Mutworte - Christa Carina Kokol
Hoffnung im Konjunktiv

Auch wenn es Winter ist, Weihnachten lässt die meisten von uns nicht kalt und übersteigt unseren Alltag.

Wann sonst glitzert und glänzt es, wohin das Auge reicht, werden Geschäfte und Einkaufszentren gestürmt, um Geschenke für die Mitmenschen zu kaufen, wird auf Straßen und Märkten zu Herzen gehend gesungen und für Menschen in Not die Geldtasche geöffnet? Es ist wie die Suche nach einem verlorenen und doch so vertrauten Paradies. Die Suche nach einem oft schmerzlich verschütteten Urvertrauen, das jedem gegeben ist und – trotz allem – leben, lieben, lachen und an die Zukunft glauben lässt. Ich kann mein verloren geglaubtes Urvertrauen zurückzugewinnen, indem ich den Tag so gestalte, als „würde“ ich vertrauen, dass mein Leben in jedem Augenblick Sinn hat und in einer letzten Geborgenheit aufgehoben ist. „In der Kraft des Konjunktivs ‚würde‘ “, schreibt Michael Köhlmeier, „findet Hoffnung ihre Form.“ Und „Hoffnung ist der Vorschuss auf das zukünftige Glück“ (A. d. Rivarol). Mit unserem Vorschuss erahnen wir, dass Vertrauen, Hoffnung und Liebe einen Grund haben, der jenseits von Zeit und Raum liegt und daher unberechenbar ist. Wie das Geheimnis der Weihnacht.

Christa Carina Kokol
ist dipl. psychotherapeutische Beraterin in Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Franklredaktion@sonntagsblatt.at

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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