Kirche Steiermark
Der Erzbischof aus dem toten Winkel

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Zum 70. Geburtstag von Erzbischof Franz Lackner feierte seine Heimatpfarre St. Anna am Aigen am 11. Juli einen Festgottesdienst mit dem Jubilar. 

„Herr, ich danke dir, dass du mich erschaffen hast!“ Mit diesem Zitat der heiligen Klara begann Erzbischof Franz Lackner am 11. Juli in der Pfarrkirche St. Anna am Aigen seine Predigt. Einen Dankgottesdienst feierte der gebürtige Südoststeirer anlässlich seines 70. Geburtstages, den er am 14. Juli beging, in seiner Heimatpfarre. Und der ganze Ort war gekommen. Auf „ihren“ Erzbischof sind die EinwohnerInnen der schönen Weingemeinde stolz.

„Steirisches Betlehem“ wird St. Anna liebevoll genannt – ursprünglich wegen der vielen Ordens- und Priesterberufungen, die aus dem Ort hervorgingen, darunter mittlerweile auch drei Bischöfe. Erzbischof Franz Lackner deutet den Spitznamen neu: St. Anna habe mit dem Betlehem im Heiligen Land mehr gemeinsam. „Ein kleiner Ort im toten Winkel, im blinden Fleck der heiligen Stadt Jerusalem“, sei der Geburtsort Jesu gewesen. So sei auch sein Geburtsort am Rande des Eisernen Vorhanges lange ein Ort mit wenig Perspektive gewesen. Der Krieg habe hier am Ende schreckliche Eindrücke hinterlassen, erinnert der Erzbischof an Erzählungen der älteren Generation. Die kleinbäuerlichen Strukturen, in denen er aufgewachsen war, seien ein „guter Nährboden für den Glauben“ gewesen. Zum Beispiel die Ernte sei sehr religiös geprägt gewesen: "Der größte und schönsten Kürbis musste natürlich in die Kirche zum Erntedankfest", erzählt er schmunzelnd und sieht die Weisheit dahinter: Das Schönste und Größte weise in eine andere Welt hinein - in die Wirklichkeit Gottes.

Mit Blick auf das Leben des Erzbischof kommt einem gerade nicht die kleinbäuerlich-geprägte sprichwörtliche "gmahde Wies'n" in den Sinn. Von Umwegen und Höhen und Tiefen erzählt der Erzbischof ganz offen in seiner Predigt. Was er nie bereut habe: Priester zu werden. Trotz Schwierigkeiten, auch auf diesem Weg, hat er bald klar gesehen: "Das macht Sinn, das muss ich tun." Die Geschichte vom UNO-Soldaten, der auf Zypern in langen Nachtwachen - ja sogar ein bisschen aus Langeweile - in der Bibel liest und so neu zum Glauben findet, ist schnell erzählt. In den ehrlichen Worten des 70-Jährigen berührt sie wieder neu. Und so auch der Satz, den ihm damals ein Militärpfarrer mitgab und den er bis heute nicht müde wird weiterzugeben: "Gib Gott in deinem Leben eine Chance!" Er ist einer, der es versucht hat - und es täglich neu versucht. 

Viele kamen, um zu gratulieren
„An deinem Leben zeigt sich, wie sehr Gott mit dir unterwegs war und ist", ehrt der steirische Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl seinen Bruder im bischöflichen Dienst. Dass Gottes Begleitung Höhen und Tiefen nicht ausschließe, davon könnten beide aus Erfahrung erzählen. Mit "lebenslangem Wohnrecht" am bischöflichen Mensalgut Schloss Seggau - überreicht in Form einer Urkunde und einer Wellness-Tasche durch die Direktorin Andrea Kager-Schwar - und einem sportlichen Outfit vom Lieblings-Fußballclub - überreicht durch den Sturm-Präsidenten Christian Jauk - beschenkt Bischof Krautwaschl seinen feiernden Mitbruder. 

„Ein Segen für Land und Leute“, nennt ihn Landeshauptmann a. D. Hermann Schützenhöfer. An seinem Leben erkenne man, "dass Gott auch auf Umwegen zu den Menschen geht". Um die tiefe Verbundenheit von Erzbischof Lackner zu seiner Heimat gebührend zu würdigen, beschloss der Gemeinderat von St. Anna am Aigen, ihm symbolisch "ein Stück Heimat" zu schenken und einen neugestalteten Platz nach ihm zu benennen, überrascht Bürgermeisterin Andrea Pock den Jubilar.

Viele Geschenkskörbe und Präsente später steht der sichtlich berührte Erzbischof anschließend am Kirchplatz in der großen Menschenmenge, schüttelt Hände und nimmt noch viele Worte des Dankes und des Segens entgegen. Auf dass ein feierlicher Vormittag "daheim" ihm viel Kraft für die weiteren Jahre in seinem bischöflichen Dienst in der "Ferne" gebe. 

Katharina Grager

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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