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Beiträge zur Rubrik Serien

Sr. Johanna Datzreiter – Missionarin zwischen Bürgerkrieg und Ebola Folge 2
Wo der Pfeffer wächst

„Ein afrikanisches Palaver“ Als ich bei meiner Ankunft am 8. Jänner 1975 in Monrovia, der Hauptstadt von Liberia, die Flugzeugtreppe hinunterbalancierte, schlug mir eine atemberaubende Hitze entgegen: Es war ein kompletter Klimawechsel gegenüber den Temperaturen, die ich in Europa gewöhnt war. In der Eingangshalle des Flughafens von Monrovia wurden wir von einem liberianischen Empfangskomitee herzlich begrüßt. Doch im Gedränge der vielen Passagiere verstand ich trotz meiner...

  • 17.01.20

Sr. Johanna Datzreiter – Missionarin zwischen Bürgerkrieg und Ebola Folge 1
Wo der Pfeffer wächst

Wie alles begann Als Älteste von neun Geschwistern – ich bin 1938 im niederösterreichischen Frankenfels geboren – musste ich bereits als junges Mädchen oft Verantwortung für meine Geschwister übernehmen, weil unsere Eltern nach dem Zweiten Weltkrieg in der Landwirtschaft schwer arbeiten mussten. Nach dem Krieg zog meine Familie im Jahr 1947 nach Obergrafendorf. Dort waren wir sehr stark in das Leben der Pfarre eingebunden. Es war eine sehr lebendige Pfarre mit vielen pastoralen Aktivitäten,...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 22
Abbé Pierre

Vier Stunden später hat mich die argentinische Marine aus dem Wasser gefischt. Da ich kein Lebenszeichen mehr von mir gab, hat man mich zusammen mit den Toten in einem Gepäckabteil des Rettungsschiffs verstaut. Da hätte mein irdisches Abenteuer sein Ende finden können, wenn nicht einer der Matrosen, der einen weiteren Leichnam herbeitrug, auf einmal gesehen hätte, wie ich mich regte. Man trug mich auf die Brücke und versuchte, mich mit Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Ich erwachte,...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 21
Abbé Pierre

Viel später, während des Krieges, war ich mehrere Male in Lebensgefahr. Eine Situation war alles andere als banal. Das war im Hochgebirge nach der Begleitung jüdischer Familien in die Schweiz. Es war beim Abstieg zurück mit meinem Freund, dem Bergsteiger Léon Balmat. Wir fühlten uns erleichtert, wie so oft bei der Rückkehr, und seilten uns nicht an. Plötzlich glitt ich mitten im Gletscher aus. Ich erinnere mich genau, dass mir wäh­rend der Sekunden dieses tollen Losschießens in Erinnerung kam,...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 20
Abbé Pierre

Ein lange erwartetes Rendezvous im Tod Kürzlich hatte ich Gelegenheit, in Paris ein Lokal zu besuchen, einen sogenann­ten „Trauersalon“, wie sie seit einigen Jahren in manchen Ländern üblich geworden sind. Da können sich Trauerfamilien beim Verstorbenen versammeln. Es ist ja klar, dass die modernen Lebens­umstände es mehr und mehr unmöglich machen, vor der Beerdigung oder Kremation einen Verstorbenen bei sich zu Hause aufzubahren. Gleichwohl konnte ich nicht umhin, mich zu fragen, ob...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 19
Abbé Pierre

Ich habe erst kürzlich das Gebet zum Schutzengel wieder entdeckt. Nachdem ich fast völlig die Anwesenheit von Engeln, von der die Bibel doch so oft berichtet, vergessen hatte, habe ich diese Übung wieder aufgenommen. Seit einigen Jahren bete ich in schwierigen Situationen wieder zu meinem und anderer Schutzengel, oder wenn ich mich in einer verzwickten Lage befinde. Und tatsächlich kommt sie dann ziemlich oft ins richtige Geleise. Oft habe ich auch festgestellt, dass Gott unserem Beten...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 18
Abbé Pierre

Wie im Fall eines bewaffneten Konflikts muss doch heute die ganze Bevölkerung mobilisiert werden, um unerbittlich Krieg gegen Arbeitslosigkeit, Rassismus und jede Art neuer Armut zu führen. Die Politiker müssen den Mut zur Erklärung finden: „Das ist ein Ausnahmezustand wie im Kriegsfall. Da tun Generalmobilmachung und Bereitschaft zu jedem Opfer Not!“ Und die Bürger müssen den Mut aufbringen, dergleichen mutige Männer und Frauen in die entscheidenden Ämter zu wählen. Es gibt schmutzige...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 17
Abbé Pierre

Menschenbrüder Jesus lehrte nichts als Nächstenliebe. In dem Maß, in dem ich mich bemühte, seine Botschaft zu praktizieren, habe ich mich ein Leben lang zu lieben bemüht. Ich hätte diesen Weg in einer Mönchsgemeinschaft gehen können, wie ich es anfänglich versucht habe. Doch Gottes Vorsehung hatte anderes beschlossen und zog meinen Lebensfaden aus dem Nadelöhr. Ich wurde aus dem Kloster entführt zu einem Apos­tolat als Krankenhausseelsorger in den Bergen, dann als Domkaplan, um mich endlich...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 16
Abbé Pierre

