Positionen

Beiträge zum Thema Positionen

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Positionen - Svjetlana Wisiak
Künstliche Unintelligenz

Neulich frage ich die KI, wie ich mein neues Kätzchen – das ich mit acht Wochen bekommen werde – davon abhalten kann, meine Couch zu zerstören. Jene der jetzigen Ziehmutter sieht aus, als sei beim Reinigen der Staubsauger mit einer Flex verwechselt worden. Zunächst mahnt mein digitaler Ratgeber, die Katze sei noch zu jung, um vom Muttertier getrennt zu werden. Auf mein trotziges „ich will aber“ antwortet die KI sogleich mit einer Liste von Vorteilen, wenn Baby-Miau doch jetzt schon zu mir...

  • 02.06.26
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Positionen - Karl Veitschegger
„Madre di Dio!“

Der Hochstapler und Kunstdieb Allmen wird im Zuge seiner Betrügereien von einem Rivalen angeschossen. Eine Frau eilt ihm zu Hilfe, versorgt die Wunde und ruft spontan: „Madre di Dio!“ Allmen ist irritiert und meint, ein Gebet sei wohl nicht angebracht. Doch sie beharrt darauf und sagt über die Gottesmutter Maria: „Sie ist immer da, auch wenn man selbst schuld ist.“ Diese Worte aus einem Allmen-Krimi haben mich tief berührt und durch den Marienmonat Mai begleitet. Es steckt viel Evangelium...

  • 27.05.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Am Ende alles für die Katz?

Der Heilige Geist, dessen Wirken an den Aposteln uns jährlich zu Pfingsten ein langes Frühsommerwochenende beschert, hat es in einer Welt der Bilder nicht leicht: Feuerzungen sind nicht nur abstrakt, sondern rufen in diesem Frühling der Waldbrände gemischte Assoziationen hervor. An den wenigen mittelalterlichen Darstellungen als (androgyne, junge) Person haben sich schon genügend feministische Theologinnen abgearbeitet. Bleibt also die Taube. Bis heute schwebt ein weißes Exemplar dieser...

  • 20.05.26
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Positionen - Christian Teissl
Sorgsam sein

Hast du viel zu tun, dann leg dich schlafen, sagt ein altes jiddisches Sprichwort. Das klingt beim ersten Hinhören widersprüchlich und weltfremd, denn wer von uns, der gerade in Zeitnot ist, unter Termindruck, in Eile, kann es sich leisten, einfach innezuhalten, das Tempo bis auf den Nullpunkt zu drosseln, die Telefone läuten zu lassen, die Wartenden warten zu lassen, die Anfragen, die über alle Kanäle hereinkommen, unbeantwortet zu lassen, sich für eine Stunde oder zwei in eine Wiese zu legen,...

  • 12.05.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
Tagebücher

Sie sind offen für alles, was kommt. Was ihnen anvertraut wird, bewahren sie, Zornausbrüche nehmen sie hin und hören manchen Kummer. Sie helfen beim Nachdenken. Sie können trösten. Sie plaudern nichts aus – außer sie werden veröffentlicht, wie etwa die Tagebücher der hl. Therese von Lisieux, von Papst Johannes XXIII., der Schriftstellerin Virginia Woolf und vielen anderen. In etlichen publizierten Tagebuchaufzeichnungen schaut ein Ich hauptsächlich auf sich selbst. Einige Ichs beschreiben auch...

  • 06.05.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Wahrheit und Leben

Keine Wolke am Himmel, heller Sonnenschein. Zwei Männer kommen an einer Mauer vorbei, hinter der sie ein Geräusch wie fallenden Regen vernehmen. Aufgrund dieses Rauschens behauptet der eine, dass es regnet; der andere steigt auf eine Leiter, um den wirklichen Grund für das Plätschern zu finden. So sieht er, dass Wasser aus einer defekten Leitung spritzt. Der andere hat ein Loch in der Mauer entdeckt, das den Blick auf das spritzende Wasser freigibt, jedoch nicht auf die Leitung. Als der auf der...

