Kommentare & Blogs

Beiträge zur Rubrik Kommentare & Blogs

Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Glücklicher Josef

Er war weder modern, noch lebte er selbstbestimmt. Wie alle jungen Männer hatte er Träume, die er verwirklichen wollte. Doch die Widerfahrnisse waren stärker. Zwar haben sich seine Wünsche keiner Pandemie beugen müssen. Die Mechanismen des Alltags lehrten ihn aber Tag für Tag, dass das Gerede vom selbstbestimmten Leben bloß Opium für das Volk ist. Und dann kam sie. Die Frau, die ihm den Kopf verdrehte. Wie gerne hätten sie das Leben zu zweit nach ihren Willen gestaltet. Als er sie schwanger...

  • 18.12.20

Kommentar: Die Kirche & ich
Menschenwürdiges Sterben – wirklich?

Wir alle haben Angst davor, in eine Lage zu kommen, die unerträglich ist und aus der nur mehr der Tod uns befreien kann. Ich verstehe die Hoffnung, dass es dann jemanden gibt, der mir hilft, möglichst schnell den erlösenden Tod herbeizuführen. Und ich verstehe, warum viele Menschen sich über unsere Verfassungsrichter freuen, die das Verbot der Beihilfe zum Suizid aufgehoben haben, weil zum guten Recht auf „menschenwürdiges Sterben“ auch der Suizid gehört. Auf diesen Seiten finden sich viele...

  • 17.12.20

Erzählung
Näher, mein Gott, zu dir

Am Abend sitze ich vor dem Fernseher, sehe und höre auf den Querschnitt von Höhepunkten aus den Maastricht-Konzerten des Johann Strauß-Orchesters von André Rieu. Coronabedingt hat es dieses populäre Konzert 2020 nicht gegeben. Viele bekannte Melodien stehen auf dem Programm, sorgen für heitere Stimmung unter den Konzertbesuchern, die sich auch auf die Zuseher vor dem Fernsehschirm überträgt. Ungefähr in der Mitte des Programms sagt der dirigierende André Rieu einen Titel an, bei dem ich...

  • 16.12.20

Offen gesagt - Herbert Meßner
Alle Jahre wieder – auch und gerade heuer

Nicht alles, was wir heuer zu Weihnachten machen, wird nach dem Motto „Alle Jahre wieder“ vor sich gehen. Manches wird anders sein, manches nicht gehen. Für manche wird es gerade heuer heißen „Einsam wacht“. Doch das, was wirklich „alle Jahre wieder“ geschieht, ereignet sich gerade heuer. Das Christuskind kommt auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind. Es kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus. Der die Tür zum Paradies aufschließt, für den gibt es keinen Lockdown, keine Ausgangsbeschränkung....

  • 16.12.20

Offen gesagt - Dr. Wilhelm Krautwaschl
Weihnachtsgruß des Bischof

Liebe Leserinnen und Leser unseres Sonntagsblattes! Ich frage Sie ganz frei heraus: Werden Sie sich an das Jahr 2020 im Guten oder im Schlechten erinnern? Durch das Corona-Virus wurden Freiheiten nachhaltig beschnitten, für die einen gingen Jobs verloren, andere arbeiteten bis zur Erschöpfung, statt Gemeinsamkeit gab es Isolation. Damit nicht genug. Das Flüchtlingslager in Moria brennt. In Berg-Karabach und Äthiopien brechen Kriege aus. In Europa hält der Terror erneut Einzug; zuletzt in Wien....

  • 16.12.20

Positionen - Karl Veitschegger
Verloren?

Eine befreundete Lehrerin hat mich darauf aufmerksam gemacht: Das Jugendwort 2020 ist „lost“. Mit diesem englischen Wort bezeichnen Jugendliche jemanden, der unsicher, planlos, überfordert, verloren, also irgendwie neben der Spur ist. Wer „lost“ ist, steht daneben – in Schule, Sozialkontakt, Arbeit oder überhaupt im Leben. Kennen auch Sie dieses Gefühl, „lost“ zu sein? Die Bibel erzählt: Jesus ist gekommen, „zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Mk 2,17). Die, die „lost“ sind, haben einen...

