Karl Veitschegger

Beiträge zum Thema Karl Veitschegger

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Positionen - Karl Veitschegger
Er fehlt mir

Am 21. April jährt sich sein Todestag. Von den sieben Päpsten, die ich bisher erlebte, war er mir der liebste: Franziskus. „Todos, todos, todos!“ — alle sollen die Liebe Gottes spüren: Gefangene, Geflüchtete, Menschen in kirchenrechtlich „irregulären Beziehungen“, queere Menschen … Darum ging es ihm. Sakramente verstand er nicht als Belohnung für „Brave“, sondern als Hilfe für jene, die sich mit dem Leben und oft auch dem Christsein schwertun. Synodalität, gemeinsames Suchen und Finden, sollte...

  • 15.04.26
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Positionen - Karl Veitschegger
Die Brezel

Sie ist seit Jahrhunderten eine beliebte Fastenspeise aus Mehl, Salz, Hefe und Wasser. Ein Mönch in Südfrankreich soll sie vor 1400 Jahren erfunden haben. Ihr Name kommt vom lateinischen „brachiolum“ (dt. „Ärmchen“). Denn ihre Form erinnert an die Haltung von Mönchen, die beim Gebet ihre Arme vor der Brust kreuzen. Und damit sind wir schon bei ihrer Symbolik: Hält man eine Brezel ins Sonnenlicht, strömt dreifach Licht durch ihre „Öffnungen“ – ein Hoffnungszeichen. So verschlungen unser Leben,...

  • 04.03.26
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Gott inkognito

Eine ältere Dame betritt das Studio der TV-Sendung „Bares für Rares“ mit einem wunderschönen Ring. Diesen Ring, erzählt sie, habe ihre Tante in den 30er-Jahren von ihrem Geliebten erhalten. Der Mann war verheiratet und Jude. Unter dem Nazi-Regime drohte ihm und seiner Familie grausame Vernichtung. Die Geliebte versuchte, dem Geliebten und seiner Familie über einen bekannten SS-Mann zur Flucht zu verhelfen. Der SS-Mann war dazu bereit, verlangte aber als Gegenleistung, dass sie ihm sexuell zu...

  • 22.01.26
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Ein Hochfest der Resilienz

Heute ist viel von Resilienz die Rede. Gemeint ist die innere Widerstandskraft, mit der man Krisen bewältigt und gestärkt aus ihnen hervorgeht. Hilfen werden angeboten: Atemübungen, Yoga, Sport – „Stressbewältigung“ heißt das Zauberwort. Aber geht es nicht um mehr? Katholischer Glaube kennt noch eine andere, tiefere Form von Resilienz. Er feiert sie am 8. Dezember im Blick auf Maria: die Frau, die immun ist gegen die Pandemie des Bösen. Warum? Weil sie von Anfang an in Gottes Freundschaft lebt....

  • 03.12.25
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Die Hymne Gottes

„Patriotismus ist wie ein Dirndl: hübsch, wenn’s passt – peinlich, wenn’s zwickt“, sagt ein Bonmot. Und das Christentum? Während Patriotismus oft nur die eigene Heimat im Blick hat, schaut der christliche Glaube weiter – bis ins Reich Gottes. Und das ist universal. Jesus war kein Österreicher. Nicht einmal Römer. Er predigte Nächstenliebe, nicht Vaterlandsliebe. Seine Jünger-innen und Jünger bauten keine Festung, sondern suchten weltweit offene Herzen. Freilich lieben auch Christinnen und...

  • 22.10.25
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Meine Wünsche

Sie sind wieder in der Schule: unsere Kinder, Enkel, Nichten, Neffen … mit ihren Lehrerinnen und Lehrern. Experten geben alljährlich zum Besten, wozu „die Schule“ befähigen muss. Viel Wahres ist darunter. (Freilich kann die Schule allein das nicht leisten.) Ich bin kein Experte, aber habe auch Wünsche für unsere Jungen. So wünsche ich mir, dass sie früh den Unterschied zwischen Fakten und Meinungen erkennen können, ebenso zwischen persönlicher Überzeugung und der Wahrheit selbst, die immer...

