Leopold Neuhold

Beiträge zum Thema Leopold Neuhold

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Positionen - Leopold Neuhold
Wahrheit und Leben

Keine Wolke am Himmel, heller Sonnenschein. Zwei Männer kommen an einer Mauer vorbei, hinter der sie ein Geräusch wie fallenden Regen vernehmen. Aufgrund dieses Rauschens behauptet der eine, dass es regnet; der andere steigt auf eine Leiter, um den wirklichen Grund für das Plätschern zu finden. So sieht er, dass Wasser aus einer defekten Leitung spritzt. Der andere hat ein Loch in der Mauer entdeckt, das den Blick auf das spritzende Wasser freigibt, jedoch nicht auf die Leitung. Als der auf der...

  • 28.04.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Die Fragen lieben

Im Supermarkt hat sich eine lange Schlange an der Kassa gebildet. Ein genervter Kunde ruft: „Können Sie nicht eine zweite Kasse aufmachen?“ Die Kassierin antwortet trocken: „Doch. Aber glauben Sie, es geht schneller, wenn ich ständig von einer Kassa zur anderen springe?“ Geduld ist nicht die Stärke vieler unserer Zeitgenossen. Für sie gilt: „Ich kann die Geduld verlieren, obwohl ich keine habe.“ Alles soll sofort erledigt werden. Die Folgen, die mit solchen oft unausgegorenen Antworten...

  • 18.03.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Narr in Christo

Schon im Mittelalter wurde das Fest der Narren gefeiert. Im Rahmen des Narrentreibens übernahm etwa der jüngste Ministrant für einen Tag das Bischofsamt, der „Dorftrottel“ das des Bürgermeisters. Solches Treiben war der Obrigkeit ein Dorn im Auge, es nagte an ihrer Autorität. Mit diesem Umsturz der sozialen Ordnung – für einen Tag – sollte gezeigt werden: Es könnte anders sein – und besser. Also Narren an die Macht? Diese Forderung scheint heute überflüssig, weil mancherorts erfüllt. Aber wird...

  • 04.02.26
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Positionen - Leopold Neuhold
Licht der Hoffnung

Die Kerzen am Adventkranz brennen vor sich hin, so still, dass man hören kann, wie sie reden. Die erste Kerze stöhnt: „Ich heiße Frieden. Mein Licht leuchtet, aber die Menschen halten keinen Frieden.“ Und sie erlischt. Die zweite Kerze, der Glaube, fühlt sich überflüssig, weil die Menschen nichts von Gott wissen wollen, und die Flamme fällt in sich zusammen. Traurig seufzt die dritte Kerze. „Ich heiße Liebe. Ich habe keine Kraft mehr. Die Menschen sehen nur sich selbst.“ Mit einem letzten...

  • 17.12.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Durchscheinen lassen

Eine Mutter mit ihrem Sohn in einer Kirche: Die Morgen-sonne strahlt durch die Glasfenster. Eines leuchtet besonders hell im glitzernden Sonnenlicht. Auf die Frage des Kindes, wer das auf dem Glasfenster denn sei, antwortet die Mutter: „Das ist ein Heiliger.“ Am nächsten Tag fragt die Lehrerin in der Schule, was ein Heiliger sei. Der kleine Junge, beeindruckt vom Farbenspiel in der Kirche, antwortet: „Ein Heiliger, das ist ein Mensch, durch den hindurch die Sonne scheint.“ Heilige sind...

  • 29.10.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Ich in Beziehung

Eine Rose wurde wegen ihrer Schönheit bewundert. Dies schmeichelte ihr. Aber ihre Bewunderer betrachteten sie nur aus der Distanz. Warum? Ein unansehnlicher Frosch saß in der Nähe der Rose. Sie forderte ihn auf, sich zu entfernen, ihre Schönheit könne dann noch besser gewürdigt werden. Der Frosch gehorchte und ging des Weges. Nun begann die Rose Blätter zu verlieren, das Interesse der Besucher erlahmte. Eine Eidechse eröffnete der Rose den Grund für diese Misere: Der Frosch hatte zuvor die...