  • 16.12.20

Mutworte - Christa Carina Kokol
Ich trau dir das zu

„Advent, das ist die stillste Zeit im Jahr …, die Zeit der frohen Zuversicht und der gläubigen Hoffnung. Es mag nur eine Binsenweisheit sein, aber es ist eine von den ganz verlässlichen, dass hinter jeder Wolke der Trübsal ein Stern der Verheißung glänzt …“ So beginnt eine Erzählung, die ich einst als schüchternes Mädchen bei einer schulischen Feier vortragen durfte. Ein vom Wesen her einfühlsamer Lehrer hat mir vertraut und auch zugetraut, dass ich es kann. Für mich eine unerwartete, aber...

  • 16.12.20

Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Warum lachst Du?

„Warum lachst du?”, fragt die Studentin ihren Kollegen. Beide sitzen im großen Lesesaal der Bibliothek und bereiten sich auf ihre Prüfungen vor. „Habe gerade den Blödsinn über den Wert des Gottvertrauens gelesen. Die Alten sollen einander immer zugesichert haben, man könne nicht tiefer fallen als in die Hand Gottes.” Die Studentin denkt kurz nach und sagt: „Stell dir vor, wir stehen am Seeufer. Ich nehme einen kleinen Stein in die Hand und werfe ihn ins Wasser. Was passiert da?” Der verdutzte...

  • 09.12.20

Aus meiner Sicht - CR Herbert Meßner
Gott wohnt, wo man ihn einlässt

Die Herbergsuche wird bei uns im Advent so gespielt, dass Maria und Josef mit dem Jesuskind in Betlehem einen Lockdown vorfinden. Gastronomie über Weihnachten geschlossen. Nicht als Verordnung von oben, sondern als Selbstschutz der Herbergswirte vor Armen, die nicht bezahlen können. Vielerorts fällt heuer wahrscheinlich auch ein größeres Herbergsuche-Gehen wegen Corona aus. Aber die Herbergsuche fällt nicht aus. Genauso wenig, wie die Güte und Hilfsbereitschaft des heiligen Nikolaus „ausfallen“...

  • 09.12.20

Offen gesagt - Florian Mittl
Lebensdienliche Kirche?

Ist die Kirche system-relevant? Nach dem ersten Lockdown hat die Debatte rund um die Öffnung von Baumärkten noch vor Wiederaufnahme der Gottesdienste die Frage nach der Systemrelevanz von Kirche(n) aufgeworfen. Darin liegt eine riskante Falle für in der Kirche Engagierte, denn man gerät sehr schnell in die Abwehrhaltung. Systemrelevanz mutiert so leicht zum Kampfbegriff. Bischof Mario Grech, Generalsekretär der weltweiten Bischofssynode, sagte vor kurzem: „Es wäre Selbstmord, wenn wir nach der...

  • 09.12.20

Positionen - Marlies Prettenthaler
Freude?

„Freut euch!“ – lateinisch „Gaudete“ – ist der Name des dritten Adventsonntags. Paulus ruft im Brief an die Gemeinde in Philippi: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe!“ Eine Aufforderung? Lässt sich Freude anordnen? Nein, genauso wenig, wie sich Glück machen oder Hoffnung erzwingen lässt! Freude ist einfach da, sie entsteht ohne willentliches Zutun. Freude ist ein Gefühl, das zu den Basisemotionen zählt, die bei Menschen unabhängig von...

  • 09.12.20

Mutworte - Anna Schreiber
Anderes Weihnachten

„Wenn ich an Weihnachten denke, frage ich mich, was davon überhaupt noch übrig bleiben wird in dieser ‚so anderen‘ Zeit? Viele liebgewordene Rituale werden wohl dieses Jahr nicht möglich sein.“ Vielen Menschen geht es so wie Ihnen. Das „so andere“ Ostern ist uns noch in lebhafter Erinnerung. Im Frühjahr trösteten wir uns mit dem Gedanken, dass bald alles wieder „normal“ sein werde. Nun steht Weihnachten vor der Tür, und „normal“ im Sinne von „wie immer“ wird es nicht werden. Die Frage, die uns...

