Schlusspunkt

Beiträge zum Thema Schlusspunkt

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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Inbegriff der Hingabe

Fronleichnam 2021: Vor meinen Augen taucht das Bild auf, das ich aus der Zeit meiner Kindheit kenne. Es war auf der Kanzel unserer Dorfkirche zu sehen. Thomas von Aquin hat es in seinem eucharistischen Hymnus als Bild für Christi Hingabe verwendet und so die Imagination der Weltkirche geprägt. Es erzählt die Geschichte einer Vogelfamilie. Drei Kinder sind da. Ewig hungrig. Die permanent offenen Schnäbel signalisieren dem glücklichen Pelikan, dass er unverzichtbar ist. Unverzichtbar bei der...

  • 02.06.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Unser Lebensboot

Endlich durften sie verreisen. So fuhren sie zum See und schlugen ihre Zelte am Campingplatz auf. Am Abend haben die beiden Freunde beschlossen, mit dem Boot ans andere Ufer zu fahren. Um in der Bar ordentlich zu bechern. Sie blieben bis zur Sperrstunde hocken, tranken eine Flasche nach der anderen. Dann schwankten sie gemeinsam zu ihrem Boot. Stiegen ein und fingen an zu rudern. Nach zwei Stunden schwerster Arbeit hielten sie an. Ganz verschwitzt und nach Luft ringend fragte der eine Ruderer...

  • 14.05.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Auf dem Berge Sinai

Wie im sprichwörtlichen siebten Himmel: so fühlte er sich. Dort oben auf dem Berg Sinai. Sein Kopf war voll von Zukunftsplänen, sein Geist strotzte geradezu vor Energie. Nachdem er fast vom „Angesicht zu Angesicht“ mit Gott geredet und die Gesetzestafeln in Empfang genommen hatte, stieg Mose den Berg hinunter. Und wurde prompt mit der Realität des Alltags konfrontiert. Seine Landleute taten das, was die Menschen meistens zu tun pflegen. Sie tanzten um das sprichwörtliche goldene Kalb, jammerten...

  • 29.04.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Freu Dich am Genuss!

Das waren noch Zeiten. Als Gläubige, Nonnen und Priester einen Glaubenskampf führten. Nicht wegen Reform der Kirche und auch nicht um die Priesterweihe für Frauen. Die Fastengebote standen zur Debatte. Der Genuss von Fleisch war klar geregelt. Aber nicht der von der Schokolade. Als die ersten Europäer nach Mexiko kamen, probierten sie das Gesöff, das von Einheimischen getrunken wurde. Scheußlich bitter und fett schmeckte der Kakaobrei. Die mitgereisten Nonnen waren experimentierfreudig. Sie...

  • 12.03.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Kirche als Sündenbock

Er glaubte seinen Augen kaum. Auf dem Höhepunkt der Krise bat er einen befreundeten Maler, das Bild des Todes zu malen. Die Zeiten waren schlecht. Überall wütete die Pest. Unzählige Menschen kämpften mit dem Tod, etliche starben. Die Hoffnung schwand dahin. Schimpfen und Klagen beherrschten den Alltag. Und die Sündenbockjagd. Karl Borromäus glaubte durch ein hoffnungsspendendes Bild des Todes zur Aufhellung der Gemüter beizutragen. Deswegen gab er das Bild in Auftrag. Und nun? Er starrte auf...

  • 04.03.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Ein Lächeln schenken

Immer und immer wieder bekam er von den Verkäuferinnen zu hören, dass die Kundinnen und Kunden mit einem ernsten Gesicht in ihr Geschäft kommen. Und mit einem noch ernsteren das Geschäft verlassen. „Da muss man doch etwas machen. Das Brotkaufen ist zwar eine lebenswichtige Angelegenheit, aber kein todernstes Ritual“, klagten die Damen. Mein Freund, der Klinikseelsorger Andreas, hörte sich die Klagen mehrmals an. Schließlich kaufte er dort jeden Tag seine Semmeln ein. Irgendwann beschloss man,...

