Positionen - Elisabeth Wimmer
Balancieren üben
„Grüß Gott in unserer kuscheligen Kirche“, werden wir mit Schmäh vor der Messe begrüßt. Ich lerne wieder eine Kirche kennen. (Ganz nah ist mir noch der Eindruck vom Dom in Venzone, der – wieder aufgebaut nach den Erdbeben von 1976 – seine Wunden nicht verschweigt.)
Das Kirchlein Maria Altötting im steirischen Winklern kommt mir in anderer Weise entgegen. Der Kirchenraum, nach dem Vorbild der Gnadenkapelle von Altötting errichtet, hat tatsächlich etwas Heimeliges, und die freundliche Gottesdienstgemeinde verstärkt diese Ausstrahlung.
Doch auch diesem Kirchlein sind seine Erdbeben eingeschrieben, auch ihre prächtige Ausstattung zeigt Schmerz: Die Trennung zwischen Erdenplage und Himmelsfrieden, vertraut aus dem kargen Leben, wurde hier im 18. Jh. ins barocke Bild gesetzt. Ebenso wie die gewaltsamen Konflikte nach der lutherischen Reformation. Wie gut, dass die christlichen Konfessionen längst dazugelernt haben, sich verbunden wissen und üben, neben- und miteinander im Glauben zu wachsen.
Glauben bedeutet balancieren üben zwischen Himmelslicht und Erdenschmerz. Und darüber staunen, dass der Himmel vermag, sich in irdische Erdbeben einzuschreiben.
Elisabeth Wimmer
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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