  • 09.12.20

Aus meiner Sicht - CR Herbert Meßner
Wir brauchen den Geist des Nikolaus

Von Nikolaus, dem Heiligen des 6. Dezember, sind uns viele Geschichten überliefert. In der Erzählung vom Schiff, dessen Kapitän kein Korn für die hungernde Bevölkerung von Myra hergeben wollte, steht er für Verteilungsgerechtigkeit. In der Geschichte von den goldenen Äpfeln für drei verarmte Mädchen steht er für rasche, unbürokratische Nothilfe. Es gibt aber auch Erzählungen, wo der Bischof Nikolaus erscheint. Etwa auf einem Schiff, das zu kentern droht. Oder um Unschuldige vor dem Todesurteil...

  • 02.12.20

Offen gesagt - Andreas Steiner
Wie Nikolaus sein

Wozu brauchen wir den heiligen Nikolaus? Was können wir von ihm lernen? Wenn wir auf den historischen Nikolaus schauen, der war als Bischof von Myra für alle Menschen da, die ihm anvertraut waren. Die Hungersnot-Legende zeigt das: Die Leute hatten weder Mehl noch Brot, sind zum Bischof gegangen in der Hoffnung, dass er helfen kann. Wie viele wissen: Bischof Nikolaus geht zum Hafen, raunzt einem Kapitän Korn für seine Stadt ab und baut auf Gottes Hilfe, dass sich das Korn bis zum Endhafen des...

  • 02.12.20

Positionen - Leopold Neuhold
Schon "vorlächeln"

Ein König hat ein wunderbares Schloss und einen prächtigen Jagdhund. Eines Tages verläuft sich der Jagdhund in den Spiegelsaal des Schlosses. Beim Anblick seines Spiegelbildes, in der Meinung, ein anderer Hund sei da, fletscht er die Zähne. Natürlich zeigt auch das Spiegelbild drohend die Zähne, und das tun alle Spiegelbilder im mit Spiegeln vollgestellten Saal. Wildes Knurren und Bellen, angedeutete Attacken vervielfältigen sich in den Spiegelbildern. So hetzt der Hund panisch im Saal herum,...

  • 02.12.20

Mutworte - Christa Carina Kokol
Ein Stück Hoffnung mitten im Stau

„Corona ist wie im Stau stehen“, lese ich in einer Grazer Wochenzeitung. Ja, auch im Stau ist man genervt. Wie lange noch? Wieso gerade jetzt? Ignoranz und eigenmächtiges Vorpreschen sind unverantwortlich und lebensgefährlich. Es liegt in meiner Macht, wie ich die unfreiwillige Wartezeit gestalte: Ich kann mich aufregen, nach Schuldigen suchen, mir selbst und anderen das Leben (noch) schwerer machen. Ich kann aber die Zeit auch sinnvoll nutzen – für mich und alle Beteiligten. Auch der Advent...

  • 02.12.20

Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Gottes Ratschlüsse

Immer und immer wieder lagen sie sich in den Haaren, wenn sie über Gott redeten. Der Möchtegern-Atheist sagte zu seinem Freund: „Du und dein lieber Herrgott! Er tut doch nichts anderes als bloß fordern. Niemals nimmt er dem Menschen eine Last ab. In den Schriften steht doch, dass er sich am Berg offenbart. Lass uns mal auf den höchsten Gipfel der Umgebung hinaufsteigen. Zum Beweis! Und du wirst sehen, dass ich Recht habe.“ Gesagt, getan. Am Berg oben wurde es schnell dunkel. So nickten sie ein....

  • 01.12.20

Kommentar: Die Kirche & ich
Sex und Geld – ein Dauerbrenner

In diesen Tagen war die häufigste kirchliche Meldung in den Medien jene, dass der Papst im Internet das Foto einer leicht geschürzten Influencerin gelikt habe. Und dass der Vatikan dazu eine Untersuchung eingeleitet habe (natürlich nicht gegen den Papst, denn der betreut seine Social-Media-Kanäle ja nicht selber, sondern hat dafür ein Team). Warum, fragt mich ein Freund, sind wir hauptsächlich dann in den Medien, wenn es um Sex oder Geld geht? Dafür habe ich eine einfache und eine komplexere...

