Unter uns - P. Karl Schauer OSB
Verlust der Sprache
- hochgeladen von martinus Redaktion
Um die Sprache wird kaum gerungen, sie ist verflacht. Sie macht den Menschen und seine Kultur, sie bildet, versöhnt und entzweit. Nicht ich mache die Sprache, die Sprache macht mich! Der Evangelist Johannes überliefert: „Im Anfang war das Wort“. Kürzel, Zeichen, Unworte ersetzen die Sprache, es gibt sogar ein „Unwort“ des Jahres. Es wird gestottert, gerülpst, aus dem Zusammenhang gerissen. Die Zeitungen sind voll mit Fehlern, auch Bildschirme ersetzen die Bücher nicht. Der Sprache, als Ausdruck des Denkens und des Ringens um Wahrheit, Tiefe und Schönheit, wird Gewalt angetan. Auf einem Großplakat kann man eine Firmenwerbung lesen: „Dein Klo ist verstopft – Es ist unser tägliches Brot“. Auf einer Hinweistafel für das jährliche Heldengedenken: „Lebendiges Brauchtum“, als ob Kriege und Gefallene, das Denken an Opfer und Täter und die Sehnsucht nach Frieden nur ein „Brauch“ wären. Auf einem Grab konnte ich die Inschrift lesen: „Der Tod ist die Auferstehung“. Hat nicht Christus gesagt: „Ich bin die Auferstehung und das Leben?“ Und ein Advent, wie er „früher“ einmal war? Bitte nicht, denn die Armut quält.
– Wenn die Sprache stirbt, stirbt auch das Leben.
P. Karl Schauer OSB
Autor:martinus Redaktion aus Burgenland | martinus |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.