75 Jahre kfb - Teil 5
Brückenbauerinnen
- Bei der 50-Jahr-Feier der kfb Steiermark im Herbst 2001 am Grazer Freiheitsplatz mit Bischof Egon Kapellari (Bild Mitte).
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Die kfb Steiermark auf ihrem Weg ins 21. Jahrhundert
In der Entwicklung der Katholischen Frauenbewegung (kfb) der Diözese Graz-Seckau nahm Ilse Karch, Diözesanleiterin von 1985 bis 1993 und Nachfolgerin von Rosa Illek, eine wichtige Weichenstellung vor. Sie selbst verstand sich als „Brückenbauerin“ in einer Zeit der Umstrukturierung. Innerhalb des Leitungsteams wurde die Verantwortung stärker aufgeteilt, Gleiches galt ebenso für die Dekanats- und
Pfarrebene. Das Leitbild der „Helferin“ wandelte sich zu demjenigen der „Mitarbeiterin“; ohne diese wäre die gesamte Arbeit der kfb wohl nicht vorstellbar.
An der Spitze der kfb standen ehrenamtlich ab 1993 Eva Maria Chibici-Revneanu, ab 1998 Annemarie Höfer, ab 2001 Christiana Reiterer, ab 2004 Theresia Muhrer, ab 2010 Ingrid Gady, 2012/13 Birgit Lesjak-Ladstätter, Angela Lienhart und Magdalena Feiner als interimistische Leitung, dann ab 2013 Andrea Ederer und seit dem Jahre 2016 Lydia Lieskonig. Ebenso sind für diesen Zeitraum die Geistlichen Assistenten Pfarrer Franz Fink, der Salvatorianerpater Leo Thenner und Pfarrer Alfred Wallner in Erinnerung zu rufen.
Mit Weitsicht und Offenheit sowie einem klaren Gespür für ein ambitioniertes Programm mit innovativen Angeboten wies die Diözesanleitung der kfb den Weg in das 21. Jahrhundert.
Die Angebote waren und sind vielfältig: verschiedene Formen der Glaubens- und Lebenshilfe, wie zum Beispiel die Seminare „Selbstbewusstsein kann ich lernen“ und „Frauenherbst“ (für Frauen über 50 Jahre), Veranstaltungen für Frauen mit ehrenamtlichen Leitungsaufgaben in den Pfarren, Bibelschulungen, Angebote zur Gestaltung von Frauenliturgien und zur weiblichen Spiritualität, Dekanatsglaubens- und Meditationstage, Exerzitien, Gesundheitsvorsorge, Erholungswochen für Frauen und Mütter (Grabnerhof/Admont, Stainz, Schloss Burgstall bei Wies) sowie für Alleinerziehende, Literaturwochen und Rhetorik für Frauen, Kurse für politische Frauenbildung und vieles mehr. Frauenreisen und -wallfahrten der kfb führten über die Steiermark hinaus, u. a. nach Santiago de Compostela oder in das Heilige Land.
Die Veranstaltungen der kfb wären ohne das Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein als Bildungs- und Erholungshaus nur schwer denkbar. Über drei Jahrzehnte (1992–2024) leitete es Anna Pfleger mit Leidenschaft als einen in der Steiermark zentralen Ort der Frauenbildung und -spiritualität sowie der „Auszeit“. 2006 wurde es als das frauen- und familienfreundlichste Non-Profit-Unternehmen der Steiermark ausgezeichnet.
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Im Jahr 2000 startete dank der Initiative der langjährigen Diözesansekretärin Maria Irnberger die „1. Diözesane Motorradwallfahrt für Frauen“ nach Mariazell. Im Herbst 2001 feierte die steirische kfb am Grazer Freiheitsplatz ihr 50-jähriges Bestehen mit dem Motto „Von mir zu dir und weit – Glaube trägt“. Eingeladen waren auch alle in der Steiermark vertretenen Fraueneinrichtungen. Die Festrede hielt die bekannte Journalistin Dolores Bauer, den Festgottesdienst zelebrierte Diözesanbischof Egon Kapellari im Grazer Dom.
Im Jahre 2003 beteiligte sich die kfb mit dem konfessionsübergreifenden Beitrag „FrauenWege“ im Zusammenwirken mit dem Grazer Kirchengeschichte-Institut an den Projekten von „Graz – Europäische Kulturhauptstadt 2003“; drei Jahre später folgte in einer weiteren Kooperation die Ausstellung „Frau.Macht.Kirche“, die im Diözesanmuseum stattfand. 2011 wurde steiermarkweit unter dem Motto „Frauen.Glaube.Gewinnt“ das Jubiläum „60 Jahre Katholische Frauenbewegung“ auf Schloss Seggau gefeiert.
Seit dem Jahr 1958 wird mit großem Erfolg die entwicklungspolitische Aktion „Familienfasttag“ durchgeführt, die auf das Teilen und den Einsatz für gerechtere Lebensbedingungen von Frauen im globalen Süden zielt. Dabei stoßen die Benefiz-Suppenessen unter Beteiligung kirchlicher und politischer Prominenz auf starke öffentliche Resonanz. Stellvertretend für die von vielen Frauen, auch in den Pfarren, mit Herz und Engagement umgesetzte Solidaritätsaktion des Familienfasttages sollen Helga Hager und Angela Lienhart genannt werden.
Von ökumenischer Bedeutung ist der jährlich in vielen steirischen Pfarren und weltweit begangene Weltgebetstag der Frauen Anfang März.
Fortsetzung folgt
Michaela Sohn-Kronthaler ist Kirchenhistorikerin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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