Religiöse Kunst
Zeichenhaft
- Begreifen, was dahintersteht. Auf der Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung bauten die Teilnehmenden auch die Fassade der Grazer Dreifaltigkeitskirche mit Holzklötzen nach. Durch spielerisches Gestalten kann Kirchenkunst physisch erfahren und lebensnah vermittelt werden.
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Wie und warum religiöse Kunst „funktioniert“, erkundete die ARGE Kulturvermittlung auf ihrer Jahrestagung in Graz.
Was hat Jesus mit einem Pelikan zu tun? Zu wem würde Franziskus heute predigen, und in welcher Form? Und: Was wollen uns Kunstwerke im Kirchenraum sagen? Mit Objekten christlicher Kunst und ihrer dahinterliegenden Dimension beschäftigten sich KulturvermittlerInnen im Rahmen der Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung der Österreichischen Ordenskonferenz, die in Kooperation mit dem Diözesanmuseum und Kirchen Kultur Graz am 18. und 19. Juni erstmals in Graz stattfand. In Vorträgen, kirchenpädagogischen Erkundungen und anhand von Praxisbeispielen im Rahmen des Franziskusjahres wurde untersucht, wie religiöse Bildsprache funktioniert, welche theologischen Botschaften sich hinter Motiven verbergen und warum diese bis heute Orientierung bieten.
Den theoretischen Grundstein legte Heimo Kaindl, Direktor des Grazer Diözesanmuseums. Während ein Zeichen, wie ein Hinweisschild, eindeutig codiert sei, erwachse die Tiefendimension eines Symbols aus der Tradition. Am Beispiel des Kreuzes: Als Zeichen steht es formal für das Christentum; als Symbol transportiert es den Tod Jesu, Erlösung und Hoffnung. Symbole machen das Transzendente greifbar. Während Motive wie die Taube (Hl. Geist) oder der Fisch im christlichen Verständnis gängig geblieben sind, geraten andere – wie der Pelikan als Christussymbol – in Vergessenheit.
Das Unsichbare erfahrbar machen
In der Franziskanerkirche wurde die Theorie dann in kirchenpädagogische Praxis übersetzt. Am Ambo mit der Darstellung der „Vogelpredigt“ kam die Frage auf, wie Franziskus heute predigen würde. Auch neuere Kunst wurde „entschlüsselt“ – so etwa Symbole auf modernen Glasfenstern. Der Kraft von Klang und Raum widmeten sich die KunstvermittlerInnen im Lauschen von Vogelstimmen als Zeichen für die Schöpfung. Mit Bauklötzen wurde eine Kirchenfassade nachgestellt, und wie moderne Stadtseelsorge Symbole leicht zugänglich inszeniert, zeigte sich im Grazer Kircheneck: Das „Aschenkreuz für unterwegs“ oder der „Dankebaum“ zu Erntedank machen Glaube niederschwellig zugänglich. Auf der Jahrestagung der ARGE Kulturvermittlung wurde einmal mehr deutlich: Zeichen und Symbole schlagen Brücken zur Lebenswelt der Gläubigen.
ARGE Kulturvermittlung
(bis 2023 „ARGE Kirchenpädagogik“) ist das österreichweite Fachnetzwerk der Österr. Ordenskonferenz für alle, die das kulturelle und spirituelle Erbe von Orden (Klöster, Kirchen, Kunstwerke, Traditionen, Spiritualität) zugänglich machen und lebendig halten. Dazu werden Bildungs- und Vermittlungsangebote entwickelt, Austauschformate zu Kultur- und Glaubensvermittlung organisiert oder Fachtreffen und Fortbildungen für KulturvermittlerInnen. Mehr: ordenskonferenz.at
Karin Mayer/Redaktion
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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