SR vorgestellt - Seelsorgeraum Voitsberg
Mit guten Straßen verbunden

Gemeinsam unterwegs. Jeden Ostermontag findet in Edelschrott der Emmausgang statt, der traditionell ein Fixpunkt für die Firmlinge der Pfarre ist. Abmarsch ist um 6.30 Uhr bei der Pfarrkirche, Abschluss und Höhepunkt bildet die Messe um 10 Uhr in der Filialkirche St. Hemma, die auch ein Ausgangspunkt für den Hemmapilgerweg nach Gurk in Kärnten ist.  | Foto: Pfarre
6Bilder
  • Gemeinsam unterwegs. Jeden Ostermontag findet in Edelschrott der Emmausgang statt, der traditionell ein Fixpunkt für die Firmlinge der Pfarre ist. Abmarsch ist um 6.30 Uhr bei der Pfarrkirche, Abschluss und Höhepunkt bildet die Messe um 10 Uhr in der Filialkirche St. Hemma, die auch ein Ausgangspunkt für den Hemmapilgerweg nach Gurk in Kärnten ist.
  • Foto: Pfarre
  • hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion

Der Seelsorgeraum Voitsberg ist mit 18 Pfarren der größte in der Steiermark. Die Vielfalt an „Land und Leuten“ birgt Herausforderungen und Chancen zugleich.

Ihren Seelsorgeraum aus der Luft betrachtet – was sticht sofort ins Auge?
Pfarrer Martin M. Trummler, SL: Wenn man den SR Voitsberg aus der Luft betrachtet, fällt sofort auf: eine großartige Landschaft, die auf der einen Seite ans dünn besiedelte Kärntner Bergland, auf der anderen Seite an das Grazer Ballungszentrum grenzt. Wunderschön zum Wohnen oder Urlaubmachen, aber oft höre ich die Frage: Ist dieses Gebiet nicht doch zu groß und vor allem zu inhomogen, um daraus einen Seelsorgeraum zu bilden?

Als Antwort fällt mir dazu ein Spruch ein, der im Frühjahr im SONNTAGSBLATT-Kalender zu lesen war: "Das Leben ist schön. Von einfach war nie die die Rede!" Ähnliches gilt für die Entwicklung unseres Seelsorgeraumes: Einfach ist es tatsächlich oft nicht, das liegt aber weniger an den Entfernungen. Manche Pfarren hatten bis vor wenigen Jahren noch Seelsorger, die exklusiv für die jeweilige Gemeinde oder vielleicht für einen kleinen Pfarrverband zur Verfügung standen. Verständlich, dass viele diesen Zeiten nachtrauern, in denen die „pfarrlich organisierte Betreuung“ eine ganz andere war. Wir Hauptamtliche – egal ob Priester oder Laien – können das gut verstehen, es geht uns ja oft ganz ähnlich. Es war tatsächlich einfacher, für einen überschaubaren Pfarrverband zuständig zu sein als für ein Gebiet mit 18 Pfarren.

Wie gesagt: Einfach ist es nicht, aber trotzdem schön. Es ist ganz einfach schön zu sehen, wie Pfarren sich immer mehr von einer von einem Pfarrer dirigierten Festung zu lebendigen Gemeinschaften verändern, die Verantwortung für das kirchliche Leben vor Ort übernehmen, weil der Glaube an Jesus Christus sie verbindet. Und es ist jeden Tag schön, für diesen Seelsorgeraum – und damit meine ich zuerst die Menschen, die hier leben – zu arbeiten und zu sehen, wie der Gedanke an das Gemeinsame langsam wächst, wie das Bewusstsein steigt, dass die eigene Pfarre keine Insel im weiten Ozean ist, sondern ein Ort, der mit guten Straßen mit anderen Pfarren verbunden ist. Wir haben hier freilich noch einen weiten Weg vor uns, aber es ist ein schöner und hoffnungsvoller Weg.