  • 24.09.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Friede ist mehr

Auf einer Konferenz ringen Politiker aus aller Welt um Maßnahmen, mit denen man Frieden schaffen kann. Die Forderung nach Abrüstung, die Aufforderung, sich im Dialog näherzukommen, der Wunsch nach Beachtung des Rechts, der Ruf nach einem Stopp der Waffenexporte, die Suche nach Verringerung von Ungerechtigkeit: Kein Vorschlag findet Beifall. Dann der geniale Einfall: „Streichen wir das Wort Krieg aus den Wörterbüchern!“ Tosender Beifall! Wir gehen oft davon aus, dass Konflikte gelöst werden...

  • 12.08.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Vorgeschmack worauf?

Im Schaukasten der Kirche: „Das Thema der Abendveranstaltung am Samstag lautet: ‚Die Hölle – Was ist das?‘ Und wenn Sie früher kommen, hören Sie bereits die Probe unseres Chores.“ Die Chorprobe, ein Vorgeschmack auf die Hölle? So arg wird der Gesang schon nicht sein, vielleicht gerade das Gegenteil. Musik beinhaltet oft einen Gegenentwurf zu unserer Welt der Bedrängung, einen Hinweis auf eine bessere Welt! Es gibt Ereignisse, die Vorgeschmack auf Besseres oder Schlechteres machen. Urlaub ist...

  • 02.07.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Hinaushören

Ein Mann macht sich Sorgen wegen der Schwerhörigkeit seiner Frau. Sein Arzt rät ihm, einen Test zu machen: Er solle ihr – schrittweise näher kommend – die gleiche Frage stellen, bis sie ihn hört. Nach Hause gekommen, trifft er seine Frau beim Kochen an. Fünf Meter hinter ihr fragt er, was sie koche. Keine Antwort! Er nähert sich auf zwei Meter und bekommt wieder keine Antwort. Als er in ihr Ohr fragt, was sie Gutes koche, dreht sie sich zu ihm und ruft: „Zum dritten Mal: Es gibt Schnitzel!“ Oft...

  • 21.05.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Das Heil beginnt

Karli hat sich die Hand aufgerissen. Seine Mutter tröstet ihn: „Der liebe Gott heilt das ganz schnell.“ Da meint der Bub: „Muss ich rauf, oder kommt er runter?“ Zu Weihnachten feiern wir, dass Gott auf die Erde gekommen ist, Ostern ist das Fest, das zeigt, dass Gott auf Erden mit uns ist, in den Dunkelheiten des Lebens, auf den Kreuzwegen, aber auch in freudigen Momenten, in der Heilung, in der Auferstehung. Die Welt ist zu Ostern durchscheinend auf Erlösung, auch wenn wir das oft nicht glauben...

  • 09.04.25
  • 3
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Positionen - Leopold Neuhold
Gut so!

Der Pessimist stöhnt, alle Hoffnung fahren lassend: „Schlimmer geht’s nicht!“ Der Optimist zweideutig: „Doch!“ – Dieses „doch“ zeigt einerseits, dass wir zwar nahe am Abgrund sind, aber es noch Hoffnung gibt. Geht ein Neutron in die Disco. Sagt der Türsteher, den Eintritt verweigernd: „Nur für geladene Gäste!“. In der Doppeldeutigkeit des Wortes „geladen“ – auch die Wirklichkeit ist oft mehrdeutig – liegen nun Möglichkeiten: nicht nur positiv oder negativ aufgeladen, sondern auch eingeladen....

  • 26.02.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Den Blick frei machen

Michelangelo wurde gefragt, wie er so großartige Skulpturen schaffen könne. „Ganz einfach!“, war seine Antwort. „Wenn ich einen Marmorblock betrachte, sehe ich die Gestalt, die ich herausarbeiten will, vor meinen Augen, ich muss nur noch das wegnehmen, was nicht dazugehört.“ Ich weiß, die Vorsätze für ein neues Jahr beziehen sich auf vieles, was noch erreicht werden soll, was das Leben zu bereichern verspricht. Aber wäre es nicht manchmal gut danach zu fragen, was nicht zu uns passt, was...

