Medjugorje
Große Ausstrahlung

Marienfigur vor der St.-Jakobs-Kirche in Medjugorje.

Medjugorje. Rege Teilnahme bei Online-Kongress zum 40. Jahrestag der ersten Erscheinungen.

Der polnische Erzbischof Henryk Hoser, Apostolischer Visitator im herzegowinischen Wallfahrtsort Medjugorje, sieht die dortige Pilgerstätte als „eine Art Modell der Neuevangelisierung“. In vielen traditionell christlichen Ländern gebe es „eine massive Entchristlichung, einen stillen Abfall vom Glauben, und daher braucht es eine neue Evangelisierung Europas, Nordamerikas und der gesamten atlantischen Zivilisation“.

Das erklärte Hoser bei einem Online-Kongress, der aus Anlass des 40. Jahrestags der ersten angeblichen Marienerscheinungen in Medjugorje vom Verein „Medjugorje Deutschland“ veranstaltet wurde. Laut den Veranstaltern verfolgten mehrere Millionen Zuseher aus aller Welt das zweitägige Livestream-Programm aus Glaubenszeugnissen, Vorträgen und Musik.

Maria - Patronin der Neuevangelisierung
Als Gastgeber eröffnete den Kongress der neue Augsburger Bischof Bertram Maier. Medjugorje habe eine Brückenfunktion – aufgrund seiner geografischen Lage zwischen Ost- und Westeuropa, jedoch auch zwischen Gott und den Menschen, befand Maier. „Wenn wir von einem christlichen Europa nicht nur träumen, sondern helfen wollen, dass es Wirklichkeit wird, kann von Medjugorje große Ausstrahlung hervorgehen.“ Die Gottesmutter Maria bezeichnete Bischof Maier als „Patronin der Neuevangelisierung“.

Manche Gläubige forderten eine stärkere Abkehr von der Welt und eine Intensivierung von Anbetung und Lobpreis als Ausdruck einer innigen Gottesbeziehung, so Maier weiter. Er sehe dabei aber die Gefahr, „dass wichtige Elemente einer lebendigen Gottesbeziehung wie die Bitte oder die Klage, die unser menschliches Leben begleiten, bei dieser Form der Frömmigkeit leicht aus dem Blick geraten“.

Kirche müsse immer auch die Weltsituation berücksichtigen, wenn sie die Menschen erreichen wolle, mahnte der Bischof. Neben der innerlichen Öffnung zu Christus „braucht es ebenso das Eintreten für die Menschenwürde, für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung“. Eine neue Evangelisierung müsse sich in der Nächstenliebe – der Diakonie – bewähren.

Die Geschichte des Wallfahrtsortes
Seit dem 24. Juni 1981 berichteten sechs Kinder in Medjugorje, die Gottesmutter habe sich ihnen gezeigt. Die Erscheinungen dauern nach Angaben der inzwischen erwachsenen Seherinnen und Seher mit großer Häufigkeit an; es soll seither mehr als 42.000 Visionen gegeben haben. Bei etlichen dieser berichteten Begegnungen gab es auch Botschaften der „Gospa“ (Herrin), die sich laut den Sehern als „Königin des Friedens“ bezeichnet. Die Nachrichten haben einen Pilgerstrom von mehreren Millionen Menschen im Jahr ausgelöst.

Seitens der Kirchenleitung gab es Zweifel an der Echtheit des Phänomens, weshalb die zuständige Diözese Mostar ab 1982 Untersuchungen startete. 2006 gab Papst Benedikt XVI. eine Untersuchungskommission in Auftrag. 2017 ernannte Papst Franziskus Erzbischof Hoser zum Sondergesandten für Medjugorje, um die Seelsorge vor Ort zu analysieren und Vorschläge zu machen. 2019 hob der Papst das Verbot offizieller Wallfahrten von Diözesen und Pfarren nach Medjugorje auf. Ein endgültiges Urteil über die Echtheit der Erscheinungen steht noch aus.

KATHPRESS

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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