mittelalter wurde das Fest der Narren gefeiert. Im Rahmen des Narrentreibens übernahm etwa der jüngste Ministrant für einen Tag das Bischofsamt, der „Dorftrottel“ das des Bürgermeisters. Solches Treiben war der Obrigkeit ein Dorn im Auge, es nagte an ihrer Autorität. Mit diesem Umsturz der sozialen Ordnung – für einen Tag – sollte gezeigt werden: Es könnte anders sein – und besser. Also Narren an die Macht? Diese Forderung scheint heute überflüssig, weil mancherorts erfüllt. Aber wird...

  • 04.02.26
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Einmal „mit ohne“

Recht hell, so ein alkoholfreier Radler, denke ich mir, während ich beim Einschenken unter Einsatz all meiner Talente eine Schaumkrone ins Glas modelliere. Nicht lange dauert es, bis ich mir die Sinnfrage stelle: Ist es denn so ein kümmerliches Schaumhäufchen wert, das Kalorienkonto des heutigen Tages zu belasten? Schon längst ist der Grübel-Apparat voll im Gange und einmal mehr sind wir an dem Punkt angelangt, die Faszination am „Dry January“ – also dem Alkoholverzicht im Jänner – zu...

  • 28.01.26
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Positionen - Karl Veitschegger
Gott inkognito

Eine ältere Dame betritt das Studio der TV-Sendung „Bares für Rares“ mit einem wunderschönen Ring. Diesen Ring, erzählt sie, habe ihre Tante in den 30er-Jahren von ihrem Geliebten erhalten. Der Mann war verheiratet und Jude. Unter dem Nazi-Regime drohte ihm und seiner Familie grausame Vernichtung. Die Geliebte versuchte, dem Geliebten und seiner Familie über einen bekannten SS-Mann zur Flucht zu verhelfen. Der SS-Mann war dazu bereit, verlangte aber als Gegenleistung, dass sie ihm sexuell zu...

  • 22.01.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Der Fremde auf Österreichisch

Anfang Jänner kam eine Neuverfilmung von Albert Camus’ Klassiker des Existenzialismus ins Kino: „Der Fremde“ (L’Étranger, 1942). Ein Wiedersehen mit der einstigen Schullektüre fördert interessante Perspektiven zutage: War der weiße französische Protagonist nicht ohnehin ein Fremder in einem fernen Land, ganz ohne philosophischen Überbau? Wie würde die Handlung „europäischer Mann tötet Araber“ heute in sozialen Medien reflektiert werden – oder würde Camus heute einen Araber den weißen Franzosen...

  • 14.01.26
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Positionen - Christian Teissl
Gute Geister

Ein bekanntes Naturphänomen: die Flüsse im Karst, die plötzlich in ihrem Flussbett verschwinden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Nicht wenige Beziehungen, die unser Leben bestimmen, es tragen und durchdringen, ihm Farbe und Rhythmus verleihen, ähneln in ihrem Verlauf diesen Flüssen. Auf einmal scheinen sie an ein Ende zu kommen: Die Worte versiegen, die Nachrichten gehen immer spärlicher hin und her, bis sie schließlich ausbleiben. Man weiß zwar noch voneinander, verliert einander...

  • 07.01.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
Steinsuppe

In dieser Jahresübergangszeit kommt mir das Buch „Steinsuppe“ von Anaïs Vaugelade in den Sinn. Wundervoll illustriert erzählt es von einem Wolf, der an einem Winterabend ins „Dorf der Tiere“ kommt und im Haus der Henne um Einlass bittet: Aufwärmen möchte er sich und eine Steinsuppe kochen; den Stein habe er mit. Der Henne ist das nicht ganz geheuer, doch Steinsuppe würde sie gern kennenlernen. Kann man Sellerie dazugeben? Ja, das geht, sagt der Wolf. Das Schwein macht sich Sorgen, als es den...

  • 30.12.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Licht der Hoffnung

Die Kerzen am Adventkranz brennen vor sich hin, so still, dass man hören kann, wie sie reden. Die erste Kerze stöhnt: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden.“ Und sie erlischt. Die zweite Kerze, der Glaube, fühlt sich überflüssig, weil die Menschen nichts von Gott wissen wollen, und die Flamme fällt in sich zusammen. Traurig seufzt die dritte Kerze. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr. Die Menschen sehen nur sich selbst.“ Mit einem letzten...

