Positionen - Leopold Neuhold
Narr in Christo
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Schon im Mittelalter wurde das Fest der Narren gefeiert. Im Rahmen des Narrentreibens übernahm etwa der jüngste Ministrant für einen Tag das Bischofsamt, der „Dorftrottel“ das des Bürgermeisters. Solches Treiben war der Obrigkeit ein Dorn im Auge, es nagte an ihrer Autorität. Mit diesem Umsturz der sozialen Ordnung – für einen Tag – sollte gezeigt werden: Es könnte anders sein – und besser.
Also Narren an die Macht? Diese Forderung scheint heute überflüssig, weil mancherorts erfüllt. Aber wird es wirklich besser, noch dazu, wenn Narren auf Dauer an der Macht sind? Dies kann bezweifelt werden. Der Blick auf das Bessere wird nicht geöffnet, sondern verstellt durch solche, die glauben, die Besten und Mächtigsten zu sein, und sich an die Stelle Gottes setzen.
Am Sonntag wurden Seligpreisungen als Evangelium vorgetragen. Sie öffnen den Blick auf eine Gesellschaft, in der das Zuunterste zuoberst wird. Nicht auch närrisch? Dabei klingt es wie Hohn, Arme, Unterdrückte, Verfolgte selig zu preisen. Doch Jesus nennt die Armen nicht selig, weil sie arm und unterdrückt sind. „Selig“ weist darauf hin, dass Gott an ihrer Seite steht. Der „Narr in Christo“ lässt uns den Blick auf dieses „Selig-mit-Gott“ richten.
Leopold Neuhold
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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