Blutspenden
Mut zur Nächstenliebe

Gemeinsame Sache. „‚Aus Liebe zum Menschen‘ ist ja auch unser Leitspruch“, sagte Generalvikar Erich Linhardt (r.) beim Gespräch mit Silke Jungbauer (2. v. r.) und Nina Just (2. v. l.) vom Roten Kreuz Steiermark. Martin Halmer (l.), Ökonom der Diözese Graz-Seckau, unterstützt die Idee, Gebäude der Diözese für mobile Blutspende-Aktionen zur Verfügung zu stellen. Die vier GesprächspartnerInnen trafen sich im Freskenraum im Bischöflichen Ordinariat, um die Blutspende-Aktion am 25. August in Graz und weitere zu planen. | Foto: Neuhold
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  • Gemeinsame Sache. „‚Aus Liebe zum Menschen‘ ist ja auch unser Leitspruch“, sagte Generalvikar Erich Linhardt (r.) beim Gespräch mit Silke Jungbauer (2. v. r.) und Nina Just (2. v. l.) vom Roten Kreuz Steiermark. Martin Halmer (l.), Ökonom der Diözese Graz-Seckau, unterstützt die Idee, Gebäude der Diözese für mobile Blutspende-Aktionen zur Verfügung zu stellen. Die vier GesprächspartnerInnen trafen sich im Freskenraum im Bischöflichen Ordinariat, um die Blutspende-Aktion am 25. August in Graz und weitere zu planen.
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Blut spenden, Leben retten. „Mehr Mut für Blut“ lautet der Aufruf vom Roten Kreuz zum Blutspenden. Die Katholische Kirche Steiermark unterstützt dabei.

Es gilt als der „Saft des Lebens“, durchpulst den Körper unentwegt und ist vielerorts ein rares Gut: Blut. Als Konserve kühl gelagert, kann es Menschenleben retten. Weil in der Steiermark seltener Blut gespendet wird als in anderen Bundesländern, startet das Rote Kreuz einen Aufruf – und bekommt dabei Unterstützung seitens der Kirche.

Den Arm gebeugt, die Hand geöffnet, um zu segnen: Diese Geste ist am Wappen der Diözese Graz-Seckau abgebildet. Am Grazer Bischofplatz 4 strahlt das Motiv auch im so genannten Freskenraum von der Wand. Zwei Frauen und zwei Männer stehen an diesem Nachmittag davor und schauen auf die Wandmalerei aus dem 12. Jahrhundert. „Fast wie beim Blutspenden“, sagt eine der Betrachterinnen, und die andere ergänzt: „Stimmt. Den Arm entspannen und leicht beugen.“ Die beiden Frauen sind ins Bischöfliche Ordinariat gekommen, um in einem Erstgespräch mit Vertretern der Katholischen Kirche Steiermark darüber zu beraten, wie Menschen in der Steiermark zum Blutspenden animiert werden können.
Warum es diesen Aufruf braucht, erklärt Nina Just. Viele würden denken, dass Spenderblut nur bei Verkehrsunfällen und in Akutsituationen benötig werde, etwa bei Massenkarambolagen mit vielen Verletzten. Tatsächlich aber findet jede fünfte Blutkonserve Eingang in lebenserhaltende Therapien. „Der Grund, warum wir mehr Fremdblut benötigen, ist eigentlich ein positiver“, sagt Nina Just vom Rotkreuz-Blutspendedienst Steiermark. Therapien zur Behandlung gegen Krebs würden zusehends besser werden, Erkrankte dadurch länger leben.
Dankesbotschaften ehemaliger BlutempfängerInnen bestätigen, was Just sagt. „Im Alter von zehn Jahren bekam ich die Diagnose Leukämie und bin bis heute Patientin im St. Anna Kinderspital“, schreibt eine junge Frau, die dem Foto nach wohl Mitte 20 ist. „Ich bekam eine sehr intensive Chemotherapie und dazu gehörten auch sehr, sehr viele Blutkonserven. Daher ist es mir heute als ‚geheilter‘ Mensch umso wichtiger, auf das Thema Blutspenden aufmerksam zu machen.“ Was Fremdblutempfängerin Sarah auf der Webseite vom Österreichischen Roten Kreuz als „sehr, sehr viel“ Blut bezeichnet, sind bis zu 50 Liter pro Person, die eine Chemotherapie erhält.