Als ich zur Präsentation unseres Films Winter 1954 nach Brasilien kam, wurde mir Gelegenheit geboten, mich im Fernsehen Millionen von Zuschauern vorzustellen. Das war gerade während der Schulferien. Ich wandte mich besonders an die Jugend der wohlhabenderen Familien und sagte ihnen: „Ihr könnt es euch leisten, im Urlaub nach Europa zu fliegen, euch in besseren Hotels und an privaten Badestränden usw. zu erholen. Habt ihr euch auch je die Frage gestellt: Woher kommt denn unser Vermögen? Wer hat...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 15
Abbé Pierre

Natürlich hatte dieser Bischof völlig recht: Alphabetisierung macht die Leute aufgeweckter, da werden sie sich ihrer Menschenrechte bewusst, werden selbstständiger und damit von Machthabern weniger manipulierbar. Was nutzt es, die Völker zu evangelisieren, wenn man ihnen nicht zu besserer Bildung verhilft? Was nutzt es, ihnen das Wort zu verkünden, wenn sie unfähig sind, es selber zu lesen und sich anzueignen? Was dieser Bischof fürchtete, war, dass die Armen die vielen Seiten des Evangeliums...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 14
Abbé Pierre

Besser habe ich Johannes XXIII. gekannt, der während meiner Parlamentszeit Nuntius in Paris war. Ich sah ihn fast jeden Monat und er war zuweilen mein Beichtvater. Wir standen uns sehr nahe. Nach meinen Gesprächen mit ihm und lange vor dem Konzil strich ich in meinem Missale am Karfreitag die Fürbitte für die Juden mit dem unerträglichen Ausdruck „treulose Juden“ (perfidi Iudaei) – treulos wegen ihres „Gottesmords“ – aus. Gott sei Dank wurde dieser Antisemitismus, der so lange viele Christen...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 13
Abbé Pierre

Mein erster Kontakt mit Pius XII. war indirekt, doch lud er mir eine schwere Verantwortung auf. Am 16. Juni 1944 war ich in Algier angekommen, nachdem ich am 18. Mai 1944 wegen meines geheimen Übertritts über die spanische Grenze festgenommen worden war. Doch ich floh aus der Haft und gelangte nach Algier. Sobald ich in Algier angekommen war, bat man mich, auf der Radiowelle zu sprechen, die man damals schon „Radio der Vereinten Nationen“ nannte. Damals gab man mir von den verschiedensten...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 12
Abbé Pierre

Herrlichkeit und Elend der Kirche Wenn man einen Blick auf die lange Geschichte der Kirche wirft, auf die zwanzig Jahrhunderte, die seit Jesu Tod verflossen sind: Wie kann man da nicht zwei Linien unterscheiden, die einander völlig widersprechen? Einerseits einige skandalöse Päpste, Zwangsbekehrungen, die Scheiterhaufen der Inquisition, die Exzesse der Kreuzzüge, alle Kompromisse mit weltlichen Machthabern etc., doch anderseits eine leuchtende Botschaft, das Evangelium, das dank der Kirche...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 11
Abbé Pierre

Gott sei Dank sind doch viele, die behaupten, mit Religion nichts zu tun haben zu wollen, in Wirklichkeit „Söhne Gottes“, weil sie Machtlose vor den Machthabern in Schutz nehmen. Selbst wenn sie weder mit Pfarrern noch mit Kirche noch mit dem Credo etwas anzufangen wissen, aber ihr Leben für die Verteidigung der Würde und der Rechte der gesellschaftlich Schwächsten einsetzen, dann sind gerade sie es, die das Himmelreich auf Erden bauen. Das ist das Evangelium, und darin besteht alle christliche...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 10
Abbé Pierre

Wenn meine Gefährten auf den Glauben zu sprechen kommen, kommt es oft vor, dass sie mich fragen: „Was ist denn ‚Gott‘“? Gewöhnlich gebe ich ihnen in etwa zur Antwort: „Erinnere dich daran, wie du eines Tages todmüde zu uns heimkamst. Es war frostig kalt, du hattest nichts im Magen und brachtest für unsere Emmaus-Gemeinschaft auch gar nichts mit. Den ganzen langen kalten Tag hatten wir mit dem Tapezieren einer kläglichen Man­sarde verbracht, um für ein paar verlotterte Greise eine einigermaßen...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 9
Abbé Pierre

Nach meiner Priesterweihe durfte ich mehrere Monate am Institut Catholique in Lyon einige Kurse besuchen. Einer meiner damaligen Lehrer war Henri de Lubac. Er war es, der auch bei meiner Primiz assistierte, und er blieb bis zu seinem Tod, kurz nachdem er 1983 zum Kardinal erhoben worden war, mein Seelenführer. Im Jahr nach meiner Weihe wurde ich wieder von meiner Krankheit heimgesucht, und die Ärzte verschrieben mir Gebirgsaufenthalt. De Lubac und andere rieten mir, Rom um Dispens vom Orden und...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 8
Abbé Pierre