Wie war der Prozess der SR-Werdung, und gibt es gemeinsame Angebote?
HBP Martin Rapp:
 Jede Pfarre hat ihren eigenen prägenden Veränderungszugang. Manche wünschen sich das Modell „Unser Pfarrer und unsere Sekretärin“. Diese zwei Personen im Pfarrhof werden als Garanten für das Leben der Kirche vor Ort gesehen. Manche hauptamtliche MitarbeiterInnen sehen das noch ähnlich und versuchen, diese Ansicht zu unterstützen. Andererseits gibt es Pfarren, die schon länger ohne eigenen Pfarrer im Ort leben. Hier sind die Menschen eher dazu bereit, vor Ort bewusster Kirche zu gestalten sowie Projektideen und kirchliche Feiern in Kooperation mit dem Führungsteam, den Priestern, den Pfarrsekretärinnen und anderen Partnern umsetzen. Mit ihnen gelingt es im Seelsorgeraum leichter, aussterbenden Formen zurückzulassen und Neues auszuprobieren. Andere Zugänge zu Engagements von Ehrenamtlichen, weniger Interesse an hauptamtlicher Mitarbeit, Veränderungen in der Gesellschaft und geringerer Kirchenbesuch fordern von uns aber Zusammenschau und Zusammenarbeit.

Gibt es Angebote, die Pfarrgrenzen überschreiten?
HBP Martin Rapp: Im Bildungs-, Kultur- und Sozialbereich wird seit Jahren im ganzen Bezirk eingeladen. So gibt es Netzwerktreffen für soziale Arbeit, die von der Caritas-Regionalkoordinatorin immer wieder anregt werden. Veranstaltungen wie Kirchenkonzerte und Vorträge verbinden die Menschen aufgrund des Interesses am Thema. In diesen Bereichen wird über die „Nahversorgung“ hinaus Ansprechendes gesucht. Auch das „Team Nächstenliebe“, ein Hilfsnetzwerk, in dem Menschen aus unterschiedlichen Pfarren zusammenwirken, ist nicht an einzelne Pfarren gebunden. Mit den Spenden am Kooperationskonto von Pfarre & Caritas werden Menschen unabhängig der Pfarrzugehörigkeit finanziell unterstützt. Im Pastoralbereich laden wir zur Vernetzung ein. Unter anderem werden Liturgieplanung, Pfarrvertreterinnentreffen und Weiterbildungsangebote im Seelsorgeraum angeboten. Der Mehrwert des Austausches wird langsam immer bewusster.

Was sind Herausforderungen in der Verwaltung eures SR, und wo ist Neues entstanden?
HBV Simone Kevric-Frühwirth:
Als größter SR der Steiermark – von Pack bis Geistthal sind es über 40 Kilometer – stehen wir durch die Größe sowie durch die Vielfalt an „Land und Leuten“ immer wieder vor Herausforderungen. Gleichzeitig erleben wir, wie schön und bereichernd Vielfalt sein kann.
Als Seelsorgeraum werden wir als „Pilotprojekt“ mit Unterstützung und Begleitung der Diözese ein Gebäudenutzungskonzept erstellen. Dabei sollen sämtliche pfarrliche Gebäude in den Blick genommen werden, um eine effiziente und wirtschaftlich vertretbare Nutzung aller Immobilien zu erzielen. Immerhin gibt es in unserem SR über 100 Gebäude, die teilweise ungenutzt sind und daher eine große Belastung darstellen. Nun stehen wir vor der Herausforderung, elf Pfarrkanzleien in zwei Zentren zu bündeln. Hier ist Neues im Entstehen, aber auch Altes und Gewohntes endet. Ich bin mir aber sicher, dass wir alle Schwierigkeiten schaffen und unseren Seelsorgeraum gemeinsam gut gestalten werden.


Zukunftsmodell

Pastorales Pfarrteam als neue Form.
In den meisten Pfarren ist der Pfarrgemeinderat (PGR) das Gremium, das nach vorgegebenem Regelwerk Beschlüsse fasst und zur Umsetzung bringt. Immer weniger Menschen erklären sich bereit, bei diesem Gremium mitzuarbeiten. In mehreren Pfarren des SR Voitsberg war nach Beratung des PGR klar, dass eine Wahl nicht sinnvoll durchführbar ist. Im PGR-Statut gibt es für solche Pfarren die Option „Pastorales Pfarrteam“. Um ein Pfarrteam zusammenzustellen, wurde zu einer Pfarrversammlung eingeladen. Manche Personen hat man im Vorfeld angesprochen und zur Mitarbeit eingeladen, andere meldeten sich von selbst. Bei der Pfarrversammlung wurde die Zustimmung der Pfarrbevölkerung zum Team eingeholt. Beim ersten Team-Treffen wurden die Interessen und Schwerpunkte aller Mitglieder besprochen. Für die vier Grundfunktionen der Kirche – Liturgie, Nächstenliebe, Verkündigung und Gemeinschaft – wurden „SprecherInnen“ benannt.
Das Pastoralteam berät und setzt Impulse für das Christsein in der Pfarre und darüber hinaus. In einer Chat-Gruppe wird flexibel und anlassbezogen zu Besprechungen eingeladen. Mit dieser Form möchte der SR Voitsberg Kirche synodaler und partizipativer gestalten.