  • 02.02.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Das Pandemiejahr

Spät am Heiligen Abend saßen sie im Wohnzimmer. Diesmal kein Besuch einer Mette. Die Pandemie machte die Sache schwierig. Die Sektflasche war fast leer. Regelrecht angetrunken versuchten beide, Bilanz zu ziehen über das, was sie erlebt haben. Unentwegt klagte er über das Katastrophenjahr 2020. Sie starrte bloß den Weihnachtsbaum an. Irgendwann kam er zur Überzeugung, sie höre gar nicht zu. So wechselte er das Thema. „Die vielen bunten Lichter am Baum sind doch schön, oder?” Die Frau entgegnete:...

  • 12.01.21
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Gottes Ratschlüsse

Immer und immer wieder lagen sie sich in den Haaren, wenn sie über Gott redeten. Der Möchtegern-Atheist sagte zu seinem Freund: „Du und dein lieber Herrgott! Er tut doch nichts anderes als bloß fordern. Niemals nimmt er dem Menschen eine Last ab. In den Schriften steht doch, dass er sich am Berg offenbart. Lass uns mal auf den höchsten Gipfel der Umgebung hinaufsteigen. Zum Beweis! Und du wirst sehen, dass ich Recht habe.“ Gesagt, getan. Am Berg oben wurde es schnell dunkel. So nickten sie ein....

  • 01.12.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Ein wenig Stille

„Wer nur den lieben Gott lässt walten“: Der Text dieses wunderbaren Liedes entstand während des Dreißigjährigen Krieges. Die Bevölkerung wurde damals durch Kriegshandlungen und Pestepidemien regelrecht dezimiert. Johann Georg Neumark, der den Text dichtete und auch selbst im Jahr 1657 in Braunschweig – gerade nach dem Ausbruch der Pestepidemie mit mehr als fünfeinhalb tausend Opfern – vertonte, wusste aus persönlicher Erfahrung, dass alles „Weh und Ach“ und das ständige „Beseufzen unseres...

  • 24.11.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Beten Sie für Stalin!

„Beten Sie um das ewige Heil für Josef Stalin!” Diese ungewöhnliche Bitte richtete Kardinal Stefan Wyszynski immer an die Warschauer Karmelitinnen, wenn er zum „Gespräch“ mit dem Chef der kommunistischen Partei Wladyslaw Gomulka ging. Bei solchen Treffen wurde er angepöbelt und beleidigt. Um nicht mit „gleicher Münze“ zurückzuzahlen, sondern Geduld im „Dialog“ zu bewahren, atmete er dieses Klima des Gebets für den ärgsten Feind, den die damalige Kirche in Polen beim Namen nennen konnte, ein....

  • 16.11.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Das ist die Hölle

Ein Mann, sein Pferd und sein Hund wurden vom Blitz getroffen. Ohne, dass sie es gemerkt haben, setzten sie die Wanderung im Jenseits fort. Schrecklicher Durst setzte ihnen zu. Plötzlich sahen sie einen goldenen Palast mit einem Brunnen davor. Das kristallklare Wasser versprach Erleichterung. „Was ist das für ein Ort?“, fragte der Mann den Wärter. „Es ist der Himmel“, antwortete dieser. „Wir würden so gerne unseren Durst löschen“, bat der Mann. Der Wärter zeigte auf den Brunnen. Als der...

  • 10.11.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Bonhoeffers Lehrstück

Gründe für abgrundtiefe Angst hat dieser Mensch mehr als genug gehabt. Europa stand gerade mitten im Gewaltinferno des Zweiten Weltkriegs. In einer Gefängniszelle eingesperrt, erwartete er die Vollstreckung des Todesurteils. In dieser wahrhaft apokalyptischen Situation verzweifelt der Mann nicht und verfällt auch nicht in Depressionen. Vielmehr dichtet er! Leert aber in seinem Gedicht keineswegs einen Kübel von Dreck und Bosheit, von Anschuldigung und Ressentiment über diese so schlechte Welt...

