Mutworte

Beiträge zum Thema Mutworte

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Mutworte - Josef Promitzer
Über Mut

Was ist Übermut? Schnell denke ich an Situationen, die mit Unvernunft und Übertreibung einhergehen. Andererseits fällt mir auch eine heiter-ernstgemeinte Bemerkung der Theologin und Kirchen-Clownin Gisela Matthiae ein: Übermut bedeutet für sie, dass viel Mut übrig ist. Ein schöner Gedanke: Ich habe noch mehr als genug Mut vorrätig, um auch spontan in herausfordernden Momenten über meinen Schatten springen zu können. Vielleicht kann man auch Jesus als übermütig bezeichnen, weil er offenbar die...

  • 11.02.26
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Mutworte - Ruth Zenkert
Der Roma-Junge auf dem Papststuhl

Bevor die Wächter herbeieilen konnten, war Catalin wieder aufgesprungen. Einmal, nur kurz, hatte er in der Audienzhalle des Vatikans auf dem weißgepolsterten Stuhl sitzen wollen, auf dem sonst nur der Papst sitzen darf. Rasch war der Bub wieder bei seinen Freunden, mit denen er aus Rumänien nach Rom angereist war. Vor acht Jahren standen wir in einer kleinen Hütte am Bett seiner kranken Mutter und beteten. Der Krebs war stärker als sie. In der Nacht starb sie. Der Vater wusste nicht, wie er...

  • 04.02.26
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Mutworte - Josef Promitzer
Zeit der Mutigen

Anfang dieses Jahres habe ich es, nach langem Zögern, endlich getan: Ich habe mich einem Buchklub angeschlossen. Seither treffe ich mich regelmäßig mit Anderen, die so gerne lesen wie ich. Der Schritt brauchte bei mir Überwindung. Denn es ist nicht einfach, sich neu einer Gruppe anzunähern, in der bisherige Mitglieder einander kennen und in der es eigene, erst zu entdeckende Regeln gibt. Auf die Frage, welches Buch ich zuletzt gelesen habe, antwortete ich mit „Zeit der Mutigen“. Das...

  • 28.01.26
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Achtung, Hundstrümmerl!

Ist jeder Mensch ersetzbar? Ja, in meinen Funktionen, in dem, was ich tue. Nicht aber im Wie. Denn was wäre an Gutem nicht in der Welt, wenn es mich nicht gäbe? Als Mensch bin ich nicht ersetzbar wie ein Pflasterstein, sondern einzigartiges und daher notwendiges „Puzzleteil“. Unser persönliches Leben ist wie ein unvollständiges Mosaik, mit farbenprächtig hellen Steinen, aber auch dunklen und schweren. Alle gehören dazu. Und es ist eine tiefe menschliche Erfahrung, dass gerade dunkle Steine, die...

  • 22.01.26
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Mutworte - Petra Unterberger
Die Suppe am Herd

Nach einer Rodelpartie oder einem langen Spaziergang im verschneiten Wald freue ich mich auf eine heiße Suppe. Beim Umrühren meiner bunten Gemüsebouillon erinnere ich mich an die heiß begehrte Suppe mit klein aufgeschnittenen Frankfurter Würsteln in der Kindheit. Beim Schöpfen versuchte jedes Kind, so viele Würstel wie möglich zu „fischen“. Die errungene Beute legten wir sorgfältig am Tellerrand ab, um sie zum Schluss zu genießen. Mein Leben scheint so ähnlich wie diese Suppe am Herd, mit jedem...

  • 14.01.26
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Mutworte - Sabine Petritsch
Mut zu lernen

Vor zwanzig Jahren habe ich bei einem Lehrgang eine Teilnehmerin kennengelernt, die dreißig Jahre älter war als ich. Wir verstanden uns auf Anhieb – unabhängig vom Alter. Es entstand eine Freundschaft. Heute ist sie über siebzig. Im Sommer ging es ihr nicht gut, und wohl stellte sich die Frage nach dem Sinn des Lebens neu. In ihrer Umgebung warte man entweder darauf, die Enkelkinder zu bespaßen, oder bereits auf den Friedhof, der durch das Sterben vieler FreundInnen näher rücke, erzählte sie...

