Aus meiner Sicht - Alfred Jokesch
Wege zu mir selbst
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So sicher, wie der Sommer ins Land zieht, kommt Jahr für Jahr ein Film über das Pilgern am Jakobsweg ins Kino. Der diesjährige nennt sich „Die Camino-Therapie“. Meist finden in solchen Filmen, die längst ein eigenes Genre bilden, höchst unterschiedliche Menschen zusammen, voll bepackt mit Problemen und Ungereimtheiten. Inmitten malerischer Landschaften werden heftig Konflikte ausgetragen, Schatten aus der Vergangenheit kommen ans Licht und der Weg nach Santiago erweist sich als schmerzhafter, aber heilsamer Weg zu sich selbst.
Das Pilgern boomt heute – und das weit über kirchlich organisierte Wallfahrten hinaus. Es trifft zweifellos einen Nerv unserer Zeit. Mehr als hundert ausgewiesene Pilgerwege allein in Österreich werden nun auf dem Portal pilgern.at präsentiert.
Es sind verschiedenste Motive, die Menschen veranlassen, sich auf einen Pilgerweg zu begeben. Ein wichtiges dürfte die Sehnsucht sein, der voranschreitenden Digitalisierung eine radikale Kontrasterfahrung entgegenzusetzen. Beim Pilgern erlebe ich mich als körperliches Wesen, auch mit Blasen an den Füßen und Muskelkater. Ich erlebe Entschleunigung und schärfe die sinnliche Wahrnehmung, das Verkosten des Augenblicks. Auch der Geist kann Weite atmen und Lebenswege aus neuen Perspektiven betrachten.
Alfred Jokesch, Geistlicher Assistent
alfred.jokesch@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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