  • 17.12.25
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Unglückseliges Christkind

Ich bin eine furchtbare Schenkerin. Wochenlang suche ich nach Dingen, die dann doch nicht gut genug sind. Umso froher war ich, als ich eines Tages, einem Tipp folgend, ein besonderes Comicbuch für einen lieben Menschen besorgen konnte. Ein Dreivierteljahr später kündigte ich das Geschenk als Inhalt der kühnsten Träume auf einer Reise an. Zwei Wochen Vorfreude bauten sich zu einem Höhenflug der Glücksmomente auf. Die Heimreise war erfüllt von erwartungsvoller Aufgeregtheit. Als der...

  • 10.12.25
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Positionen - Karl Veitschegger
Ein Hochfest der Resilienz

Heute ist viel von Resilienz die Rede. Gemeint ist die innere Widerstandskraft, mit der man Krisen bewältigt und gestärkt aus ihnen hervorgeht. Hilfen werden angeboten: Atemübungen, Yoga, Sport – „Stressbewältigung“ heißt das Zauberwort. Aber geht es nicht um mehr? Katholischer Glaube kennt noch eine andere, tiefere Form von Resilienz. Er feiert sie am 8. Dezember im Blick auf Maria: die Frau, die immun ist gegen die Pandemie des Bösen. Warum? Weil sie von Anfang an in Gottes Freundschaft lebt....

  • 03.12.25
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Positionen - Theresia Heimerl
Zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß

In meiner Jugend, den 80er-Jahren, wo man vor Waldsterben und Ozonloch warnte, fand sich auf so mancher Schulbank und Häuserwand der Spruch: „Zurück zur Natur, aber nicht zu Fuß.“ Die ironische Fortsetzung des Zitats von Jean-Jacques Rousseau könnte man auch gut auf ein Banner am Eingang der kürzlich zu Ende gegangenen Weltklimakonferenz in Brasilien schreiben: Die Mächtigen dieser Welt trafen einander in Belém, einer Stadt unmittelbar am Rand des Regenwaldes – genauer gesagt trafen sie sich in...

  • 26.11.25
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Positionen - Christian Teissl
Unverloren

Man erlebt es immer wieder: Plötzlich zeigen sich haarfeine Risse im Gefüge einer Freundschaft, und man weiß nicht, wie und wodurch sie entstanden sind. Vielleicht war es eine Frage, die ohne Antwort geblieben ist, vielleicht ein unaufgeklärtes Missverständnis, vielleicht eine leise Enttäuschung über eine unterbliebene Geste, ein falsches Wort, ein Zuwenig oder ein Zuviel des Guten. Es lässt sich nicht sicher sagen, man spürt nur – der andere rückt von einem ab, und indem man es spürt oder zu...

  • 19.11.25
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Positionen - Elisabeth Wimmer
Balancieren üben

„Grüß Gott in unserer kuscheligen Kirche“, werden wir mit Schmäh vor der Messe begrüßt. Ich lerne wieder eine Kirche kennen. (Ganz nah ist mir noch der Eindruck vom Dom in Venzone, der – wieder aufgebaut nach den Erdbeben von 1976 – seine Wunden nicht verschweigt.) Das Kirchlein Maria Altötting im steirischen Winklern kommt mir in anderer Weise entgegen. Der Kirchenraum, nach dem Vorbild der Gnadenkapelle von Altötting errichtet, hat tatsächlich etwas Heimeliges, und die freundliche...

  • 12.11.25
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Eine Margerite zum Abschied

Kürzlich habe ich erfahren, dass ein Bewohner einer unserer Einrichtungen verstorben ist. Das kommt ab und zu einmal vor, und es ist jedes Mal traurig. Diesen Bewohner kannte ich aber seit ich bei den VinziWerken angefangen habe. Er war wortkarg, schüchtern und zurückgezogen. Eine Familie hatte er nicht oder hielt zumindest keinen Kontakt zu näheren Verwandten. Mit mir hat er selten gesprochen, höchstens hat er mir ab und zu einen kritischen Blick zugeworfen. Eines Tages ging ich nach einem...

  • 05.11.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Durchscheinen lassen

Eine Mutter mit ihrem Sohn in einer Kirche: Die Morgen-sonne strahlt durch die Glasfenster. Eines leuchtet besonders hell im glitzernden Sonnenlicht. Auf die Frage des Kindes, wer das auf dem Glasfenster denn sei, antwortet die Mutter: „Das ist ein Heiliger.“ Am nächsten Tag fragt die Lehrerin in der Schule, was ein Heiliger sei. Der kleine Junge, beeindruckt vom Farbenspiel in der Kirche, antwortet: „Ein Heiliger, das ist ein Mensch, durch den hindurch die Sonne scheint.“ Heilige sind...

  • 29.10.25

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