Positionen - Marlies Prettenthaler
Freude?

„Freut euch!“ – lateinisch „Gaudete“ – ist der Name des dritten Adventsonntags. Paulus ruft im Brief an die Gemeinde in Philippi: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! Denn der Herr ist nahe!“
Eine Aufforderung? Lässt sich Freude anordnen? Nein, genauso wenig, wie sich Glück machen oder Hoffnung erzwingen lässt! Freude ist einfach da, sie entsteht ohne willentliches Zutun. Freude ist ein Gefühl, das zu den Basisemotionen zählt, die bei Menschen unabhängig von ihrer kulturellen Prägung identifiziert werden können.
Auch wenn es so etwas wie stille Freude gibt, ist sie ein soziales Gefühl, also auf das Umfeld bezogen. Nicht umsonst findet sich in der Wortlandschaft der Freude die Freundlichkeit – nicht jene aufgesetzte, die in speziellen Trainings angelernt werden kann, sondern Freundlichkeit, die sich als Haltung der Welt, den anderen und auch sich selbst gegenüber versteht. Freude braucht Freiheit, und sie lebt von Wahrhaftigkeit.
Freude kann verloren gehen, kann verkümmern, Menschen können emotional verarmen.
Freude lässt sich nicht herstellen, aber sie lässt sich vielleicht einladen: Freundlichkeit kann Freude wecken. Die Frage: „Haben Sie sich heute schon gefreut?“, mit der mich ein sehr alter Kapuzinerpater vor vielen Jahren am Morgen begrüßte, hat meiner Freude nicht nur damals auf die Sprünge geholfen, sondern tut es bis heute, wenn ich mich daran erinnere. Vielleicht kann auch die noch grundsätzlichere Frage „Findet mich die Freude?“ dazu beitragen, freudiges Gestimmtsein nicht zu verlernen.

Monika Prettenthaler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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