Jubiläum
Dem Bedürfnis der Zeit dienen

Festgottesdienst zum Jubiläum „150 Jahre Kreuzschwestern in Steiermark und Kärnten“ in der Klosterkirche 
in der Grazer Kreuzgasse. Bischof Krautwaschl feierte mit den Schwestern diesen Gottesdienst am 14. September (Kreuzerhöhung). Zuvor hatten auch Bischof em. Egon Kapellari und der Kärntner Bischof Josef Marketz mit den jubilierenden Kreuzschwestern Gottesdienste gefeiert.
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  • Festgottesdienst zum Jubiläum „150 Jahre Kreuzschwestern in Steiermark und Kärnten“ in der Klosterkirche
    in der Grazer Kreuzgasse. Bischof Krautwaschl feierte mit den Schwestern diesen Gottesdienst am 14. September (Kreuzerhöhung). Zuvor hatten auch Bischof em. Egon Kapellari und der Kärntner Bischof Josef Marketz mit den jubilierenden Kreuzschwestern Gottesdienste gefeiert.
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150 Jahre Kreuzschwestern in Steiermark und Kärnten. Ein vielfältiges und segensreiches Wirken.

MICHAELA SOHN-KRONTHALER

Vor 150 Jahren fassten die Kreuzschwestern (Barmherzige Schwestern vom Heiligen Kreuz, auch Ingenbohler Schwestern genannt) Fuß in der Diözese (Graz-)Seckau. Diese internationale, franziskanisch ausgerichtete Frauenkongregation wurde 1856 vom Kapuzinerpater Theodosius Florentini (1808–1865) und der 1995 von Papst Johannes Paul II. selig gesprochenen Maria Theresia Scherer (1825–1888) in Ingenbohl am Vierwaldstättersee in der Schweiz gegründet. Mutter Scherer stand als erste Generaloberin ihren Mitschwestern vor.
Gemäß dem Wahlspruch Florentinis „Was Bedürfnis der Zeit, ist Gottes Wille“ begannen die Kreuzschwestern in unserer Diözese ein breites, segensreiches Wirken besonders in sozialkaritativer, pädagogischer und schulischer Hinsicht zu entfalten. Damit trugen sie wesentlich zum Aufblühen und Wiedererstarken des Ordenslebens („Frauenkongregationsfrühling“) seit der Mitte des 19. Jahrhunderts bei.

Die Anfänge der Kreuzschwestern auf steirischem Boden sind in Rein zu finden, wo die erste Niederlassung am 4. Februar 1870 errichtet wurde. Das noch heute bestehende St. Josefsheim diente in den ersten vier Jahren als Provinzhaus, die Schwestern widmeten sich der Mädchenerziehung und dem Unterricht.
Im selben Jahr wurden Kreuzschwestern zur Betreuung von Kleinkindern, für den Handarbeitsunterricht und die Privatkrankenpflege nach (Bad) Aussee gerufen, wo sie zuletzt eine Frühstückspension und einen Kindergarten betrieben (bis 2017).

Auf Bitten des Katholischen Frauenvereines der werktätigen christlichen Liebe hin kamen 1871 Schwestern nach Graz. Hier kümmerten sie sich zunächst um stellenlose Dienstmädchen (heute Leonhardstraße 133, ehemals 57) und engagierten sich auch in der Privatkrankenpflege. Diese Einrichtung, als „Frauenheim“ bekannt, bestand bis 1990. Mehr als 125 Jahre wirkten Kreuzschwestern im Priesterspital, dem späteren Priesterheim in der Grazer Bergmanngasse (1872–1999).
Das Mutterhaus wurde 1874 von Rein nach Bruck an der Mur verlegt, wo sich die Kreuzschwestern besonders der Erziehung und Bildung in der Volksschule mit Pensionat und Krankenpflege widmeten. Auf Anregung der Ordensgründerin Maria Theresia Scherer entstand dort fünf Jahre später das Pius-Institut, um körperlich und geistig beeinträchtigte und benachteiligte Menschen zu fördern und zu unterstützen. Hier waren Schwestern bis 2019 aktiv.