  • 10.09.25
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Der Neue

Ich bin mir noch nicht sicher, wie der neue Papst „tickt“. Doch wer glaubt, dass Leo XIV., nur weil er wieder die rote Mozetta trägt und sich den Ring küssen lässt, auch mit den großen politischen Anliegen seines Vorgängers bricht, der irrt. Das „Herzstück der Politik“ war für Franziskus eine Nächstenliebe, die „den Letzten den Vorzug gibt“. Auch Leo sieht das so. Kürzlich erklärte sein UNO-Sprecher, die „primäre Aufgabe“ der Weltpolitik müsse die „Bekämpfung der Armut“ sein. Franziskus rief...

  • 05.08.25
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Inmitten des Hasses

So viele Konflikte und Zerstörung in aller Welt. Was tun? Dazu gebe ich heute einen Facebook-Kommentar von Maria „Marwie“ Wiech, ehemalige Mitarbeiterin unserer Diözese, gerafft weiter: „Liebe Freundinnen und Freunde, im Herzen des Nahen Ostens wurde ein neuer Krieg entfacht, Bomben fallen, und harte Worte entzweien. Schwer wie Steine wiegen die Worte: ,Das ist eine Kriegserklärung.‘ Aber es gibt einen Gedanken, an dem ich mit euch festhalten möchte: Nicht alles ist Dunkelheit. Ja, Israel und...

  • 25.06.25
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Viva il Papa

„Es gibt Päpste, über die Gott sich freut, solche, die er akzeptiert, und solche, die er erträgt.“ Das soll der Kirchenhistoriker Angelo G. Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., gesagt haben. Er kannte die Papstgeschichte gut und wusste, wovon er sprach. Der Heilige Geist inspiriert die Kardinäle, zwingt sie aber nicht, einen guten Papst zu wählen. Nun haben sie den Amerikaner Robert Prevost gewählt: Leo XIV. Die meisten wohl, weil er den pastoralen Kurs seines Vorgängers Franziskus...

  • 14.05.25
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Hassrede

Ein freundlich grinsendes Sparschwein stand am Küchentisch. Wer ein gehässiges Schimpfwort verwendete, musste fünf Schilling einwerfen (für die Caritas). So bekämpften vor 50 Jahren meine Studienfreunde verbale Gehässigkeiten in ihrer Wohngemeinschaft. Klar, jedem Menschen platzt manchmal der Kragen und er sagt etwas, was er später bereut. Aber dass Hassrede zur Gewohnheit wird und johlenden Beifall findet, ist ein Trend, der mir Sorge macht. Nicht nur anonym im Internet, sondern auch in der...

  • 02.04.25
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Nationalismus

Der Nationalismus hat grausame Kriege und humanitäre Katastrophen über die Welt gebracht. Dennoch ist er wieder im Wachsen. „Unser Land zuerst!“ „Alles für unsere Leute!“ „Unser Wohlstand hat Vorrang vor der Not anderswo!“ – so tönt es von Rechtspopulisten in aller Welt. Angst vor dem Fremden und Neuen wird angeheizt, Neid auf Arme geschürt. Das Schicksal anderer Völker, die Not von Minderheiten, die Ursachen von Fluchtbewegungen, der Klimawandel, ja das Schicksal des Planeten werden...

  • 19.02.25
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Die wichtigste Entscheidung

Der große Filmregisseur Woody Allen sagte in einem Interview: „Ich bin strikter Atheist. Was immer wir zu Lebzeiten tun, ist am Ende sinnlose Illusion, weil nichts von Bestand sein wird. Gar nichts. Ich wünschte, ich läge falsch, aber der gesunde Menschenverstand spricht dagegen. Die Sonne wird erlöschen. Ob es uns gefällt oder nicht … Wenn meine Frau seufzt, dass das Leben kurz und traurig ist, dann bin ich es, der sagt, dass sie nicht albern sein soll. Dass es viel Wundervolles zu erleben...

