Positionen - Karl Veitschegger
Die Brezel
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Sie ist seit Jahrhunderten eine beliebte Fastenspeise aus Mehl, Salz, Hefe und Wasser. Ein Mönch in Südfrankreich soll sie vor 1400 Jahren erfunden haben. Ihr Name kommt vom lateinischen „brachiolum“ (dt. „Ärmchen“). Denn ihre Form erinnert an die Haltung von Mönchen, die beim Gebet ihre Arme vor der Brust kreuzen.
Und damit sind wir schon bei ihrer Symbolik: Hält man eine Brezel ins Sonnenlicht, strömt dreifach Licht durch ihre „Öffnungen“ – ein Hoffnungszeichen. So verschlungen unser Leben, so verdreht unsere Welt auch sein mag, in der Hinwendung zu Gott können wir Licht und Orientierung finden – auch für unser Miteinander in der Gesellschaft.
Denn die Brezel lädt zum Teilen ein. Man muss ihre Arme „öffnen“, um sie genießen zu können. Das widerspricht einer Haltung, die Zusammenleben nur als großen „Deal“ begreift, bei dem die Cleveren und Starken sich bedienen, während andere leer ausgehen.
Unser Glaube sagt: Wir sind Geschwister und die Erde ist unser aller Haus. Gemeinsam „hungern und dürsten nach Gerechtigkeit“ (Mt 5,6) – das ist das Fasten, wie es Gott gefällt.
Vielleicht denken wir daran, wenn wir das nächste Mal herzhaft in eine Brezel beißen!
Karl Veitschegger
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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