  • 03.11.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Gipfelmesse

Schlechter konnte das Wetter nicht gewesen sein. Für eine Gipfelmesse! Keine gewöhnliche. Die Bergrettung Maurach wollte am vergangenen Sonntag das neue Gipfelkreuz an der Seekarlspitze einweihen. Aus einem Stück Granit gehauen, krönt es seit Kurzem den kahlen, wie vom Steinmetz bearbeiteten, Seekarl. Stundenlanger Schneefall verhinderte den Aufstieg. So fand die Messe bloß auf 1800 Metern statt. Umgeben von wunderschöner Winterlandschaft durfte ich den Gottesdienst feiern. Dass die Steinmetze...

  • 20.10.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Zeichen der Gegenwart

Es sollte das schönste Gebäude der Welt werden. Erbaut zu Ehren des einzigen Gottes. König Salomo dachte lange nach, wie er das Werk angehen soll und kam schließlich auf die schöne Idee, dass alle Stände seines Staates eine Mauer errichten sollen. Der Tempel sollte ja auch ein Zeichen der Einheit des Landes werden. Landbesitzer, Handwerker, Kaufleute und die mittellosen Armen haben den Auftrag zum Bau bekommen. Die Wohlhabenden entledigten sich schnell ihres Auftrags. Sie bezahlten die...

  • 07.10.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Die Perle des Augenblicks

Tag für Tag ließ sich der reiche und mächtige König von seinen Untertanen huldigen und nahm dabei kostbare Geschenke in Empfang. Längst ist ihm das Ganze zu reiner Routine verkommen, die ihn im Grunde langweilte. Jeden Tag wartete auch ein armer Bettler darauf, dem König sein Geschenk zu überreichen. Es war ein Apfel. Jedes Mal erschien ein ironisches Lächeln auf dem Gesicht des Monarchen. Gedankenlos warf er den Apfel in einen Korb. Hin und wieder machte er Witze über den seltsamen Bettler....

  • 01.10.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Im Aufstieg und im Fall

Er lebte auf diesen Tag hin. Nach jahrelangem Training, vielen Verletzungen, aber auch etlichen Siegen, hoffte er diesmal auf die Sternstunde seines Lebens: die olympische Goldmedaille. Schließlich war er in Topform, hatte Bestzeit im Vorlauf, wurde auch Sieger in der zweiten Runde. Mit einem furiosen Start sprintete er im Halbfinale los, setzte sich bald an die Spitze. Doch dann stürzte er, blieb zuerst am Boden liegen. Sein Gesicht schmerzverzerrt, seine Augen mit Tränen gefüllt. Dann erhob...

  • 29.09.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Entscheidend ist, einander beizustehen

Er lebte auf diesen Tag hin. Nach jahrelangem Training, vielen Verletzungen, aber auch etlichen Siegen, hoffte er diesmal auf die Sternstunde seines Lebens: die olympische Goldmedaille. Schließlich war er in Topform, hatte Bestzeit im Vorlauf, wurde auch Sieger in der zweiten Runde. Mit einem furiosen Start sprintete er im Halbfinale los, setzte sich bald an die Spitze. Doch dann stürzte er, blieb zuerst am Boden liegen. Sein Gesicht schmerzverzerrt, seine Augen mit Tränen gefüllt. Dann erhob...

  • 24.09.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Die Maßstäbe Gottes

Er wuchs auf dem Abhang eines Berges. Konnte mit voller Wucht die reine Luft einatmen und die Kraft der Sonne genießen. Doch bald merkte er, dass er anders war. Er versuchte es anfangs zu ignorieren. Mit der Zeit konnte man es nicht übersehen. Seine Zweige waren ganz mit hässlichen Dornen bedeckt. Kein Wunder, dass die Vögel ihn hassten. Und auch die Schafe, die ja bei jeder Begegnung etwas von ihrer Wolle an seinen Dornen lassen mussten. Selbst die Ziegen, die sogar an Steinen knabberten,...