  • 07.01.26
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Mutworte - Ruth Zenkert
Der göttliche Bund

Sie seien Könige, daher der Name „königliche Truppe“, erklärte Țuca, der Lehrer der Musikgruppe „Șatra regala“. Begeistert spielen seine SchülerInnen Roma-Lieder. Doch sie nennen sich nicht Roma – „Diese Bezeichnung kommt von anderen, das sind nicht wir!“ –, sondern țigan, Zigeuner. In der Ceaușescu-Zeit wurde ihnen versprochen, dass sie alle gleich seien – wenn sie ihre Traditionen und Sprache ablegten. Sie wurden umgesiedelt, bekamen Arbeit in den Fabriken, Wohnungen im Plattenbau, legten die...

  • 30.12.25
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Himmelstor

„Es hat sich heut eröffnet das himmlische Tor“, singen die Menschen in der kleinen Kirche und klatschen freudig in die Hände. Ihr Jesuskind aus der Weihnachtskrippe, das für einige Tage – wie auch immer – entschwunden war, kehrt unversehrt zur Mette zurück. Für Umkehr ist es nie zu spät. So der Sinngehalt dieser Weihnachtserzählung. Auch in einem Adventgespräch der Kleinen Zeitung mit Richter Thomas Tovilo-Moik geht es um Umkehr. Der Richter unterstreicht die Bedeutung von Respekt und...

  • 17.12.25
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Mutworte - Sabine Petritsch
Mutige Vorfahrin gewesen sein

Ich treffe mich mit einer Freundin. Sie sagt, dass sie vor einer Entscheidung stehe, ihr aber der Mut fehle. Im Gespräch erwähnt sie, allen Frauen ihrer Familie habe der Mut gefehlt; sie hätten sich angepasst und seien ihr keine guten Vorbilder für ein selbstbestimmtes Leben gewesen. Innerlich spürte ich, dass ich das nicht glauben konnte. Ich geriet in eine Art Verteidigungshaltung und plötzliche Solidarität mit ihren Ahninnen. Andere Themen kamen, wir verabschiedeten uns gewohnt freundlich....

  • 10.12.25
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Mutworte - Ruth Zenkert
Bis in den Tod

„Nicht ich – er ist dein Sohn!“, wehrte sich unser Mitarbeiter Eusebiu gegen die Umarmung der Frau und schob Costel zu ihr. Sie starrte ihn enttäuscht an: „Du? Hast du Zigaretten?“ Das waren die ersten Worte, die der Fünfzehnjährige aus dem Mund seiner Mutter hörte. Sie war seit Jahren in einer psychiatrischen Anstalt, elendig und hilflos. Nach seiner Geburt hatte sie ihn im Spital zurückgelassen. Der Bub wuchs in einem der berüchtigten Kinderheime der Ceaușescu-Ära auf. Wie viele, lief er weg...

  • 03.12.25
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Mutworte - Josef Promitzer
Abends an deinem Bett

Manchmal bringe ich meine Neffen ins Bett. Dazu gehören eine Gute-Nacht-Geschichte sowie das Abendgebet. Dabei denken wir über den Tag nach und sagen Danke für alles, was schön war. Wir beten auch für andere Menschen. Als mein älterer Neffe noch klein war, bat er Gott darum, auf alle aufzupassen, die schon von uns gegangen sind. Das klang so: „Ich bitte für Tante Anni, Tante Gretl, Onkel Hans – und Mozart!“ Wobei er eine nachdenkliche Miene aufsetzte und mir erklärte: „Weißt du, Mozart ist...

  • 26.11.25
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Owi lacht

„Es muss sich vieles ändern, damit es so bleibt, wie es ist.“ Dieser Imperativ nach einem Zitat aus dem Roman „Der Leopard“ von G. Tomasi di Lampedusa ist eine Lebensweisheit, der sich das SONNTAGSBLATT verpflichtet weiß. Man stelle sich vor, die Zeitung hätte sich seit ihrer Erstausgabe vor 80 Jahren nicht verändert. Auch ohne hellseherische Fähigkeiten wissen wir, dass es das Blatt längst nicht mehr geben würde. Nur durch Wandlung wird die Grundintention der ersten Stunde erhalten und...