  • 08.01.25
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Bub oder Mädel?

Meine Schwester Maria war sehr enttäuscht, als uns Kindern erklärt wurde, das Christkind im schönen Kleidchen am Hochaltar sei kein Mädchen, sondern ein Bub. Warum wurde Jesus als Mann geboren? Das beschäftigte auch frühere Generationen. Der große Thomas von Aquin meinte, Gott in seiner Allmacht hätte zwar einen Frauenkörper annehmen können, aber wegen des „Lehrens“ und „Herrschens“ musste Jesus doch Mann werden. Diese Begründung klappt heute nicht mehr. Die Theologin Tina Beattie sagt, Männer...

  • 13.11.24
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Besudelt

Hisbollah – „Partei Gottes“ – nennt sich die islamistisch-schiitische Partei im Libanon, berüchtigt für kriminelle Geschäfte und kriegerische Aktionen. Als „Gottes Willen“ bezeichnen radikal-religiöse Israelis das völkerrechtswidrige Besiedeln des Westjordanlandes. „Wunder Gottes“ nennt Patriarch Kyrill die Herrschaft Putins und rühmt dessen Ukraine-Krieg als „metaphysischen Kampf des Guten gegen das Böse“. Immer wieder muss „Gott“ herhalten, um Konflikte zu befeuern und profane Interessen...

  • 09.10.24
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Ent-feindung

Ein Bekannter hat sich durch Äußerungen von mir, die gar nicht ihm gegolten haben, angegriffen gefühlt und, ohne mir die Chance zu geben, das Missverständnis zu klären, den Kontakt zu mir abgebrochen. Bitter. Aber ich lerne daraus: Bevor wir uns beleidigt oder verspottet fühlen, sollten wir nachfragen, ob wir überhaupt gemeint sind. Vielleicht wäre auch der Konflikt um die „Mahlszene“ bei der Olympia-Eröffnung anders gelaufen, hätte man das beachtet. (Ich bin sicher, es ging nicht gegen die...

  • 28.08.24
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Eine Zumutung

Es hat Jahrhunderte gedauert, ehe man gewagt hat, das qualvolle Sterben Jesu „realistisch“ darzustellen. Inzwischen hat man sich an die Kreuze mit Corpus gewöhnt, und Gläubige verteidigen sie vehement gegen Kritik: Gott ist in Jesus wirklich Mensch geworden und hat als solcher furchtbar gelitten — mit uns und für uns. Diese Botschaft muss zumutbar sein, sagen sie. Nun hat die Künstlerin Esther Strauß gewagt, auch Jesu Geburt „realistisch“ darzustellen. Eine Skulptur, die Maria in gebärender...

  • 10.07.24
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Qual der Wahl?

Bald ist EU-Wahl und viele fragen sich: Was bzw. wen soll ich wählen? Zum Besten, was die katholische Kirche je hervorgebracht hat, gehört ihre Soziallehre. Nimmt man sie als Basis, kann man sich vor der Wahl Folgendes fragen: 1. Wer zeigt in seinem Reden und Tun Respekt vor der Personwürde jedes Menschen, unabhängig von Alter, Nation, Religion usw.? 2. Wem ist das Gemeinwohl aller Menschen ein Anliegen, nicht nur der Wohlstand einzelner Nationen und Gruppen? 3. Wer kämpft für Solidarität der...

  • 28.05.24
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Haciendo lìo!

In seinem Buch „Leben“ schreibt Papst Franziskus: „Es freut mich, wenn ich sehe, wie engagiert Jugendliche … für den Erhalt unseres Planeten kämpfen und gegen die Entscheidungen der Regierungen protestieren, die nicht genügend gegen den Klimawandel unternehmen. Die Zeit läuft uns davon, es bleibt uns nicht mehr viel, um den Planeten zu retten, und wenn ich an die jungen Leute denke, […] sage ich immer: Haciendo lío, macht Radau, aber nur unter der Bedingung, dass die Demonstrationen nicht in...