Bei den Pfadfindern gab man mir den Namen „Meditierender Biber“. Seltsam, dass junge Teenager, die um das Lagerfeuer hockten und vorgeschlagene Totemnamen guthießen oder verwarfen, genau diese beiden Bezeichnungen für mich wählten. Der Biber ist das Tier, das sich ein Haus baut, während ich ein Leben lang für menschenwürdiges Wohnen kämpfen sollte. Und Meditation war tatsächlich einer meiner Charakterzüge. Meditation und später Anbetung haben immer meine ganz praktische Handarbeit wie das Bauen...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 7
Abbé Pierre

Mit sieben oder acht Jahren aß ich einmal heimlich Konfitüre. Als der Mangel entdeckt wurde, verdächtigte man einen meiner Brüder, und ich hütete mich, mich als der wirkliche Täter zu stellen. Als man aber schließlich doch auf mich kam, wurde mir verboten, am nächsten Familienfest draußen am Fluss teilzunehmen. Dieses regelmäßige Treffen mit all unseren sehr wohlhabenden Cousins war immer eine äußerst tolle Sache, denn sie hatten stets die neuesten noch nie gesehenen Spielzeuge. Als am Abend...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 6
Abbé Pierre

Als ich damals jene Tafel an den Garteneingang hängte, konnte ich ja keine Vorstellung haben von dem, was daraus nach kurzer Zeit werden sollte. Denn anstelle der Jugend waren alsbald alle Betten, eins nach dem andern, von Leuten belegt, die von schlimmsten Enttäuschungen verbittert waren, von Leuten aus zerbrochenen Ehen und Familien, Strafentlassenen, im Stich gelassenen Müttern mit ihren Kindern, verbummelten Alkoholikern … Was für ein herrliches Wunder, in einem Haus Zuflucht zu finden,...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 5
Abbé Pierre

Damals stellte ich etwas Eigenartiges im Leben dieser Jugendlichen fest: Sie alle freuten sich über das Ende des Weltkriegs, doch die tiefsinnigsten unter ihnen, ob von den Sieger- oder Verlierernationen, waren besorgt und zweifelten an einem Sinn des Lebens. Das war die Zeit, da man die Schrecken erregenden Konvois aus den Vernichtungslagern der Nazis zu Gesicht bekam. Ich erinnere mich an ein junges Mädchen, das als Freiwillige des Roten Kreuzes in einem großen Pariser Hotel, das als...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 4
Abbé Pierre

Welches war die erste Familie, für die ich eine Unterkunft baute? Eines Tages kommt eine Mutter mit drei Kindern, einem Großvater und – zwei Papas! Sie erklären mir, dass sie aus ihrer leer stehenden Wohnung geworfen wurden, wo sie bislang als Hausbesetzer in ständiger Unsicherheit gelebt hatten. Provisorisch brachte ich sie in meinem großen Haus unter, das ich in eine Jugendherberge verwandelt hatte. Es waren Weihnachtsferien und es schneite. Die Herberge war voller Deutscher, Engländer,...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 3
Abbé Pierre

Es war nach Kriegsende, als ich Parla­ments­abgeordneter war. Eines Morgens ruft mich jemand an: „Drei Kilometer von hier will sich einer das Leben nehmen. Kommen Sie sofort, sonst versucht er es ein zweites Mal!“ Ich fand einen total ruinierten Menschen. Er erzählte mir sein Leben. Es glich tatsächlich einem Roman. Seine Mutter war eine einfache Hausfrau gewesen. Eines Tages ruft sie ein Notar an und erklärt ihr: „Madame, ein alter Herr, dem Sie den Haushalt machen, hat Sie als Alleinerbin...

  • 17.01.20

Memoiren eines unbeugsamen Christen, Folge 2
Abbé Pierre

Eine weitere dramatische, wenn auch weithin bekannte Erinnerung: Im Zuge der Kampagne, die wir um menschenwürdige Behausungen führten, kämpften wir für einen Kredit von einer Milliarde alter Francs für den Bau von Notunterkünften im harten Frostwinter 1954. Die Regierung antwortete mit einer weiteren Vertröstung auf später. Noch am selben Tag erfror ein Baby und die Nacht darauf auf offener Straße eine alte Frau, die man abends wegen Nichtbezahlung der Miete aus ihrer Mansarde gejagt...

  • 17.01.20
Im Judentum ist die Mutter für die religiöse Zugehörigkeit des Kindes zuständig.

SONNTAGSBLATT_Diözesanwallfahrt nach Israel (Februar 2020)
Teil 03: … von einer jüdischen Mutter geboren

Wer ist ein Jude? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Antisemiten glauben, Juden an ihren Nasen zu erkennen. Andere meinen, sie riechen zu können. Viele scheinen zu wissen, wer ein Jude ist, nur die Juden selbst und auch der Staat Israel können die Frage nicht ausreichend beantworten. Dabei ist diese Frage nicht nur von theoretischem Wert, sondern hat eine ganz praktische politische Bedeutung. Da es keine klare Definition gibt, hat Israel – neben England – als einzige moderne...

  • 17.01.20
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