Positionen - Leopold Neuhold
Ich in Beziehung
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Eine Rose wurde wegen ihrer Schönheit bewundert. Dies schmeichelte ihr. Aber ihre Bewunderer betrachteten sie nur aus der Distanz. Warum? Ein unansehnlicher Frosch saß in der Nähe der Rose. Sie forderte ihn auf, sich zu entfernen, ihre Schönheit könne dann noch besser gewürdigt werden. Der Frosch gehorchte und ging des Weges. Nun begann die Rose Blätter zu verlieren, das Interesse der Besucher erlahmte. Eine Eidechse eröffnete der Rose den Grund für diese Misere: Der Frosch hatte zuvor die Ameisen von ihr ferngehalten. Jetzt brachten diese die Rose zum Absterben.
Führt das Bestreben, selbst unbehindert im Mittelpunkt zu stehen, nicht dazu, dass Beziehungen missachtet werden? Im ausschließlichen Blick auf uns selbst wenden wir uns mitunter gegen solche, die unserer Meinung nach verhindern, dass wir noch besser zur Geltung kommen. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wir zerstören die Bedingungen für ein harmonisches Verhältnis mit anderen und bleiben unverstanden. Auch wir selbst verstehen uns dann letztlich nicht.
Ein Irrer schreibt einen Brief und wird gefragt, an wen dieser gerichtet sei. „An mich!“ Auf die Frage, was im Brief stehe, sagt der Schreiber: „Das weiß ich noch nicht. Der Brief wird erst morgen zugestellt.“
Leopold Neuhold
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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