Geschichtliches & Wissen

Beiträge zur Rubrik Geschichtliches & Wissen

"Wie's Leben früher war" von Inge Friedl
Vom Fleiß der Frauen und harter Arbeit

Betrachten wir das Foto. Wir sehen ein älteres Ehepaar, Bauersleute, die gerade von der Hausbank aufgestanden sind. Es ist Feierabend, der Mann gönnt sich eine Pfeife. Die Frau scheint nur kurz von ihrer Strickarbeit aufzublicken, gleich wird sie am Socken weiterarbeiten. Was ist hier so besonders? Dieses Bild erzählt vom Fleiß der Frauen, den eine Bäuerin mir so erklärte: „Frauen sollten früher niemals untätig sein, niemals die Hände in den Schoß legen.“ Selbst in der Freizeit, also am...

  • 22.04.26

Ostern
Osternachtsreform vor 75 Jahren

Die Feier einer Nacht am Vormittag, Lesungen nur auf Latein, Symbole, die nicht erklärt wurden: All dies machte eine Reform der Osternacht im 20. Jahrhundert nötig – schon mehr als zehn Jahre vor Konzilsbeginn. Wie es dazu kam. Dies ist die Nacht“: Wer heutzutage eine katholische Osternacht besucht, hört diesen Satz im gesungenen Osterlob, dem „Exsultet“, gleich mehrere Male. Und seit 75 Jahren stimmt das auch wieder. Denn die Osternacht wird in vielen Pfarren am Abend des Karsamstags gefeiert,...

  • 01.04.26

Dinge mit Geschichte(n)
Der Zeichenstein vom Sonntagberg

Im hinteren Teil der Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit am Sonntagberg befindet sich ein sagenumwobenes Objekt: der sogenannte „Zeichenstein”. Durch ein Gitter hindurch wird ein altarartiger Steinblock mit einem „Brotlaib“ aus Rotmarmor sichtbar. Auf dem Kirchenpfeiler hinter dem Altarblock gibt eine barocke Inschrift Auskunft: Einst soll ein Hirte seine Herde verloren haben. Verzweifelt suchte er nach den Tieren – jedoch vergeblich. Erschöpft machte er an einem Felsen Rast, wandte...

  • 18.03.26
Premium

Ekklesiologie
Bischof ist nicht gleich Bischof

In der Serie „Die Kirche und ihre Titel“ bringt „Kirche bunt“ Licht ins Dunkel der kirchlichen Titelwelt. Im dritten Teil der Serie geht es um die Bischöfe – die ganz unterschiedliche Rollen haben. Zwischen dem Papst in Rom und der konkreten Gemeinde, wie der Pfarre vor Ort, liegt die Diözese. Sie bildet den zentralen Lebensraum der Kirche und zugleich jenen Bereich, in dem Titel und Aufgaben besonders eng verbunden sind. Die Diözese ist jedoch nicht nur ein Verwaltungssprengel der...

  • 04.03.26

Servitengründer
Sieben, die erkannt haben

Heute zwar einer der kleineren Orden in Österreich, war der Servitenorden früher an vielen Orten vertreten – so auch im Kloster Schönbühel. Am 17. Februar gedenkt die Kirche ihrer sieben Gründer, die eine lebensverändernde Erkenntnis hatten. In einem Nebengebäude des kleinen Klosters Schönbühel am rechten Donauufer ließ sich Anfang des 20. Jahrhunderts der große Philosoph Franz Brentano nieder, zu dessen Schülern Edmund Husserl und Sigmund Freud gehörten. Brentano war Priester, schied aber aus...

  • 11.02.26

Kirchengeschichte
Der Papst erhebt Einspruch

Mit dem „Gesetz zur Trennung von Kirche und Staat“ wurde 1905 der Laizismus in Frankreich eingeführt. Wenige Monate später – vor 120 Jahren – übermittelte Papst Pius X. ein Protestschreiben an Klerus und Volk von Frankreich, in dem er die Maßnahme des französischen Staats scharf kritisierte. Frankreich kennt man heute als den laizistischen Staat schlechthin. Kein Wunder, gilt doch der Laizismus – also die vollständige institutionelle Trennung von Kirche/Religion und Staat – geradezu als...

