Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Der getötete Tod
- hochgeladen von martinus Redaktion
Haben wir den Tod verdrängt, entwaffnet, überlistet, beschönigt? Der Tod ist gegenwärtig, er lauert auf uns und schleicht sich durch die Fugen des Lebens, er ist ein Feind des Lebens. Angesichts des eigenen Todes, der vielen Toten und Getöteten ist die Verharmlosung des Todes tödlich. Frommes Geschwätz redet von „Wiedersehens- und Auferstehungsfeiern“, nicht vom Begräbnis. Andere ermuntern beim Abschied zu bunten Kleidern, sie inszenieren das Sterben. Manche pressen aus der Asche der Verstorbenen Schmuckstücke, beim Abschied zerreden sie das Leben, verdrängen Särge, Gräber, Mittrauernde und das tröstende Wort. Für unsere Vorfahren war der Tod nicht nur ein persönliches Schicksal, sondern ein öffentliches Ereignis, das gemeinschaftlich verarbeitet wurde. Den Tod zu planen und das Sterben zu verhindern, ist lebensfremd: Denn Leben ist Absterben. Die Darstellungen der Totentänze und des Jüngsten Gerichtes, das Wachen mit den Verstorbenen und das Gebet für sie, die blühenden Gräber, die Friedhöfe, der Glaube an das Ewige Leben, Tränen und Trauer und all das Unfassbare haben immer schon den leidenschaftlichen Gott bezeugt. Nur er kann, was wir nie können werden: Er besiegt den Tod!
P. Karl Schauer OSB
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
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