Schlusspunkt von Józef Niewiadomski
Kirche als Sündenbock

Er glaubte seinen Augen kaum. Auf dem Höhepunkt der Krise bat er einen befreundeten Maler, das Bild des Todes zu malen. Die Zeiten waren schlecht. Überall wütete die Pest. Unzählige Menschen kämpften mit dem Tod, etliche starben. Die Hoffnung schwand dahin. Schimpfen und Klagen beherrschten den Alltag. Und die Sündenbockjagd. Karl Borromäus glaubte durch ein hoffnungsspendendes Bild des Todes zur Aufhellung der Gemüter beizutragen. Deswegen gab er das Bild in Auftrag. Und nun? Er starrte auf das Bild des Sensemannes. Das Skelet mit der Sense in der Hand schien ihn gar zu verhöhnen. „Warum haben sie nicht einen Engel mit dem goldenen Schlüssel in der Hand gemalt?”, schrie er den verdutzten Künstler an. „Das Bild des Todes als Übergang ins ewige Leben müsste uns Christen selbstverständlich sein!” Die Geschichte aus dem 16. Jahrhundert ist auch im 21. Jahrhundert aktuell. Die Pandemie stellt uns ein schlechtes Zeugnis aus. Die marxistische Religionskritik, die Hoffnung auf das Leben nach dem Tod sei bloß eine billige Vertröstung, feiert nun ihren Sieg. Unsere
Öffentlichkeit kennt nur noch das Jammern, Schimpfen und Klagen. „Moralanstalt Kirche“ taugt nur noch als Sündenbock. Und wir? Längst mehr Zeitgenossen als Gläubige. Kehren wir um! Trauen wir uns vom Tod und dem ewigen Leben zu reden.

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TIROLER Sonntag Redaktion aus Tirol | TIROLER Sonntag

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