Positionen - Karl Veitschegger
Hassrede
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Ein freundlich grinsendes Sparschwein stand am Küchentisch. Wer ein gehässiges Schimpfwort verwendete, musste fünf Schilling einwerfen (für die Caritas). So bekämpften vor 50 Jahren meine Studienfreunde verbale Gehässigkeiten in ihrer Wohngemeinschaft.
Klar, jedem Menschen platzt manchmal der Kragen und er sagt etwas, was er später bereut. Aber dass Hassrede zur Gewohnheit wird und johlenden Beifall findet, ist ein Trend, der mir Sorge macht. Nicht nur anonym im Internet, sondern auch in der hohen Politik scheinen manche jede Hemmung zu verlieren. Da wird das Staatsoberhaupt öffentlich als „senile Mumie in der Hofburg“ verhöhnt, werden politische Mitbewerber als „Volksverräter“ angeflegelt, „Fremde“ pauschal als „Messerstecher, Vergewaltiger und Raubmörder“ angeprangert usw.
Von Verantwortlichen in der Politik erwarte ich mir zumindest gute Manieren. Eigentlich wünsche ich mir aber mehr: Respekt vor jedem Menschen. Konflikte sind unvermeidbar, Diskussionen wichtig; sie sollen hart, aber fair sein. Zu den viel beschworenen Werten unserer Kultur gehört das christliche Prinzip „Personalität“: Jeder Mensch ist als Person in seiner Würde stets zu achten, zu schützen und zu fördern. – Wo sind politische Vorbilder, die das leben?
Karl Veitschegger
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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