Kommentar: Die Kirche & ich
Sex und Geld – ein Dauerbrenner

Ich denke, dass es in jedem Menschen sowohl eine Sehnsucht nach Reinheit gibt (Reinheit etwa in dem Sinn, wie eine Bergquelle rein ist), als auch die Neigung dazu, die Sau rauszulassen.
  • Ich denke, dass es in jedem Menschen sowohl eine Sehnsucht nach Reinheit gibt (Reinheit etwa in dem Sinn, wie eine Bergquelle rein ist), als auch die Neigung dazu, die Sau rauszulassen.
  • Foto: Gerd Altmann / Pixabay
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In diesen Tagen war die häufigste kirchliche Meldung in den Medien jene, dass der Papst im Internet das Foto einer leicht geschürzten Influencerin gelikt habe. Und dass der Vatikan dazu eine Untersuchung eingeleitet habe (natürlich nicht gegen den Papst, denn der betreut seine Social-Media-Kanäle ja nicht selber, sondern hat dafür ein Team).

Warum, fragt mich ein Freund, sind wir hauptsächlich dann in den Medien, wenn es um Sex oder Geld geht?

Dafür habe ich eine einfache und eine komplexere Erklärung. Die einfache: Sex und Geld interessiert die Leute halt sehr.

Die komplexere: Ich denke, dass es in jedem Menschen sowohl eine Sehnsucht nach Reinheit gibt (Reinheit etwa in dem Sinn, wie eine Bergquelle rein ist), als auch die Neigung dazu, die Sau rauszulassen.

Das führt dazu, dass viele Menschen unbewusst von der Kirche erhoffen, dass sie ihnen in ihrer Sehnsucht zur Reinheit hilft. Und gleichzeitig befürchten, dass die Kirche sie daran hindern will, die Sau rauszulassen. Und wenn dann ein Fauxpas passiert, verbinden sich Enttäuschung und Erleichterung zu einer starken Emotion. Diesen Mechanismus scheint es nicht nur beim Sex zu geben, sondern auch beim Geld – mit der Doppel-Sehnsucht nach der Bedürfnislosigkeit und nach dem Lotto-Hauptgewinn.

Für Medienkonsumenten gilt: Je gereifter die Persönlichkeit, desto gleichmütiger wird sie mit Fehlern anderer, auch der Kirche, umgehen.

Für uns Kirchenleute gilt: Ohne uns übereifrig auf den Sex und das Geld anderer Menschen zu konzentrieren doch die große Sehnsucht nach der Reinheit ernst nehmen. Sie hat außer uns ja kaum noch Beschützer.

Autor:

Michael Prüller aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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