  • 15.01.25
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Positionen - Leopold Neuhold
Unterbrechung

Schnee fällt. Ein Mann mit Lautsprecher ersucht die Bewohner der Straße, alle Autos auf der gleichen Straßenseite abzustellen, damit der Schneepflug ungehindert seine Arbeit tun könne. Eine Woche später: wieder Schneefall, und die Bitte, die Autos auf die andere Straßenseite zu stellen. Beim dritten Schneemorgen wird durch einen Batterieausfall die Ansage unterbrochen. Ein Mann ist verwirrt: Auf welche Straßenseite soll er nun das Auto stellen? Sein Freund: „Warum lässt du es nicht einfach in...

  • 28.11.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Einbeziehen

Hektisches Treiben in einer Baugrube. Ein Bagger versucht, einen großen Stein aus dem Fundament des Nebenhauses, der in die Baugrube ragt, zu entfernen. Nichts rührt sich. Resigniert stellt der Baggerfahrer sein Gerät ab. Ein kleiner Mann aus der Gruppe der Herumstehenden tritt nach vor und dann gegen den Stein, und der löst sich. Alle staunen, nur der Baggerfahrer zischt abschätzig: „Ja, mit Gewalt!“ Nicht nur, dass dem anderen, der mit gemäßigteren Mitteln etwas zu erreichen versucht,...

  • 16.10.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Gestalten in Verantwortung

Ein Chirurg, ein Architekt und ein Netzwerkverwalter streiten, wessen Berufsstand der älteste sei. Der Chirurg meint: „Gott entnahm Adam eine Rippe und schuf Eva. Die erste Tat war eine Operation!“ Der Architekt widerspricht: „Vor Adam und Eva herrschte Chaos. Gott baute die Welt. Die erste Tat war eine architektonische Leistung.“ Der Netzwerkverwalter triumphierend: „Und von wem stammt das Chaos?“ Die Menschen gestalten die Erde, um die Welt zu einem fruchtbringenden Garten zu machen. Dieses...

  • 04.09.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Vom Siegen

Olympische Spiele: Eine Flutwelle überrascht die Schwimmer im offenen Meer und tötet viele. Die Toten werden aufgebahrt. Eine Frau findet ihren Mann auf der dritten Bahre. Beruhigt sagt sie: „Gott sei Dank, auf dem Stockerl ist er!“ Der Kampf um den Sieg verkommt oft zum Krampf des unbedingten Siegenwollens. „Dabeisein ist alles“, dieses olympische Motiv gilt schon lange nicht mehr. Ist es nicht sowieso unangebracht? Natürlich will jede/r den Sieg, wenigstens einen guten Platz erreichen. Das...

  • 24.07.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Trost und Übung

Nach einer komplizierten Handoperation ist die Patientin niedergeschlagen. Der Arzt versucht sie zu trösten: „Nach nur einem Monat werden Sie Klavier spielen können!“ Die so Getröstete: „Das ist wunderbar: Ich kann nämlich gar nicht Klavier spielen!“ Ein versuchter Trost, der nicht mit den Gegebenheiten rechnet, wird leicht zu einer nicht einholbaren Ver-tröstung. Auf der anderen Seite führt der Einbruch des Augenblicks, der die gegenwärtige Herausforderung als nicht zu bewältigen erscheinen...

  • 05.06.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Nicht zwanghaft – schöpferisch

Kunde: „Ich brauche ein Geschenk für meinen Freund. Er hat sich bei einem Spiel zu sehr aufgeregt und liegt nun wegen Herzinfarkts im Krankenhaus.“ Der Verkäufer: „Wie wäre es mit ‚Mensch ärgere dich nicht!‘“ Ja, es ist oft ärgerlich, im Spiel zu verlieren, aber gleich Herzinfarkt? Spiele sollten ja nicht nur in eine andere Welt führen, sondern den Menschen auch über sich selbst hinaus. Das wird schwierig, wenn wir zwanghaft nur auf das Resultat schauen. Dann wird die Überwindung von...

