Martin Hochedlinger: Evangeliumskommentar, 12.7.26
Ein freundliches Wort, ein offenes Ohr, ein Gebet können Samenkörner sein
- Kanonikus Mag. Martin Hochedlinger wurde 1974 geboren und wuchs in Neustadtl auf. Nach einer Lehre wurde er Polizist. 2007 trat er in das Priesterseminar ein und studierte Theologie in St. Pölten. 2015 empfing Hochedlinger im Dom zu St. Pölten die Priesterweihe. Nach Kaplansjahren in Nöchling und Dorfstetten wurde er Moderator in Kirchberg/Pielach, Schwarzenbach und Frankenfels. Seit 2021 leitet er die Krankenhausseelsorge am Uniklinikum St. Pölten und wirkt als Priesterliche Mithilfe im Pfarrverband Böheimkirchen. Am 15. Jänner 2025 wurde Hochedlinger in das Domkapitel aufgenommen.
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Es gibt Bilder aus dem Alltag meiner Tätigkeit als „Krankenhauspfarrer“, die sich tief einprägen. Da sitzt ein Mensch am Krankenbett eines Angehörigen. Die Diagnose ist schwer, die Zukunft ungewiss. Worte werden nur wenige gesprochen. Und doch geschieht etwas: Eine Hand wird gehalten, ein Blick schenkt Trost, ein stilles Gebet wird gesprochen. Von außen betrachtet, mag dies unscheinbar wirken. Aber oft sind es gerade diese kleinen Gesten, die Hoffnung wachsen lassen.
Das Evangelium vom Sämann erzählt von einer ähnlichen Erfahrung. Jesus spricht von einem Sämann, der großzügig seine Saat ausstreut. Die Körner fallen auf unterschiedliche Böden: auf den Weg, auf felsigen Grund, unter die Dornen und schließlich auf guten Boden. Nicht jede Saat bringt Frucht hervor. Vieles scheint verloren zu gehen. Und dennoch sät der Sämann weiter.
Leben verläuft selten geradlinig
Wer im Krankenhaus arbeitet oder Menschen in Krankheit begleitet, kennt diese Wirklichkeit gut. Wir wünschen uns oft schnelle Heilung, klare Antworten oder sichtbare Fortschritte. Doch das Leben verläuft selten geradlinig. Manchmal stößt ein tröstendes, gut gemeintes Wort auf Ablehnung. Manchmal scheint ein Gespräch keine Wirkung zu haben. Manchmal macht die Angst eines Menschen jedes hoffnungsvolle Wort zunichte.
Ich wusste: Jemand ist da
Ich erinnere mich an einen Patienten, den ich über mehrere Wochen begleitet habe. Unsere Gespräche waren kurz und oft von Schweigen geprägt. Mehr als einmal fragte ich mich, ob meine Besuche überhaupt etwas bewirken. Erst kurz vor seiner Entlassung sagte er: „Ich habe nicht immer viel gesagt. Aber ich wusste, dass jemand da ist.“ Dieser Satz hat mich gelehrt, dass Gottes Wort und seine Nähe oft auf verborgene Weise wirken. Nicht alles, was Frucht bringt, ist sofort sichtbar.
Im Gleichnis vom Sämann richtet Jesus unseren Blick nicht zuerst auf die unterschiedlichen Böden, sondern auf den Sämann. Er rechnet offenbar damit, dass ein Teil der Saat nicht aufgeht. Trotzdem sät er verschwenderisch weiter. So handelt auch Gott. Gott sei Dank.
Er schenkt seine Liebe nicht nur dort, wo Erfolg garantiert ist. Er wendet sich jedem Menschen zu – unabhängig von seiner Geschichte, seinen Zweifeln oder seiner momentanen Lebenssituation.
Evangelium schenkt uns Mut
Wenn Leid unser Herz schwer macht und Sorgen oder Enttäuschungen überhandnehmen, wird es oft schwierig, Gottes tröstende Gegenwart zu erkennen. Das Evangelium schenkt uns Mut: Nicht wir müssen zuerst perfekten Boden hervorbringen. Gott selbst ist derjenige, der immer wieder neu aussät. Er gibt sein Wort nicht auf und verliert nie die Hoffnung in einen Menschen.
Gottes Wirken beginnt oft klein ...
Vielleicht lädt uns dieses Gleichnis auch dazu ein, selbst zu Sämännern und Säfrauen der Hoffnung zu werden. Ein freundliches Wort, ein offenes Ohr, ein Besuch oder ein Gebet können Samenkörner sein, die wir in das Leben anderer Menschen legen. Ob und wann sie Frucht bringen, liegt nicht allein in unserer Hand.
Der Sämann im Evangelium erinnert uns daran: Gottes Wirken beginnt oft klein und unscheinbar. Doch wo sein Wort auf offenen Boden trifft, kann daraus neues Leben wachsen – manchmal mitten in Krankheit, Unsicherheit und Leid. Gerade dort, wo wir es am wenigsten erwarten.
Zum Autor
Kanonikus Mag. Martin Hochedlinger wurde 1974 geboren und wuchs in Neustadtl auf. Nach einer Lehre wurde er Polizist. 2007 trat er in das Priesterseminar ein und studierte Theologie in St. Pölten. 2015 empfing Hochedlinger im Dom zu St. Pölten die Priesterweihe. Nach Kaplansjahren in Nöchling und Dorfstetten wurde er Moderator in Kirchberg/Pielach, Schwarzenbach und Frankenfels. Seit 2021 leitet er die Krankenhausseelsorge am Uniklinikum St. Pölten und wirkt als Priesterliche Mithilfe im Pfarrverband Böheimkirchen. Am 15. Jänner 2025 wurde Hochedlinger in das Domkapitel aufgenommen.
Autor:Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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