Positionen - Leopold Neuhold
Hinaushören
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Ein Mann macht sich Sorgen wegen der Schwerhörigkeit seiner Frau. Sein Arzt rät ihm, einen Test zu machen: Er solle ihr – schrittweise näher kommend – die gleiche Frage stellen, bis sie ihn hört. Nach Hause gekommen, trifft er seine Frau beim Kochen an. Fünf Meter hinter ihr fragt er, was sie koche. Keine Antwort! Er nähert sich auf zwei Meter und bekommt wieder keine Antwort. Als er in ihr Ohr fragt, was sie Gutes koche, dreht sie sich zu ihm und ruft: „Zum dritten Mal: Es gibt Schnitzel!“
Oft sind wir, die wir den anderen der Schwerhörigkeit verdächtigen, selbst die, die nicht hören können oder wollen. Aber es ist nicht immer Hörschwäche, die uns am Hören hindert. Manchmal ist es das Zuviele, das auf uns einwirken will und uns taub macht, oft wollen wir nur uns selbst hören. Wir kommen dann nicht dazu, dass wir über die gesprochenen Worte „hinaushören“ oder durch sie „hindurchhören“. Wir bleiben im Wortschwall gefangen, ohne zu verstehen, was wirklich gesagt wird.
„Wer mich hört, hört den Vater.“ So das Sonntagsevangelium. Den Hintergrund des Gesagten erschließen, nicht bei den Worten stehen bleiben, sondern den Sinn erfassen: Solches Hören auf den Vater könnte viel auf der Welt und bei uns verändern.
Leopold Neuhold
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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