  • 04.02.26

Wachau
Ältester Dachstuhl in Kirche St. Lorenz

In der Filialkirche St. Lorenz in der Gemeinde Rossatz-Arnsdorf ist der älteste Dachstuhl Österreichs nachgewiesen worden. Dendrochronologische Untersuchungen, mit denen Jahresringe von Bäumen analysiert werden, datieren die verwendeten Hölzer auf das Jahr 1095/96 – und damit 30 Jahre früher als alle bisher bekannten Konstruktionen im Land, teilte der Arbeitskreis für Hausforschung Österreich mit. Kulturhistorische Bedeutung Bisher galt der um 1125 konstruierte Dachstuhl der Johanneskapelle in...

  • 28.01.26

Gebärdensprache
Wie spricht man im Schweigekloster?

Gebärdensprache, mit der gehörlose oder hörbehinderte Menschen sprechen, hat eine lange Geschichte. Diese reicht sogar bis in die frühe Geschichte katholischer Klöster und Stifte zurück. Dass viel Gerede oft schädlicher ist, als sich einfach mal zurückzunehmen, still zu sein, zuzuhören, das scheint hin und wieder in Vergessenheit zu geraten. Selbstkritisch könnte man sagen, dass gerade in der Kirche mit ihren unendlich vielen Beratungsgremien, Ausschüssen und Räten es vielleicht manchmal so...

  • 21.01.26

Angelus Silesius
Weihnachten in uns

Ist Weihnachten nur Punschstand und Geschenkeshopping? Angelus Silesius sagte schon vor 400 Jahren, dass Weihnachten ohne eine richtige Innerlichkeit, ohne Vergegenwärtigung im Einzelnen immer nur oberflächlich bleibt. Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst noch ewiglich verloren.“ Wer kennt nicht diese aufrüttelnden Zeilen aus der Hand des großen Mystikers und Dichters Angelus Silesius? Sie fassen in Kürze zusammen, was er als sein Lebensziel auserkor: Die...

  • 17.12.25

"Wie's Leben früher war" von Inge Friedl
Der Advent als Wartezeit

Viele von uns kennen dieses Lied. Es hat vier Strophen, so viele wie Kerzen am Adventkranz. Lied und Kranz helfen uns, die Wartezeit bis Weihnachten zu gestalten. Doch halt, wer „wartet“ noch auf die Festtage, außer die Kinder vielleicht? Der Dezember ist heute wohl der turbulenteste Monat im Jahr mit der größten Hektik. Es gilt, die Zeit bis Weihnachten ohne allzu viel Stress irgendwie zu überstehen, und man fragt sich, wie konnte jemals der Advent als stillste Zeit im Jahr bezeichnet werden?...

  • 10.12.25
Mit der Erhalt des Mesnerhauses in der Sölk wird alte Bausubstanz bewahrt, die nun als Museum genutzt, die Geschichte des Ortes und der Region erzählt. | Foto: Harald Steiner
5 Bilder

Geschichte
Wissen weitergeben

Ein Haus, das Geschichte bewahrt, ist das alte Mesnerhaus in der Gemeinde Sölk. Ein kleines Museum für altes Wissen. Der ganze Ort St. Nikolai im Sölktal feierte diesen besonderen Anlass: Das Mesnerhaus direkt im Zentrum des Dorfes zeigt seit Oktober diesen Jahres eine neue, multimedial gestaltete Ausstellung über das „alte Wissen“ der Sölktäler und die Sölker Persönlichkeiten Hans Posch und Bruno Holzinger. Der Verein zur Bewahrung des alten Wissens der Sölk schuf damit ein offenes Haus für...

  • 05.12.25
2 Bilder

Katholisch-Theologische Faktultät Graz
(Ein-)Blicke in die Vergangenheit

Ordensgeschichtlicher Forschungstag an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz. Einen ordensgeschichtlichen Forschungstag, der „(Ein-)Blicke in die Vergangenheit“ und gleichzeitig ein „Nachdenken über die Zukunft“ ermöglichen sollte, veranstaltete die Leiterin des Instituts für Kirchengeschichte und Kirchliche Zeitgeschichte an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz, Professorin Michaela Sohn-Kronthaler. Die Tagung wurde in Kooperation mit der Ordenskonferenz der Diözese Graz-Seckau am...

