Splitter
Mittendrin im Pfarrleben

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Vom Kostnixladen und dem Bänkle-Hock über 12 Schätze & 12 Plätze bis hin zur Baumpflanzaktion. In der Kirche vor Ort engagieren sich viele Menschen und stellen oft ungewöhnliche Aktionen, Veranstaltungen und so manches mehr auf die Beine. Bei einem Streifzug quer durch Österreich haben wir ein paar Beispiele zusammengetragen.

TEXT: JOHANNES WOLF

Der Bänkle-Hock
„Kumm, hock di hera!“ Dieser Spruch war in neun Pfarren in der Seelsorgeregion Vorderland in Vor­arlberg an einem Nachmittag im letzten Sommer Auftakt zu einer besonderen Aktion: Insgesamt 69 GastgeberInnen rückten das traditionelle Bänkle vor ihre Haustüre und alle, die vorbeikamen, waren eingeladen, für ein Gespräch in geselliger Runde Platz zu nehmen. „Viele Leute sind von Bänkle zu Bänkle gewandert, in Weiler sind sogar zehn Mann hoch der Musikkapelle mit einer Kutsche überall vorbeigezogen“, erinnert sich Michael Willam, einer der Mitorganisatoren. Zuvor wurden eigens Pläne mit den jeweiligen Standorten angefertigt. „Früher war ein Treffen auf der Hausbank ganz normal, heute sind die Bänke oft verwaist“, so Willam über den Hintergrund dieses „Nachbarschaftsfestes“ der anderen Art. Eines ist klar: Heuer wird es den Bänkle-Hock-Tag wieder geben, vielleicht sogar noch größer.

Gemeinsames Garteln im Kloster
„Hier treffen sich ganz unterschiedliche Leute – junge, alte, ganze Familien und solche, die noch nie was mit unserer Pfarre zu tun hatten“, erzählt Alois Pichler, Pfarrgemeinderat im burgenländischen Oberpullendorf. Vor zwei Jahren hatte man dort die Idee, den seit Langem verwaisten Klostergarten für alle zu öffnen. Auf einer größeren Fläche wurden zwölf Parzellen angelegt, die jeweils von den mitmachenden Hobbygärtnern mit Gemüse, Salat, Kräutern usw. bestellt werden. Das gemeinsame Garteln ist wichtig, man unterstützt sich gegenseitig, teilt die Ernte, kommt ins Plaudern. So wird die Pfarre für manchen zum Stückchen Heimat. Die Nachfrage ist groß und in der jetzt beginnenden dritten Saison wird voraussichtlich erweitert.

Moderne Kunst in der Kirche und viele Aktionen
„Wir sind eine sehr lebendige Pfarre, nicht nur der Pfarrgemeinderat initiiert Dinge, viele Menschen und unterschiedliche Gruppen engagieren sich“, erzählt Alfred Kaltenbrunner, stellvertretender Vorsitzender im Pfarrgemeinderat Steinakirchen am Forst (NÖ). Allein mit der Aktion „12 Plätze – 12 Schätze“ (der Ort besteht aus weit gestreuten zwölf ehemaligen Katastralgemeinden) entstanden viele weitere wie „gemeinsames Radeln in die Kirche“ oder Andachten bei jeweils einem der Plätze, zu denen Mitglieder verschiedenster Vereine eingeladen wurden. „Da gibt’s viel Eigendynamik in unserer Gemeinde“, so Kaltenbrunner. Und moderne Kunst findet, trotz mancher Diskussion, auch Platz in der Kirche: In der Osterzeit werden die Kreuzwegstationen mit der zeitgenössischen Bilderserie „Lichtweg Jesu“ von Raphael Bergmann überhängt. ­Ursprünglich nur für eine Ausstellung geholt, wurden die Bilder vom Pfarr­gemeinderat gekauft: „Alles mit Sponsorengeld“.

Der Lebensmittelkorb in der Kirche
Und er füllt sich immer wieder. Das gilt für jenen Wäschekorb, der seit bald zwei Jahren bestückt mit haltbaren Lebensmitteln ganz hinten in der Kirche der Pfarre Puch bei Hallein in Salzburg steht. Wie in vielen Pfarren hat man sich mit Beginn der Corona-Pandemie auch hier überlegt, wie in Not geratenen Menschen geholfen werden kann. „Da sich zum Aufruf, Lebensmittelpakete zu bringen, niemand gemeldet hat, haben wir gesagt, da braucht es ein ganz niederschwelliges Angebot“, so Pfarrassistent Arno ­Stockinger. Nach dem Motto „Wer hat, der gibt, wer nimmt, der braucht“ wurde also der Korb aufgestellt, die Idee im Ort via Newsletter & Co. verbreitet. Und siehe da: Ständig legt jemand Waren hinein („­manche kaufen extra mehr ein“) und all jene, die Bedarf haben, können sich, ohne zu fragen oder anzumelden, Sachen herausnehmen. Stockinger: „Keine aufregende Aktion, ohne großen Aufwand, überraschend jedoch, wie lange sie nun schon andauert.“