Die ersten Filialen der Kreuzschwestern in Kärnten entstanden ab 1873, zunächst in Straßburg, dann in Maria Saal und Klagenfurt. Im Laufe der Jahrzehnte kamen viele weitere hinzu, wie etwa in Althofen, Spittal/Drau, Friesach, Villach-St. Martin, St. Georgen am Längsee, Bad St. Leonhard.
Seit dem Beginn der 1880er Jahre wirkten Kreuzschwestern der Provinz Steiermark- Kärnten auch in anderen Teilen der Habsburgermonarchie, so etwa in Triest, Laibach, Görz, Steinamanger oder Körmend.
Ab 1887 wurde die Provinz Steiermark-Kärnten von Graz aus geleitet. In der Kreuzgasse 34 entstand das neue Provinzhaus, und auch ein Noviziat wurde eingerichtet. Am 14. September 1891 konnte die Provinzhauskirche eingeweiht werden. In unmittelbarer Nähe liegt das 1885 gegründete Sanatorium „Maria Hilf“, das zunächst als Frauenheilanstalt (ab 1919 auch für Männer geöffnet) diente. Damit sollte die eher schlechte medizinische Versorgung von Frauen in der damaligen Zeit verbessert werden. Heute befindet sich dort die Privatklinik der Kreuzschwestern, die einen hervorragenden Ruf genießt.

Beispiele für ein großes Wirken  Kreuzschwestern in Spitälern, Heimen, Schulen und Pfarren.

Im Laufe der vergangenen 150 Jahre waren Kreuzschwestern in zahlreichen Orten der Steiermark und in verschiedensten Wirkungsfeldern anzutreffen. Sie dienten in der Privatkrankenpflege und auch als Pflegekräfte in Landeskrankenhäusern, wie in Leoben, Judenburg, Bruck, Radkersburg und Mürz-
zuschlag, später auch in der Krankenhausseelsorge. Sie nahmen sich der Betreuung
und Erziehung von Kleinkindern und Arbeiterkindern an oder waren in Armenhäusern tätig.

Schon 1881 begannen sie sich auch der Altenbetreuung zu widmen, so etwa in Trofaiach im Altenheim (bis 1961). Von 1935 bis 2002 bestand das Antoniusheim in der Grazer Heinrichstraße. Über 120 Jahre kümmerten sich Kreuzschwestern im Bischöflichen Knabenseminar in Graz um den Haushalt (1892–1998). Lange wirkten Kreuzschwestern im Grazer Taubstummeninstitut (1885–1975). Von 1970 bis 1986 hatten sie in Graz am Odilienweg 6 ein Heim für Theresienschülerinnen. Seit 1983 betreiben die Kreuzschwestern ein begehrtes Alten- und Pflegeheim („Annaheim“) zur Betreuung von Senioren im Grazer Bezirk St. Leonhard (Riesstraße 24). 2010 erfolgte ein Zubau mit Wohneinheiten für pensionierte Priester (Priesterheim).

Ein neues Tätigkeitsfeld erschloss sich den Kreuzschwestern im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965): die Pfarrpastoral. Kreuzschwestern wurden in Pfarren eingesetzt, wo keine Priester vor Ort sein konnten, so zum Beispiel in Selzthal, Kainach, Bad Blumau und Arnfels.

Erreichten die Kreuzschwestern im Jahr 1938 in unserer Diözese ihren personellen Höhepunkt und bildeten sie mit 649 Mitgliedern in 40 Einrichtungen die zweitgrößte Ordensgemeinschaft, so machte der zahlenmäßige Rückgang im Ordenswesen in den vergangenen Jahrzehnten auch vor ihnen nicht Halt. Am 4. Oktober 2007 sah sich die Ordensleitung genötigt, die in ihren geographischen Ausmaßen gewaltige Provinz Europa Mitte zu gründen. Hierin wurden die damaligen Provinzen Oberösterreich-Salzburg, Steiermark-Kärnten, Tirol-Vorarlberg, Wien-Niederösterreich, Bayern und Ungarn sowie das Vikariat Slowenien zusammengeführt: Aktuell wirken dort fast 500 Schwestern in 57 Einrichtungen.
In der steirischen Bevölkerung wird dem Wirken der Kreuzschwestern, die stets für die Nöte und Sorgen der Menschen offen sind und das kirchliche, gesellschaftliche und soziale Leben in unserem Land wesentlich bereichert haben, große Wertschätzung und Dankbarkeit entgegengebracht.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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