  • 01.12.25

Geschichte
Zertrümmerung

November-Pogrome. Am 9. November 1938 brannten Synagogen. Schon in den Jahren zuvor markiert der Tag historisch Wegmarken. Es gibt Tage, die stehen für sich: Der 1. Jänner etwa, der in vielen Kulturen und Religionen den Jahresstart markiert und zugleich die Hoffnung auf etwas Neues, Gutes. Ganz anders verhält es sich indes mit dem Datum des 9. November. Durch die Ereignisse der Jahre 1923, 1936 und 1938 gelangte der Tag zu furchtbarer Berühmtheit. Zwischen den Kriegen Nach dem Ende des Ersten...

  • 05.11.25
Premium

Inquisition, Teil 3
Im Ringen um Wahrheit: Die Schatten der Inquisition

Folter, fanatische Kirchenmänner, abertausende Opfer auf Scheiterhaufen – das ist das Bild, das viele von der Inquisition haben. Doch was ist dran am Schreckgespenst Inquisition? Und sie dreht sich doch. – Das soll Galileo Galilei in sich hineingemurmelt haben, als er nach seiner Verurteilung den Saal der Inquisition verließ. Der Grund des Schuldspruches: 1632 erschien sein Werk Dialogo, in dem er das heliozentrische Weltbild mit dem geozentrischen verglich und ersterem den Vorrang gab. Er...

  • 01.10.25

Glaube
Höchster Kirchturm der Welt

Buntes Programm zu Gaudís 100. Todestag Die Feierlichkeiten in Barcelona gipfeln am 10. Juni 2026 in der Segnung des Jesus-Christus-Turms, der mit 172,5 Metern zum höchsten Kirchturm der Welt wird. Zu Ehren des 100. Todestages von Antoni Gaudí (1852–1926) haben die Verantwortlichen der Sagrada Família ein buntes Jubiläumsprogramm angekündigt. Einen Vorgeschmack gibt am 30. November die Illumination des Barnabas-Turms, des einzigen Turms, der zu Lebzeiten Gaudís fertiggestellt wurde. Er war der...

  • 25.09.25

Geschichte
Der vergessene Aufstand der Bauern

Ein Krieg ist nicht über Nacht vorbei – selbst wenn die Waffen endlich schweigen. Auch der Erste Weltkrieg wirkte in den Köpfen der Menschen nach, und so begann die Erste Republik mit bewaffneten Auseinandersetzungen. Eine der ersten war 1918 ein – heute weitgehend in Vergessenheit geratener – Aufstand der Bauern. Die Ursache: Das System der Kriegs-Wirtschaft war beibehalten und die Bauern auch nach Kriegsende gezwungen worden, ihre Erzeugnisse zu festgesetzten Preisen an staatliche Stellen...

  • 10.09.25

Ende des Zweiten Weltkriegs
Der allerletzte Kriegstag

Obwohl das Deutsche Reich bereits am 8. Mai bedingungslos kapitulierte, endete der Zweite Weltkrieg in seiner Gesamtheit erst am 2. September mit der Kapitulation Japans. Österreich war zu dieser Zeit bereits besetzt, wurde in der Folge wieder aufgebaut – und die Kirche erlebte einen Boom. Als in Österreich bereits die erste provisorische Staatsregierung unter Karl Renner regierte, tobte in Asien noch der Krieg. Nachdem die US-amerikanischen Truppen durch das sogenannte „Inselspringen“ Stück...

  • 27.08.25

„Schade ...“

Im KZ zum Priester geweiht – vor 80 Jahren starb Karl Leisner an den Folgen seiner Haft. Es war ein erschütterndes Bild: Bleich, ausgezehrt, zitternd und in KZ-Kleidung tritt der Priesterkandidat an den Altar. Der Bischof, der ihn weihen wird, trägt Pontifikalgewänder, unter denen die Sträflingshose hervorschaut. Auch alle anwesenden Priester sind in Häftlingskleidung, als Karl Leisner am 17. Dezember 1944 im KZ Dachau zum Priester geweiht wird. Die heimliche Weihe in Block 26 wird vom...