Zahlen und Fakten
Während Nina Just, Silke Jungbauer, Martin Halmer und Erich Linhardt miteinander reden, laufen – statistisch gesehen – in der Steiermark gerade drei Blutspende-Aktionen. Etwa 1000 sind es übers Jahr gerechnet – mit einem Gesamtergebnis von rund 50.000 Blutkonserven. Das klingt aufs erste nicht nach einem Mangel, sagt Silke Jungbauer. Problematisch sei jedoch, dass eine Blutspende nur bis zu 42 Tage halte, erklärt die Landesgeschäftsführer-Stellvertreterin vom Roten Kreuz Steiermark. Spenden zahle sich allein schon deshalb aus, weil mit einer einzigen Blutkonserve bis zu drei Menschenleben gerettet werden könnten. Und zwar dann, wenn die unterschiedlichen Blutbestandteile wie Rote Blutkörperchen (Erythrozyten), Blutplättchen (Thrombozyten) oder Blutplasma verschiedlichen Bedürftigen zufließen.

Neue Gesetzeslage
Erich Linhardt, der interessiert zugehört hat und fragt, wer für die freiwillige Blutabgabe denn in Frage komme, erfährt: „Jeder und jede zwischen 18 und 70 Jahren“. Wer noch nie gespendet habe, könne das erstmals bis zum 60. Lebensjahr tun.
Anders als etwa bei der Blutabnahme für ein Blutbild beim Hausarzt sei es vor einer Blutspende wichtig, ausreichend zu trinken und zu essen, sagt Nina Just. Davon abgesehen müsse man nicht viel beachten. Auch sommerlich hohe Temperaturen stünden dem Blutspenden nicht im Weg – „solange der Kreislauf gut funktioniert und man sich fit fühlt“, sagt sie. Vor jeder Spende oder Erstspende finde ein ausführliches medizinisches Gespräch statt, für das man vorbereitend schon einen Fragebogen von der Webseite herunerladen und ausdrucken könne (siehe QR-Code oben). Nach dem Vorgespräch mit medizinischem Personal werde dann „abgezapft“ – bis zu 465 Milliliter Blut pro Spende und Person. Danach wird die rote Körperflüssigkeit unter anderem auf Blutgruppe, Rhesusfaktor, Leuko- und Thrombozyten, Hepatitis oder HIV hin untersucht; bei Auffälligkeiten wird die Spenderperson informiert.
Wenn Blutspenden so einfach ist und man zusätzlich zu einer „Jause danach“ noch einen Gratis-Gesundheits-Check bekommt – warum braucht es dann einen Aufruf? Silke Jungbauers Gesichtsausdruck wird nachdenklich. Ein Grund ist, dass sich vor wenigen Monaten die Gesetzeslage verändert habe, erklärt sie. Es dürfe nun weniger oft Blut gespendet werden als davor. Die Ernährungsgewohnheiten der Menschen hätten sich geändert, ihre Hämoglobin-Werte seien gesunken. Deshalb dürften Männer statt früher sechsmal nur mehr bis zu viermal im Jahr ihr Blut spenden, Frauen gar nur mehr drei Mal. „Zusätzlich zu unseren langjährigen, treuen Mehrfachspendern braucht es jetzt neue individuelle SpenderInnen“, sagt Nina Just. Zudem fühlten sich jene, die seit Jahrzehnten fünf- oder sechsmal im Jahr den Blutspendedienst aufgesucht haben, nun wie vor den Kopf gestoßen.