  • 28.04.26
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Lass sie, lass mich

Neulich stieg ich telefonierend in eine nahezu leere Straßenbahn. Manchmal sind Wege von A nach B die einzige Gelegenheit, von meiner Familie zu hören, die ich nur selten sehe. Das konnte die Dame, die kurz darauf zustieg, natürlich nicht wissen. So verlieh sie ihrem Unmut über mein Telefonat mit Schleudertrauma auslösendem Kopfschütteln Ausdruck – während sie sich genau auf den Platz vor mir hinsetzte. Bald ergänzte Schnaufen ihre Gesten, was meiner Phantasie unweigerlich das Bild einer...

  • 22.04.26
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Positionen - Karl Veitschegger
Er fehlt mir

Am 21. April jährt sich sein Todestag. Von den sieben Päpsten, die ich bisher erlebte, war er mir der liebste: Franziskus. „Todos, todos, todos!“ — alle sollen die Liebe Gottes spüren: Gefangene, Geflüchtete, Menschen in kirchenrechtlich „irregulären Beziehungen“, queere Menschen … Darum ging es ihm. Sakramente verstand er nicht als Belohnung für „Brave“, sondern als Hilfe für jene, die sich mit dem Leben und oft auch dem Christsein schwertun. Synodalität, gemeinsames Suchen und Finden, sollte...

  • 15.04.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Ein Osterei

„Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen“, schrieb einst Friedrich Nietzsche mit dem ihm eigenen Spott über die Christen. Als ich in jungen Jahren diesen Satz zum ersten Mal las, fühlte ich meine kindliche Wahrnehmung in Worte gefasst. Unvergessen sind mir die strengen, missbilligenden Blicke der alten Frauen und Männer, sobald ich nicht wie versteinert in der Kirchenbank saß. Mittlerweile frage ich mich, ob Nietzsche (und ich) nicht zu viel erwartet haben: Sind die strengen Gesichter in der...

  • 08.04.26
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Positionen - Christian Teissl
Jahr für Jahr

„Komm abends in den österlichen Garten,/ sieh blühend die Magnolie stehn,/ ihr Rosa ist noch ungewiß, wie ein Erwarten,/ durch das errötend ängstliche Gedanken gehn.“ An diese Verse des Grazer Dichters Rudolf Stibill muss ich jedes Jahr denken, wenn die Magnolienbäume erblühen. Ihre Blütezeit ist kurz, ihre Blütenpracht schnell dahin. Das Gedicht findet dafür ein stimmiges Bild: „Fast meinst du, leise unter sie getreten,/ es sei ein Flug von Vögeln, seltsam scheu und leicht,/ der schwirrend...

  • 01.04.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
Ein Statement

In der Karwoche zerbröselt die Zukunft. Diese Tage werden im Rhythmus des Kirchenjahres vom österlichen Geist her verstanden. Doch aus dem Blickwinkel derer, über die in den biblischen Texten erzählt wird, ist sie ein Ende. Wie kann daraus Hoffnung auf Zukunft entstehen? Das ist eine sehr zeitgemäße Frage. Was lässt die Beteiligten diese Tage aushalten, da ihre Gemeinschaft zerbröckelt, Freunde fremd werden, wo verraten wird und Reue bedrängt, wo Lebenskonzepte zerbrechen, und das alles in...

  • 25.03.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Die Fragen lieben

Im Supermarkt hat sich eine lange Schlange an der Kassa gebildet. Ein genervter Kunde ruft: „Können Sie nicht eine zweite Kasse aufmachen?“ Die Kassierin antwortet trocken: „Doch. Aber glauben Sie, es geht schneller, wenn ich ständig von einer Kassa zur anderen springe?“ Geduld ist nicht die Stärke vieler unserer Zeitgenossen. Für sie gilt: „Ich kann die Geduld verlieren, obwohl ich keine habe.“ Alles soll sofort erledigt werden. Die Folgen, die mit solchen oft unausgegorenen Antworten...