  • 19.11.25
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Mutworte - Sabine Petritsch
Woher kommt der Mut?

Beim Friseur, inmitten des Betriebes, blättere ich in einer Zeitschrift. Meine Aufmerksamkeit bleibt hängen beim Zitat „Courage comes from caring – Mut kommt von Fürsorge“, das dem Philosophen Laotse zugeschrieben wird. Der Artikel beschreibt das Gefühl der Sorge – sei es um andere, um sich selbst oder um ein Ideal, das die inneren Kräfte mobilisiert und sich im mutigen Verhalten zeigt. In mich gekehrt frage ich mich: Was oder wer braucht unsere Fürsorge? Es ist das Haus alles Lebendigen....

  • 12.11.25
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Mutworte - Ruth Zenkert
Essen als Trost

Je näher wir dem Haus von Anca kamen, desto mulmiger wurde mir. Die Familie kam nicht aus dem Elend: Anca mit ihren Kindern, Enkeln und den zwei Männern, die sie zugleich geheiratet hatte. Der Hof voll Müll, das Haus eine Ruine. Heute ging ich hin, weil Ovidiu, ihr achtzehnjähriger Sohn, gestorben war. Als Bub hatte er bei uns gelebt, dann wollte er mit seinem Pferd bei den Bauern Geld verdienen. Sein krankes Herz hielt nicht mehr. Doch als ich den Hof betrat, war alles aufgeräumt. Freunde...

  • 05.11.25
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Homunkulus

Im Labor „wird ein Mensch gemacht“, die Phiole beginnt zu glühen. Ein künstlicher „Mensch“ entsteht im geschlossenen Raum, allein mit Stoffen aus der Vergangenheit. Künstliche Intelligenz (KI) des 21. Jahrhunderts? Nein, es geht um „Homunkulus“ aus Goethes Faust II, von 1825 bis 1831 verfasst. In der Deutung muss die Phiole zerspringen, damit sich der moderne zerstörerische Geist des Menschen zu einer schöpferischen Kraft der Liebe wandelt. Nur durch Wandlung könne der Mensch Ebenbild Gottes...

  • 29.10.25
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Mutworte - Sarah Knolly
Brücken aus Dialog

Was wäre, wenn Sie zu einem Abend eingeladen werden, bei dem Sie mit Menschen an einem Tisch sitzen, die Sie kaum oder gar nicht kennen? Kürzlich fand im Paulschlössl so ein Abend statt. (Bericht siehe S. 7) An sechs Tischen saßen Menschen bei gutem Essen beisammen, die auf den ersten Blick nur eines gemeinsam hatten: Sie wurden persönlich eingeladen und hatten den Mut, sich diesem Abenteuer zu stellen. Als Tisch-Gastgeberin durfte ich an einem kleinen Tisch durch die Gespräche meiner Gäste...

  • 22.10.25
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Mutworte - Josef Promitzer
Das Butterbrot

Meine Mutter macht köstliches Bauernbrot. Wenn ich auf Besuch bei meinen Eltern bin, komme ich oft in den Genuss des frischen, noch warmen Backwerks. Im Geschmack jener knusprigen Brotrinde mit einer zart schmelzenden Butterschicht darauf werden für mich stets Ahnungen von Zuhause und Geborgenheit spürbar. Vor Kurzem habe ich von einem anderen lieben Menschen eine Einladung zum Mittagessen erhalten. Vorne auf der handgeschriebenen Karte war auf einem Foto ein Brotlaib zu sehen, der sich aber...

  • 15.10.25
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Ungiftiges Experiment

Genießen Sie gerade eine gute Tasse Kaffee? Sie wird Ihnen guttun, obwohl Schwedenkönig Gustav III. im 18. Jh. überzeugt war, dass Kaffee reines Gift ist. Um zu beweisen, dass er im Recht ist, startete er ein Experiment: Er begnadigte zwei Häftlinge und ließ einen der beiden täglich eine Tasse Tee, den anderen eine Tasse Kaffee trinken. Mediziner sollten das Experiment über mehrere Jahre dokumentierten. Das Ergebnis: Zuerst starben die Ärzte, König Gustav III. wurde ermordet, und schlussendlich...