  • 26.11.20

Aus meiner Sicht - CR Herbert Meßner
Dieser Advent braucht das Licht der Hoffnung

Wenn wir uns in der Redaktion bei Dienstschluss verabschieden, sagen wir oft „Bis morgen!“ oder „Bis Donnerstag!“ Manche wünschen „Schönes Wochenende!“ Andere verabschieden sich einfach mit „Auf bald!“. Als Jesus sich von seinem irdischen Wirken verabschiedete, hat er keinen Termin genannt. Aber er hinterließ uns die Aussicht: Auf bald!“ Einige haben daraus dann wieder einen Termin gemacht und erwarteten seine rasche Wiederkunft. Aber Jesus wollte uns ausdrücklich nicht auf einen Termin...

  • 25.11.20

Offen gesagt - Dr. Erich Schenk
Tageslicht einfangen

Warum braucht der Mensch Licht? Antriebslosigkeit, Gleichgültigkeit, mitunter Konzentrationsschwierigkeiten, vielleicht sogar Hoffnungslosigkeit und Minderwertigkeitsgefühle. Dazu Schlafstörungen, Müdigkeit, zunehmender Appetit kommen Ihnen bekannt vor? Die lichtarme Zeit beschert uns ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt, Melatonin, für den Schlaf wichtig, wird auch tagsüber produziert und dementsprechend weniger Serotonin, unser „Glückshormon“: Das führt zu den beschriebenen Symptomen....

  • 25.11.20

Positionen - Elisabeth Wimmer
Sie öffnen uns den Augenblick

Warum braucht unsere Gesellschaft Kunst und Kultur? Warum Konzerte, Literatur, Ausstellungen, Theater, Brauchtum, Kabarett und die Menschen, die für all das arbeiten? Weil diese eine Auszeit vom Alltag anbieten und zur Erholung beitragen. Weil sie uns zum Nachdenken anregen. Wenn sie ihre Sache gut machen, verbinden sie uns mit unseren Wurzeln, beschreiben Leid, für das wir keine Worte haben, drücken Gefühle aus, die wir dann besser spüren. All das hilft uns leben. Weil Orchester, Ensembles und...

  • 25.11.20

Mutworte - Harald Baloch
Mut zur Bewährung

Fritz hatte es schwer im Leben. Beide Eltern starben bei einem Bombenangriff auf Graz. Begreifbar, dass er sich dann als fast noch Jugendlicher gegen Kriegsende von der SS anwerben ließ. Mit dem Stigma dieser Mördertruppe wurde er von der US-Armee in Italien interniert. Bald kam er frei, stand jedoch ohne Lebenssinn und Berufsausbildung da. Es folgten zwanzig Jahre, in denen sich Fritz als Kleinkrimineller durchs Leben schwindelte. Diebstähle, Schwarzhandel. Immer wieder landete er im...

  • 25.11.20

Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Ein wenig Stille

„Wer nur den lieben Gott lässt walten“: Der Text dieses wunderbaren Liedes entstand während des Dreißigjährigen Krieges. Die Bevölkerung wurde damals durch Kriegshandlungen und Pestepidemien regelrecht dezimiert. Johann Georg Neumark, der den Text dichtete und auch selbst im Jahr 1657 in Braunschweig – gerade nach dem Ausbruch der Pestepidemie mit mehr als fünfeinhalb tausend Opfern – vertonte, wusste aus persönlicher Erfahrung, dass alles „Weh und Ach“ und das ständige „Beseufzen unseres...

  • 24.11.20

Kommentar: Die Kirche & ich
Machts kein Theater!

Meine Mutter hat auf eine eigentümliche Weise Mitgefühl und Warmherzigkeit mit Nüchternheit und einer Abneigung gegen jede Aufgeregtheit verbunden. Als sie als 16-Jährige mit Mutter und Geschwistern aus ihrem Zuhause in Böhmen vertrieben wurde und sie nur wenige Minuten hatte, um einen einzigen Koffer zu packen, hat sie nicht ihre Lieblingssachen mitgenommen, sondern ihre praktischsten Kleider und ihre festesten Schuhe. So war sie, und diese Haltung hat ihr durchs Leben geholfen. Wenn eines von...

  • 19.11.20

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