  • 17.04.24
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Scheitern

Das Wort „scheitern“ meint ursprünglich das Zerbersten eines Holzschiffes in mehrere „Scheite“, also ein Ereignis, das zum Untergang führt. Wer schon einmal beruflich oder familiär „gescheitert“ ist, wer von Menschen, die er liebt, „zerbrochen“ und „entsorgt“ worden ist oder wer vor den Trümmern seines guten Rufes steht, weiß, was es heißt: im Unglück versinken. Auch Gläubige sind davor nicht gefeit. Bleibt nur die Verzweiflung?  Der deutsche TV-Pfarrer Heiko Bräuning wies einmal darauf hin,...

  • 28.02.24
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Das Schöne

Freilich hätte alles noch schlimmer kommen können. Aber 2023 erlebte ich als kein gutes Jahr. Viel Enttäuschung, Leid, Tod in meiner kleinen Welt und in der großen. Da fiel mir just am 31. Dezember ein, was Carl Zuckmayer in „Des Teufels General“ seine Hauptfigur sagen lässt: „Ich aber sage Ihnen, das Leben ist schön. Die Welt ist wunderbar. Wir Menschen tun sehr viel, um sie zu versauen, und wir haben einen gewissen Erfolg damit. Aber wir kommen nicht auf – gegen das ursprüngliche Konzept....

  • 10.01.24
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Jesu Religionskritik

Der Mensch kann alles Gute missbrauchen: Kommunikation, Medizin, Technik, Kunst … – und leider auch Religion. Jesus geht mit „Sündern“ aller Art milde um, zu milde, wie seine Gegner ihm vorwerfen. Aber wenn Menschen „Gott“ und „Religion“ beschwören, um andere abzuwerten, zu unterdrücken oder auszunützen, findet er verdammt harte Worte: „Wehe euch, ihr Schriftgelehrten …!“ (Mt 23,13 und öfter) Er wusste, dass verblendete Religion tödlich sein kann: „Es kommt die Stunde, in der jeder, der euch...

  • 15.11.23
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Evangelium pur

Als die Berliner Mauer fiel und das DDR-System zusammenkrachte, musste sich das Diktatoren-Ehepaar Erich und Margot Honecker vor dem Zorn des Volkes verstecken und suchte verzweifelt Unterschlupf. Niemand wollte die beiden bei sich haben, auch keine Kirchengemeinde. Nur der evangelische Pfarrer Uwe Holmer und seine Frau waren bereit, die Verhassten am 30. Jänner 1990 in ihr Haus aufzunehmen. Vor der Tür tobte die lynchbereite Menge, beschimpfte und bedrohte den Pfarrer und forderte Honeckers...

  • 04.10.23
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Himmel - Fahrgemeinschaft

Der Kabarettist lobt zuerst den Klima-Einsatz der Kirche und bringt dann eine witzige „Kritik“ an: „Christi Himmelfahrt ist im Mai und Mariä Himmelfahrt im August. Hätten die beiden nicht eine Fahrgemeinschaft bilden können?“ Alle lachen, ich auch. Dann sagt der Theologe in mir: Haben sie ja! Jesus hat sein Leben in Gott vollendet – nicht für sich allein, sondern bereits für uns alle. Maria und wir sind seine „Mitfahrer“ und „Mitfahrerinnen“. Auch wenn wir zu verschiedenen Zeiten sterben, es...

  • 09.08.23
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Positionen - Karl Veitschegger
Heiliger Dissens

Petrus und Paulus – so unterschiedlich: Der eine, ein einfacher Fischer, ist Begleiter des irdischen Jesus und tritt früh als Wortführer seiner Jünger und Jüngerinnen auf. Der andere, ein theologisch gebildeter Zeltmacher, zuerst fanatischer Gegner der Jesusbewegung, wird erst durch sein „Damaskus-erlebnis“ zum Apostel. Der eine gilt als „Fels“ der Kirche, der andere als innovativer Künder christlicher Freiheit: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2 Kor 3,17). Beide sind von Jesus...

  • 21.06.23

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