  • 24.04.24
Gesellschaft & Soziales
Ein Kind hält bei einer Demonstration für die Ukraine am 24. Februar 2024 an der Porta Nigra in Trier ein selbstgemaltes Bild mit der Flagge der Ukraine, in die ein Herz in den Farben der deutschen Fahne gemalt ist. | Foto: KNA
3 Bilder

„Mir gehen die Stimmen einer Friedensbewegung ab“

Einige Denkanstöße des Grazer Sozialethikers Leopold Neuhold zum Friedensaufruf des Papstes. Der Papst, der mit weißer Fahne in eines der mit „Kritik“ beschrifteten Fettnäpfchen tritt, Überschriften wie „Spinnt der Papst?“, ein Shitstorm, der sich sehen und hören lässt – die Liste der Reaktionen ließe sich beliebig verlängern: Die Kritik an einer als Aufforderung zur Resignation interpretierten Stelle aus einem Interview von Papst Franziskus ist beinahe einhellig. Alterssturheit, Naivität,...

  • 20.03.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Ohne Zweifel selbstverständlich!

Vater und Sohn im Gespräch, das Gespräch wird immer heftiger, bis der Vater seinem unzufriedenen Sohn vorhält: „Was willst du, du hast ja alles!“ Darauf der Sohn: „Vater, wenn das alles ist, was ihr uns gebt, muss es mehr geben als alles!“ Wenn das „alles“ im Materiellen stecken bleibt, so bildet dies allein keine gute Basis. Es bedarf der Einordnung in ein Sinngefüge, das hält. Wir brauchen einen über Generationen und Gruppen hinweg geteilten Sinn. Heute stehen oft getrennte Sinnwelten...

  • 13.03.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Gute Gründe, nicht zu helfen?!

Ein Mann hatte nicht nur ein Auge auf das Pferd des Nachbarn geworfen, er wollte es um jeden Preis haben. Zuerst versuchte er es mit Kaufangeboten. Ohne Erfolg! Da heckte er einen Plan aus: Er setzte sich, als kranker Mann verkleidet, an den Rand des Weges, an dem der Mann vorbeireiten musste. Der Nachbar hielt das Pferd an, stieg ab und hob den vermeintlich Kranken auf das Pferd. Diesen Augenblick nutzte der Mann: Bevor der Nachbar sich aufs Pferd setzen konnte, ritt er davon. Der bestohlene...

  • 24.01.24
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Positionen - Leopold Neuhold
Zusammenhänge sehen

Zurück von einer Reise: Ein Mann zeigt seinen Freunden die zahlreichen Fotos. Aufmerksam betrachten diese die Aufnahmen. Zahlreiche Selfies, verschwommener Hintergrund, damit das Gesicht zum Tragen kommt, dazu einige herangezoomte Details von Gebäuden und Landschaften, viele Ausschnitte, die aber nicht erkennen lassen, wo die Urlaubsreise hingeführt hat. Fragt einer aus dem Freundeskreis: „Wo ist die Reise hingegangen? War es eine Reise zu dir selbst?“ – Und konnte der Mann überhaupt zu sich...

  • 22.11.23
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Positionen - Leopold Neuhold
Es geht etwas. Jetzt.

Ein Betrunkener torkelt durch die Gasse. Der Pfarrer redet ihm ins Gewissen: „Franz, du musst endlich mit dem Trinken aufhören.“ Der Betrunkene lallt: „Dazu ist es zu spät.“ Der Pfarrer eindringlich: „Dafür ist es nie zu spät!“ Die entlarvende Antwort: „Wenn es nie zu spät ist, dann kann es ja auch noch warten!“ Einerseits ist es zu spät, noch etwas zu tun, der Untergang steht vor der Tür. Weil dieser aber noch nicht ganz da ist, glaubt so mancher, zuwarten zu können, und das Tun wird wieder...

  • 11.10.23
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Positionen - Leopold Neuhold
Ich glaube nicht!

„Bist du Atheist?“ – „Ich glaube nicht!“, die doppelt auslegbare Antwort. Angesichts einer Wissenschaft, die das Glauben durch Beweise zu ersetzen scheint, wird der Glaube in den Hintergrund gedrängt, wie manche meinen. Die Klage darüber, dass die Menschen heute nichts glauben, ist bei vielen einer Feststellung dieses Sachverhalts gewichen. Ein aufgeklärter Mensch glaubt doch nicht, er weiß. „Ich glaube nicht!“ kann so als Feststellung dafür aufgefasst werden, dass man Atheist ist. „Ich glaube...

  • 23.08.23

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