  • 18.03.26
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Explodierende Eier

Vielleicht kennen Sie die Videos über vermeintliche Schnäppchen aus dem Internet: vom Teppich, der in eine Handfläche passt oder dem Hundebett, in dem höchstens ein Hamster Platz hat. So war ich skeptisch, als die Sozialen Medien mein Vorhaben, mir neue Pfannen zuzulegen, aufgriffen. Selbst der britische Starkoch, der mich aus der Werbeanzeige angrinste, konnte mir die Zweifel nicht nehmen. Doch alle Rezensionen stellten diesen Pfannen gute Noten aus, und so landeten sie kurz darauf auf meinem...

  • 11.03.26
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Positionen - Karl Veitschegger
Die Brezel

Sie ist seit Jahrhunderten eine beliebte Fastenspeise aus Mehl, Salz, Hefe und Wasser. Ein Mönch in Südfrankreich soll sie vor 1400 Jahren erfunden haben. Ihr Name kommt vom lateinischen „brachiolum“ (dt. „Ärmchen“). Denn ihre Form erinnert an die Haltung von Mönchen, die beim Gebet ihre Arme vor der Brust kreuzen. Und damit sind wir schon bei ihrer Symbolik: Hält man eine Brezel ins Sonnenlicht, strömt dreifach Licht durch ihre „Öffnungen“ – ein Hoffnungszeichen. So verschlungen unser Leben,...

  • 04.03.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Wenn die Masken fallen

Ich war nie ein großer Faschingsfan. Die Maske als Vorwand für das Überschreiten zivilisatorischer (und persönlicher) Grenzen machte mir als kindlichem Zaungast von Umzügen und Faschingspartys Angst. Dementsprechend froh war ich am Aschermittwoch, wenn die Masken weggeräumt wurden. Allerdings realisierte ich am Weg zum Erwachsenwerden, dass die Masken am Aschermittwoch nicht fallen, sondern nur gegen andere, dezentere eingetauscht werden. Das lateinische Wort für Masken im Theater ist die...

  • 25.02.26
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Positionen - Christian Teissl
Nur eine Rose ...

Kaum etwas verändert einen Raum so sehr, ganz gleich, ob Wohn- oder Arbeitsraum, wie Blumenschmuck. Ob auf der Wiese gepflückt oder in einer Blumenhandlung gekauft – Blumen verändern die Luft und das Licht in ihrer näheren Umgebung. Am intensivsten erlebe ich das Mal für Mal mit Rosen. Es brauchen gar nicht viele zu sein; es braucht keinen prächtigen Strauß; eine einzelne Rose genügt. Man frischt sie ein, stellt sie auf den Tisch – und es ist mit einem Mal ein anderer Tisch; man nimmt an ihm...

  • 18.02.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
„Veronika“

Jö, eine g’scheite Kuh! Tierbilder sind beliebt: wie jüngst das Foto von der Kuh Veronika aus dem Gailtal, die sich mit einem Lang-stiel-Besen das Fell kratzt. Berühmt wurde das Tier nicht, weil es uns unterhält, sondern weil es so klug ist. Forscher der Wiener Veterinärmedizinischen Universität haben von ihren Studienergebnissen berichtet: Veronika kann einen Besen gezielt als „Mehr-zweck-Werkzeug“ benutzen. Sie dreht den Besen um, je nachdem, wo es juckt. Das hat man bei Rindern bisher noch...

  • 11.02.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Narr in Christo

Schon im Mittelalter wurde das Fest der Narren gefeiert. Im Rahmen des Narrentreibens übernahm etwa der jüngste Ministrant für einen Tag das Bischofsamt, der „Dorftrottel“ das des Bürgermeisters. Solches Treiben war der Obrigkeit ein Dorn im Auge, es nagte an ihrer Autorität. Mit diesem Umsturz der sozialen Ordnung – für einen Tag – sollte gezeigt werden: Es könnte anders sein – und besser. Also Narren an die Macht? Diese Forderung scheint heute überflüssig, weil mancherorts erfüllt. Aber wird...