Zahlen und Fakten

SR Voitsberg
Diese 18 Pfarren gehören zum SR: Bärnbach, Edelschrott, Graden, Hirschegg, Kainach, Köflach, Ligist, Maria Lankowitz, Modriach, Mooskirchen, Pack, Piber, Salla, St. Jakob in Geistthal, St. Johann ob Hohenburg, St. Martin am Wöllmißberg, Stallhofen sowie Voitsberg. Außerdem gibt es Krankenhausseelsorge am LKH Weststeiermark Standort Voitsberg sowie eine Niederlassung des Heiligen-Kreuz-Karmel auf dem Hl. Berg in Bärnbach.

Kontakt:
SL Pfarrer Martin M. Trummler, 0676/8742 8965, martin.trummler@graz-seckau.at
HBP Martin Rapp, 0676/8742 6847, martin.rapp@graz-seckau.at
HBV Simone Kevric-Frühwirth, 0676/8742 6505, simone.kevric-fruehwirth@graz-seckau.at

Weitere MitarbeiterInnen:
Priester: Ioan Ioja, Gerald Krempl, Winfried Lembacher, P. Mario Marchler, P. Prince Mathew, Wolfgang Pristavec, Br. Elias Unegg;
Diakone: August Gößler, Ralf Höfer, Helmut Jermann; Pastoraler Mitarbeiter: Milad Karim Tehrani,
Verwaltung: Michaela Aichhorn, Waltraud Böhmer, Kerstin Budinsky, Wilma Eisner, Gertrud Gruber, Cornelia Holzschuh, Franz Rothschedl, Barbara Weber.

▶  sr-voitsberg.graz-seckau.at

Legende
SR = Seelsorgeraum
SL = Seelsorgeraumleiter
HBP = Handlungsbevollmächtigte/r für Pastoral
HBV = Handlungsbevollmächtigte/r für Verwaltung

Redaktion: K. Grager

Gemeinsam unterwegs. Jeden Ostermontag findet in Edelschrott der Emmausgang statt, der traditionell ein Fixpunkt für die Firmlinge der Pfarre ist. Abmarsch ist um 6.30 Uhr bei der Pfarrkirche, Abschluss und Höhepunkt bildet die Messe um 10 Uhr in der Filialkirche St. Hemma, die auch ein Ausgangspunkt für den Hemmapilgerweg nach Gurk in Kärnten ist.  | Foto: Pfarre
Das Führungsteam im SR Voitsberg –  bestehend aus (v. l.) SR-Leiter Pfarrer Martin M. Trummler, Handlungsbevollmächtigter für Verwaltung Simone Kevric-Frühwirth und Handlungsbevollmächtigtem für Pastoral Martin Rapp – behält auch bei heißen Temperaturen einen „kühlen Kopf“.
Brauchtum. Nach einem jahrhundertealten Brauch kommen am Ostersonntag zahlreiche „Maschtasinger“ (abgeleitet vom Wort „Marter“) aus verschiedenen Ortsteilen von Mooskirchen zur Pfarrkirche. Dem Vortragekreuz folgend wird gesungen und gebetet. Das Gelöbnis stammt aus der Pestzeit und ist eine dankbare Erinnerung.
Kultur. 2003 wurde die Konzertreihe Musica Sacra Piber vom damaligen Pfarrer Hans Fuchs ins Leben gerufen. Seither wird jährlich zu sieben Aufführungen in die Pfarrkirche St. Andreas geladen. Musica Sacra Piber unter der Leitung von Harald Fripertinger bietet die Möglichkeit, unvergessliche musikalische Momente zu erleben.
Schöpfungsverantwortung. In den Pfarren Voitsberg und Köflach werden in Kooperation mit Foodsharing überschüssige Lebensmittel in „Fairteiler-Kästen“ zur freien Entnahme angeboten. Jeden Samstag um 19 Uhr gibt es im Pfarrsaal Voitsberg für alle die Möglichkeit, „gerettete“ Lebensmittel abzuholen. | Foto: alle Bilder: Pfarre
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