  • 12.08.25

Geschichte
Die Kaiserkonferenz

In Carnuntum, im heutigen Niederösterreich, wurden Weichen für die Durchsetzung des Christentums gestellt. Die Kirchen begehen heuer das 1700-Jahr-Jubiläum des Ersten Konzils von Nicäa, das 325 von Kaiser Konstantin einberufen wurde. Dort wurden wesentliche Weichenstellungen für Kirche und Glaube beschlossen. Das Konzil hätte aber gar nicht stattfinden können, wären nicht 17 Jahre zuvor die Weichen für Konstantins Herrschaft in der römischen Provinzhauptstadt Carnuntum, heute im...

  • 30.07.25

NÖ:
Zentrale Weichen für das Christentum gestellt

Im Jahr 325 n. Chr. fand das Erste Konzil von Nicäa statt – ein weltgeschichtliches Ereignis, das bis heute grundlegende Entscheidungen für die christliche Glaubenslehre und die Organisation der Kirche prägt. Weniger bekannt ist jedoch: Ohne eine entscheidende politische Weichenstellung im heutigen Niederösterreich, nämlich in der Römerstadt Carnuntum (Bezirk Bruck an der Leitha) hätte dieses Konzil vielleicht nie stattgefunden. „Kaiserkonferenz“ in Carnuntum Bereits 17 Jahre vor dem Konzil, im...

  • 30.07.25
Dieses historische Gemälde vom furchtbaren Ereignis ist in vielen Bauernhöfen zu finden gewesen.  | Foto: Wolfgang Zarl
3 Bilder

Pressereise durch NÖ und OÖ
Auf den Spuren der evangelischen Christen

Anlässlich eines erschütternden „Würfelspiels“ vor 400 Jahren wurde auf Einladung der Katholischen Presseagentur und des Evangelischen Pressedienstes bei einer Pressetour die schwierige Vergangenheit der evangelischen Christen in unserer Heimat beleuchtet. Große Teile unseres Diözesangebietes – also das Wald- und Mostviertel – waren einst teils zu über 80 Prozent protestantisch. Ein fürchterliches Ereignis vor 400 Jahren bringt ins Bewusstsein, wie viel Leid die Konfessionsstreitigkeiten mit...

  • 16.07.25
12 Bilder

Patroziniumsfest mit vielen Gläubigen
Der Hauch der Geschichte in der Kirche von Zuggers

In der tschechischen Kirche von Krabonoš (Zuggers) bei Gmünd die heilige Messe zu feiern, ist mit einer ganz besonderen Stimmung verbunden, weil hier die Schwere der jüngeren Geschichte noch spürbar ist, aber auch der Wille zur Versöhnung und zum Gedenken. Es ist eine Kirche, die ein Mahnmal ist gegen den (Kalten) Krieg und für Völkerverständigung. Anlässlich des Patroziniums machten sich Wallfahrter-Gruppen aus Brand, Gmünd und České Velenice auf zu dem Johannes dem Täufer geweihten...

  • 02.07.25
Halbfigurenporträt vom ersten St. Pöltner Bischof Johann Heinrich von Kerens. | Foto: Museum am Dom/Seebacher.
2 Bilder

Kirchengeschichte
Ein Niederländer in Niederösterreich

Johann Heinrich von Kerens war Lehrer, Reformer und kluger Verwalter. Der erste Bischof von St. Pölten feierte am 22. Mai seinen 300. Geburtstag. „Kirche bunt“ schaut auf das bewegte Leben jenes Bischofs, der bis heute die Diözese prägt. Nach langer Vorbereitung war es am 8. Mai 1785 so weit: In die bisherige Stiftskirche der Augustiner Chorherren zu St. Pölten zog jener Geistliche ein, der fortan die Geschicke der neugegründeten Diözese im westlichen Niederösterreich lenken sollte. Es handelte...

  • 21.05.25

Die Geschichte und ihr Auftrag

Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten einen weiten Weg zurückgelegt. Jetzt gilt es, die Zukunft zu gestalten. Genau 70 Jahre sind seit der Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrags am 15. Mai 1955 vergangen, 80 Jahre sind es seit der Gründung der Zweiten Republik am 27. April 1945. Seit 30 Jahren ist Österreich Teil der Europäischen Union. Drei Anlässe, um zurück und voraus zu schauen. „Die Alliierten und Assoziierten Mächte anerkennen, dass Österreich als ein souveräner,...

  • 15.05.25

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