„Shoppen“ im Kostnixladen
Alles, was nicht mehr verwendet wird. Das gibt es im „Kost­nixladen“, der schon vor einigen Jahren im alten Pfarrhof von Gratkorn St. Stefan in der Steiermark eingerichtet wurde. Eine der größten unter den vielen Sozial- und Umweltinitativen, die es in der EMAS-geprüften Klimabündnis-Pfarre gibt. „Jeder kann hier was bringen und natürlich was nehmen“, so Initiator Johann Preitler. Wer unbedingt was zahlen will, der „darf was in den Opferstock“ werfen. Nachhaltigkeit, das Miteinander-teilen, Nächstenliebe, ein „neuer Erfahrungsraum des Glaubens“ – all diese Gedanken stecken hinter der Idee des Ladens. Man ist gut vernetzt in der Gemeinde, so werden etwa nicht verkaufbare Lebensmittel oder Fairtrade-Produkte von lokalen Händlern geholt. Und beim Pfarrfest läuft schon einmal die Kostnix-Modeschau. Von einer Pfarre betrieben, ist dieser Laden österreichweit wohl einzigartig. Nachahmer gibt es, aber die werden meist von Gemeinden getragen.

Mit dem Radl und Öffis in das ­Zeltlager
„Die Pfarre fährt Öffi.“ Dieses Motto gilt in Pfarre Klagenfurt St. Theresia, wenn es um die beliebten Zeltlager für die Kinder geht. „Mobilität soll nicht immer damit beginnen, dass man den Schlüssel in das Zündschloss seines Autos steckt“, sagt Markus Lampersberger, der sich in der Pfarre lang darum gekümmert hat, dass umweltfreundliches Denken schon bei den Kleinsten beginnt. So wird darauf geachtet, dass bei den Zeltlagern so weit möglich die Anreise und alle Wege zu Ausflugszielen mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Fahrrad bewältigt werden. „Viele Kinder fahren da zum ersten Mal mit Bus oder Bahn“, so Lampersberger, der hofft, dass heuer nach zweijähriger coronabedingter Pause überhaupt wieder Kinderlager stattfinden können.

Weit offene Pfarrtüren in der Großstadt
Flüchtlingsprojekt, Deutschkurse, Wärmestube, Lerntreff für Volksschulkinder, eine eigens angestellte Sozialarbeiterin, ein in Bau befindliches ­Caritas- und Grätzlzentrum, eine Musicalproduktion. Das ist nur ein kleiner Auszug der vielen Projekte, Initiativen und Aktionen, die es in der Pfarre Franz von Sales mit ihren drei Teilgemeinden in Wien-Döbling gibt. „Wir haben unsere Türen weit geöffnet“, so PGR-Vizeobmann Alexander Gotsmy. Mit dem bunten, viele Akzente setzenden Pfarr­leben schafft man es, selbst kirchenferne Menschen in der einen oder anderen Form anzusprechen. Da bauen Begeisterte schon einmal die Kirche in 300 Arbeitsstunden aus Lego nach.“

Frische Bäume für eine kühle Stadt
Da wird nicht nur ein Baum gepflanzt. Nein, ganze 20 Bäume wurden noch vor dem Wintereinbruch an den verschiedensten Plätzen im ganzen Stadtgebiet gesetzt. Und im Frühjahr folgen die nächsten. „Wir pflanzen Freistadt“ nennt sich das Projekt Baumpatenschaft, das im Vorjahr von der Pfarre Freistadt in Oberösterreich ins Leben gerufen wurde. „Jeder Baum hat einen Paten oder eine Patin“, so die leitende Seelsorgerin Irmi Sternbauer. Die Bevölkerung für Klimaschutzmaßnahmen sensibilisieren und Freistadt im Sommer zur kühlen und naturnahen Stadt machen – das ist das Ziel der Aktion. Die Paten zahlen für ihren Baum nicht nur 50 oder 100 Euro, sie müssen ihren Schützling auch im Auge behalten und bei Trockenheit mit Wasser versorgen.

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