  • 04.02.26
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Positionen - Svjetlana Wisiak
Einmal „mit ohne“

Recht hell, so ein alkoholfreier Radler, denke ich mir, während ich beim Einschenken unter Einsatz all meiner Talente eine Schaumkrone ins Glas modelliere. Nicht lange dauert es, bis ich mir die Sinnfrage stelle: Ist es denn so ein kümmerliches Schaumhäufchen wert, das Kalorienkonto des heutigen Tages zu belasten? Schon längst ist der Grübel-Apparat voll im Gange und einmal mehr sind wir an dem Punkt angelangt, die Faszination am „Dry January“ – also dem Alkoholverzicht im Jänner – zu...

  • 28.01.26
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Positionen - Karl Veitschegger
Gott inkognito

Eine ältere Dame betritt das Studio der TV-Sendung „Bares für Rares“ mit einem wunderschönen Ring. Diesen Ring, erzählt sie, habe ihre Tante in den 30er-Jahren von ihrem Geliebten erhalten. Der Mann war verheiratet und Jude. Unter dem Nazi-Regime drohte ihm und seiner Familie grausame Vernichtung. Die Geliebte versuchte, dem Geliebten und seiner Familie über einen bekannten SS-Mann zur Flucht zu verhelfen. Der SS-Mann war dazu bereit, verlangte aber als Gegenleistung, dass sie ihm sexuell zu...

  • 22.01.26
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Positionen - Theresia Heimerl
Der Fremde auf Österreichisch

Anfang Jänner kam eine Neuverfilmung von Albert Camus’ Klassiker des Existenzialismus ins Kino: „Der Fremde“ (L’Étranger, 1942). Ein Wiedersehen mit der einstigen Schullektüre fördert interessante Perspektiven zutage: War der weiße französische Protagonist nicht ohnehin ein Fremder in einem fernen Land, ganz ohne philosophischen Überbau? Wie würde die Handlung „europäischer Mann tötet Araber“ heute in sozialen Medien reflektiert werden – oder würde Camus heute einen Araber den weißen Franzosen...

  • 14.01.26
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Positionen - Christian Teissl
Gute Geister

Ein bekanntes Naturphänomen: die Flüsse im Karst, die plötzlich in ihrem Flussbett verschwinden, um an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Nicht wenige Beziehungen, die unser Leben bestimmen, es tragen und durchdringen, ihm Farbe und Rhythmus verleihen, ähneln in ihrem Verlauf diesen Flüssen. Auf einmal scheinen sie an ein Ende zu kommen: Die Worte versiegen, die Nachrichten gehen immer spärlicher hin und her, bis sie schließlich ausbleiben. Man weiß zwar noch voneinander, verliert einander...

  • 07.01.26
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Positionen - Elisabeth Wimmer
Steinsuppe

In dieser Jahresübergangszeit kommt mir das Buch „Steinsuppe“ von Anaïs Vaugelade in den Sinn. Wundervoll illustriert erzählt es von einem Wolf, der an einem Winterabend ins „Dorf der Tiere“ kommt und im Haus der Henne um Einlass bittet: Aufwärmen möchte er sich und eine Steinsuppe kochen; den Stein habe er mit. Der Henne ist das nicht ganz geheuer, doch Steinsuppe würde sie gern kennenlernen. Kann man Sellerie dazugeben? Ja, das geht, sagt der Wolf. Das Schwein macht sich Sorgen, als es den...

  • 30.12.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Licht der Hoffnung

Die Kerzen am Adventkranz brennen vor sich hin, so still, dass man hören kann, wie sie reden. Die erste Kerze stöhnt: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden.“ Und sie erlischt. Die zweite Kerze, der Glaube, fühlt sich überflüssig, weil die Menschen nichts von Gott wissen wollen, und die Flamme fällt in sich zusammen. Traurig seufzt die dritte Kerze. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr. Die Menschen sehen nur sich selbst.“ Mit einem letzten...

  • 17.12.25

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