  • 16.09.20
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Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Wasserglas oder See

„Ich halte es nicht mehr aus. Das Leben ist mir unerträglich geworden. Wohin ich schaue, nur noch Sorgen und Leid!“ Ein Mann mittleren Alters sprach sich seine Frustrationen von der Seele. Ein erfahrener spiritueller Meister hörte sich die Klagen geduldig an. Dann stand er auf und nahm eine Handvoll Asche aus dem Kamin. „Schau, das sind all deine Sorgen und Leiden!“. Dann warf der Meister die Asche in ein Glas hinein. Es war mit kristallklarem Wasser gefüllt. Blitzschnell war das Glas mit...

  • 03.07.20
Menschen & Meinungen

Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Füreinander brennen

In eisiger Nacht sind sie auf einer unbewohnten Insel gestrandet. Das kleine Feuer, das sie spontan entzündeten, erlosch langsam. Die Kälte wurde unerträglich. Jeder der Gestrandeten hielt zwar noch ein Stück Holz in der Hand. Doch die Folge? Als erste schien die Frau zu reagieren. Sie blickte in das dunkelhäutige Gesicht eines Migranten und zögerte kurz. Dann schloss sich ihre Hand umso fester um das Scheit. „Warum sollte ich meine letzte Chance zugunsten des Fremden opfern?“ Der Mann neben...

  • 10.06.20
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Schlusspunkt von Jozef Niewiadomski
Erinnerung an Johannes Paul II.

Viele Menschen haben Gästebücher. Darin sind meistens Worte des Dankes zu finden. Unter Umständen kann man nach Jahren in einem Gästebuch eine kleine Sensation entdecken. So auch in diesem Fall: „Für Eure Gastfreundschaft, mit der wir auf unserer Durchreise nach Rom zum II. Vatikanischen Konzil im Bischöflichen Seminar aufgenommen wurden, danken wir vielmals. Wir erbitten für Euch alle himmlischen und irdischen Güter. Dasselbe sagen wir mit einem traditionellen Kürzel unserer polnischer...

  • 14.05.20
Kommentare & Blogs

Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Ein vergessenes Vorbild

„Lass mich bitte noch einen retten!“ Dieses „Stoßgebet“ wiederholte der Soldat immer und immer wieder. Mitten auf dem Schlachtfeld, auf dem unzählige Tote und Verletzte lagen, vom Sperrfeuer mehr bedroht denn geschützt, konnte der einsame Retter in einer einzigen Nacht 75 Verwundete einsammeln und sie eine steile Felswand hinunter abseilen. Der seinen Glauben ernstnehmende Sieben-Tage-Adventist Desmond Doss meldete sich im Zweiten Weltkrieg zur US-Armee, obwohl er sich weigerte, die Waffe auch...

  • 06.05.20
Kommentare & Blogs
Józef Niewiadomski ist Professor an der Theologischen Fakultät Innsbruck

Die wöchentliche Kolumne von Prof. Józef Niewiadomski - Nr. 10/2020
Schlusspunkt

Er war eh schon einer der letzten Gläubigen, die regelmäßig zur Beichte gingen. SeineBekenntnisse glichen wohl der Schallplatte mit einem Sprung. Immer wieder dieselbe Leier. Neben vielen Banalitäten klagte sich der Mann auch immer und immer wieder einer ernsteren Angelegenheit an. Dem Pfarrer ging er mächtig auf die Nerven. Irgend- wann war die Geduld des Pfarrers am Ende. So drohte er dem armen Mann, er spräche wegen dieser Sache zum allerletzen Mal mit ihm: „Merke dir, das muss ein Ende...

  • 29.01.20
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