Gelebte Solidarität
„In der steirischen Bevölkerung spenden aktuell 3,4 Prozent der Menschen Blut“, weiß Nina Just. Der Rest verlasse sich auf diese kleine Gruppe.
Blut ist in der Steiermark also rar – doch das war nicht immer so. Von sonntäglichen Blutspendeaktionen, zu denen der Pfarrer in der Messe aufrief, erzählen die vier Gesprächspartner einander. „Die Kirche hat das Blutspenden schon immer unterstützt“, weiß Silke Jungbauer. Ehrenamtliche hätten zur Verköstigung der SpenderInnen Kuchen gebacken und Brote geschmiert. Das rote Lebenselixier sei in Pfarrsälen entnommen worden, in Turnsälen und Einkaufszentren. Heute werde es zusehends schwieriger, mit mobilen Blutspendeaktionen Menschen zu erreichen. An der Solidarität der SteirerInnen liege es nicht, sagt Nina Just und erzählt, was sich im Zuge des Amoklaufs an einer Grazer Schule mit elf Toten und zahlreichen Verletzten 2025 zugetragen hatte: „Bis vier Uhr Früh sind Menschen angestanden, um für die Schwerverletzten Blut zu spenden.“
Abgesehen von schlimmen Einzelereignissen, die große Mengen an Fremdblut erforderlich werden lassen, halte der schnelllebige Alltag in der Stadt die Menschen davon ab, sich Zeit fürs Blutspenden zu nehmen. Wie die Katholische Kirche Steiermark helfen will? „Mit Räumen“, sagt Martin Halmer. Der diözesane Finanzverantwortliche rief deshalb die Kooperation zwischen Kirche und Rotem Kreuz ins Leben – mit dem Ergebnis einer ersten gemeinsamen Blutspendeaktion in Graz am Bischöflichen Campus Augustinum.
Mit Blick zum Wandbild mit der Hand, die segnet, sagt Erich Linhardt abschließend: „Das größte Geschenk, das wir von Gott bekommen haben, ist das Leben.“ Demnach bedeute Blutspenden, „Leben zu schützen“ – das der anderen sowie das eigene. „Von daher ist es selbstverständlich, dass wir als Kirche mitmachen.“ Auch Martin Halmer stimmt ihm zu. „Wie kann ich als Christ mehr Liebe in die Welt bringen?“, fragt er und gibt sogleich die Antwort selbst: „Indem ich Blut spende und dadurch Leben rette.“

Blutspenden im Augustinum

Di, 25. August 2026, 15 bis 19 Uhr
Bischöflicher Campus für Bildung und Berufung, Seminarraum „Campus“

Lange Gasse 2, 8010 Graz.
Bitte Amtlichen Lichtbildausweis (z. B. Reisepass) mitbringen!
Blut spenden dürfen Personen von 18 bis 70 Jahren, ErstspenderInnen bis 60. Bitte essen und trinken Sie vor der Spende ausreichend. Mehr Infos: www.blut.at

Weitere aktuelle Termine zum Blutspenden finden Sie unter: termine.blut.at

Anna Maria Steiner

Gemeinsame Sache. „‚Aus Liebe zum Menschen‘ ist ja auch unser Leitspruch“, sagte Generalvikar Erich Linhardt (r.) beim Gespräch mit Silke Jungbauer (2. v. r.) und Nina Just (2. v. l.) vom Roten Kreuz Steiermark. Martin Halmer (l.), Ökonom der Diözese Graz-Seckau, unterstützt die Idee, Gebäude der Diözese für mobile Blutspende-Aktionen zur Verfügung zu stellen. Die vier GesprächspartnerInnen trafen sich im Freskenraum im Bischöflichen Ordinariat, um die Blutspende-Aktion am 25. August in Graz und weitere zu planen. | Foto: Neuhold
Bis zu 465 ml Blut fließen bei einer Blutabnahme in den Transfusionsbeutel. Nach acht Wochen hat es der Körper nachgebildet. | Foto: KNA
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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