Kommentar: Die Kirche & ich
Menschenwürdiges Sterben – wirklich?

Wenn wir als Gesellschaft den Respektabstand vor dem Tod verlieren, drohen wir ihn auch vor dem Leben zu verlieren.
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Wir alle haben Angst davor, in eine Lage zu kommen, die unerträglich ist und aus der nur mehr der Tod uns befreien kann. Ich verstehe die Hoffnung, dass es dann jemanden gibt, der mir hilft, möglichst schnell den erlösenden Tod herbeizuführen. Und ich verstehe, warum viele Menschen sich über unsere Verfassungsrichter freuen, die das Verbot der Beihilfe zum Suizid aufgehoben haben, weil zum guten Recht auf „menschenwürdiges Sterben“ auch der Suizid gehört.

Auf diesen Seiten finden sich viele Argumente, warum es trotzdem bisher besser war. Warum es gut ist, das Leben für so wertvoll und unantastbar anzusehen, dass auch die Vernichtung durch die eigene Hand nicht als eine gute Tat angesehen wird, an der sich andere straflos beteilgen dürfen.

Wenn wir als Gesellschaft den Respektabstand vor dem Tod verlieren, drohen wir ihn auch vor dem Leben zu verlieren. Auch wenn es hart klingt (und es wohl auch ist): Sich dem Leben auch in schweren, leidvollen und verzweifelten Situationen zu stellen und es zu bejahen, ist eine Pflicht, die jeder einzelne zum Wohl aller hat.

Als gläubiger Christ kann ich in solchen Situationen auf die Herrlichkeit hoffen, die danach kommt und auf den Beistand des Heiligen Geistes – und ich weiß vom Sinn, denn auch mein Leiden hat. Aber jemand, für den mit dem Tod alles aus ist? Was wird ihn aufrichten?

Ein Leben, das mit dem Tod sowieso den Sinn verliert, droht allzu leicht, auch schon vorher als sinnlos empfunden zu werden, wenn es nicht mehr genossen oder produktiv eingesetzt werden kann.

Die Selbstvernichtung ist eine ungeheuer traurige Antwort auf Sinn- und Hoffnungslosigkeit. Ein menschenwürdiges Sterben ist sie nicht.

siehe auch: "Sterbehilfe-Urteil ist ein Kulturbruch" Änderung beim Strafgesetzbuch-Paragraf 78

Autor:

Michael Prüller aus Wien & NÖ-Ost | Der SONNTAG

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