  • 08.10.25
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Mutworte - Ruth Zenkert
Göttliche Aufgabe

Sechzehn Kinder sitzen auf Mini-Stühlen im Kreis um Minodora und singen. Sie folgen genau ihren Bewegungen: klatschen, stampfen, Arme hochheben. Ganz konzentriert, merken sie gar nicht, dass ich hereingekommen bin. Wir sind im Kindergarten des Sozialzentrums Casa Martin in Nou. Die Wände sind geschmückt mit bunten Zeichnungen, Schneeflocken aus Krepppapier tanzen an der Decke, selbstgebastelte Tiere stehen im Zoo. Minodora bringt den Kindern Malen, Zahlen, Buchstaben, Singen, Händewaschen und...

  • 01.10.25
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Mutworte - Josef Promitzer
Ja, ich kann!

Der kleine Thomas brachte eines Tages einen Brief von der Schulleitung mit nach Hause. Die Mutter las, schluckte und sagte dem Buben: „Da steht, dass du ein so gescheiter Schüler bist, dass dich die Schule nicht mehr unterrichten kann. Ich selbst werde ab jetzt deine Lehrerin sein.“ So geschah es. Bei dem Buben handelte es sich um Thomas Alva Edison, dem wir unter Anderem die Erfindung der Glühbirne verdanken. Die Geschichte geht noch weiter. Im Nachlass der Mutter stieß Edison nach etlichen...

  • 24.09.25
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Mutworte - Ruth Zenkert
GastgeberIn sein

Die „reiche Tante aus Österreich“ war abgereist, und die VolontärInnen tauchten aus ihren Verstecken auf. Ich schimpfte: „Warum habt ihr nicht geholfen?“ – „Sie war doch dein Gast! Wir wollten nicht stören.“ Bald meldeten sich neue Gäste an. Dieses Mal bereitete ich den Besuch gemeinsam mit den VolontärInnen vor. Ich erklärte ihnen, wer die Gäste seien und warum sie unser Werk kennenlernen wollten. Dann wurden die Aufgaben verteilt. Die Begrüßung wollte natürlich Moise übernehmen. Ich schrieb...

  • 17.09.25
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Arme Affen

In einem Experiment wurde einer Generation von Affen die Mutter entzogen. Da die Tiere ohne jegliche Zuneigung aufwachsen mussten, konnten sie weder Kontakte knüpfen noch Gefühle zeigen. Ja, sie waren nicht einmal fortpflanzungsfähig. Zwangsbefruchtet hassten diese Affenmütter ihren Nachwuchs und peinigten ihn – unfähig, eine Beziehung aufzubauen. Die psychische Gesundheit von Menschen, vor allem der jungen, ist heute sehr angespannt. Verantwortliche fordern daher vermehrt,...

  • 10.09.25
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Mutworte - Christa Carina Kokol
Mut-Tüte

Eine Frau fragt das Kind, hast du schon eine Schul-tüte? Sagt es stolz, ich krieg bestimmt eine Mut-Tüte. Verwundert schaut sie es an. Ganz selbstverständlich klärt das Kind auf. Inspiriert ist die Mut-Tüte von der Geschichte eines Buben, der für den ersten Schultag eine erhält. Darin befinden sich Symbole, die für gute Wünsche stehen, die innerlich stärken sollen für den Übergang in den neuen Lebensabschnitt. Zum Beispiel ein Kleeblatt, da Glück auch in der Schule wichtig ist. Das Kind erzählt...

  • 03.09.25
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Mutworte - Josef Promitzer
Leuchtfeuer

Ich finde Leuchttürme faszinierend. Wie zur Begrüßung stehen sie an Küstengebieten und harren fast heldenhaft bei Sonnenschein, Wind und stürmischer See aus. Ihre Aufgabe ist klar: Sie sollen mit ihrem Leuchtfeuer signalisieren, dass Ufer und Land nicht weit entfernt sind. Leuchttürme bewahren nahende Schiffe mit ihrem Licht davor, auf Grund zu laufen, also im Gewässerboden stecken zu bleiben. Trotz moderner Satellitentechnik und anderer technischer Vorzüge unserer Zeit braucht es die...

  • 27.08.25

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