Erstkommunion-Vorbereitung
Interview: "Eine Sehnsucht nach neuen Wegen"

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Elisbath Hackl, in der Diözese St. Pölten für Sakramentenpastoral zuständig, über die Chancen der Erstkommunion-Vorbereitung:

Sie sind seit einigen Monaten in der Diözese für die Sakramentenpastoral zuständig. Was möchten Sie bewirken?

Elisabeth Hackl: Ich wünsche mir, dass wir Wege eröffnen – nicht nur für die Vorbereitung auf zwei Sakramente, sondern für einen Glaubensweg. Kinder und Eltern sollen Jesus kennenlernen und entdecken, dass Erstbeichte und Erstkommunion keine einmaligen Ereignisse sind, sondern wichtige Stationen auf dem gemeinsamen Weg mit Gott. Oft konzentrieren wir uns sehr auf die Feier selbst. Natürlich soll sie ein schönes Fest sein. Noch wichtiger ist aber, dass Kinder erfahren: Jesus ist heute da, er liebt mich und begleitet mein Leben.

Wo sehen Sie derzeit die größten Schwierigkeiten?

Hackl: In vielen Pfarren wird mit großem Engagement gearbeitet. Gleichzeitig erleben viele Verantwortliche Enttäuschung, wenn Familien nach der Erstkommunion kaum mehr Kontakt zur Pfarrgemeinde haben. Ich glaube, das liegt weniger an den verwendeten Methoden als an der Frage, ob Beziehungen entstehen. Eltern haben oft das Gefühl, dass sich die Vorbereitung ausschließlich an ihre Kinder richtet. Dabei sind sie selbst die wichtigsten Glaubensbegleiter ihrer Kinder. Wenn Eltern persönlich angesprochen werden und merken, dass der Glaube auch etwas mit ihrem eigenen Leben zu tun hat, entsteht eine ganz andere Dynamik.

Die Säkularisierung führt zu einem abnehmenden Bezug zu Kirche und Glauben in der Gesellschaft. Wie kann man in der Erstkommunionvorbereitung damit umgehen?

Hackl: Vieles, was früher selbstverständlich war, wird heute nicht mehr von Generation zu Generation weitergegeben. Gleichzeitig sehe ich darin eine große Chance. Viele Menschen stellen wieder grundlegende Fragen nach Sinn, Hoffnung und Orientierung.
Gerade Familien mit Kindern öffnen Türen für solche Gespräche. Deshalb sollten wir nicht nur die Kinder in den Blick nehmen, sondern die ganze Familie willkommen heißen. Familien sind nach wie vor der erste Ort, an dem Glaube gelebt und weitergegeben wird.
Dort, wo Familien sich ehrlich willkommen fühlen und Menschen erleben, die ihnen auf Augenhöhe begegnen, entstehen oft neue Schritte im Glauben. Nicht Programme allein verändern Menschen, sondern Beziehungen.

Wo sehen Sie Chancen? Welche neuen Ideen sind vielversprechend?

Hackl: Ich beobachte international einige spannende Entwicklungen und Ideen. Gemeinsam ist ihnen, dass Eltern stärker einbezogen werden und Glaube nicht nur erklärt, sondern erlebt wird. Kinder lernen Glauben nicht in erster Linie durch Arbeitsblätter oder auswendig gelernte Antworten. Sie lernen ihn dort, wo sie Gemeinschaft erleben, beten, feiern, Fragen stellen dürfen und Menschen begegnen, die selbst aus dem Glauben leben.

Welche Inhalte halten Sie für besonders wichtig?

Hackl: Es geht um die großen Fragen des Lebens: Warum hat Gott mich geschaffen? Wer und wo ist Gott überhaupt? Was bedeutet Liebe? Warum brauchen wir Vergebung? Wie begegnet uns Jesus in der Eucharistie? Warum gehören wir zur Kirche? Mir ist wichtig, dass wir den katholischen Glauben kindgerecht und verständlich, aber auch in seiner ganzen Schönheit und Tiefe weitergeben. Papst Leo hat gesagt: „Das Christentum wird nicht dadurch attraktiver, dass man seine Inhalte verwässert oder seine Anforderungen abschwächt.“ Das sehe ich genauso.

Wie kann man Eltern motivieren, sich zu beteiligen?

Hackl: Vor allem, indem wir einladend sind. Eltern müssen nicht schon alles wissen oder können. Sie sollen erleben, dass sie willkommen sind und mit ihren Fragen kommen dürfen. Gleichzeitig braucht es auch Klarheit. Der Weg zur Erstkommunion ist mehr als die Vorbereitung auf ein Familienfest. Er ist eine bewusste Entscheidung, sich gemeinsam auf einen Glaubensweg einzulassen. Viele Eltern wünschen sich heute Angebote mit echtem Mehrwert. Wenn sie erleben, dass die Kirche Antworten auf Fragen des Lebens geben kann und ihre Sprache spricht, sind sie bereit, sich darauf einzulassen.

Gibt es gute Ideen für die Gestaltung der Erstbeichte?

Hackl: Besonders schön finde ich Versöhnungsfeste, an denen die ganze Familie beteiligt ist. Kinder erleben dann, dass Versöhnung kein Thema nur für sie ist, sondern zum christlichen Leben gehört.
Hilfreich sind Stationen, an denen Familien gemeinsam über Schuld, Vergebung und Neuanfang nachdenken können. Ein altersgerechter Beichtspiegel kann Kindern Sicherheit geben und das Beichtgespräch erleichtern.
Wichtig ist mir auch, dass Kinder die Priester bereits vor der Erstbeichte kennenlernen. Vertrauen entsteht durch persönliche Begegnungen im Vorfeld.
Wenn die Erstbeichte schließlich in einer Atmosphäre der Freude endet – vielleicht mit einer Agape oder einer gemeinsamen Jause –, dann erleben Kinder und Eltern etwas von dem, was Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Vater erzählt: Gott freut sich über jeden Menschen, der zu ihm kommt. Genau diese Freude sollte auch die Erstbeichte prägen.

Welche persönlichen Erfahrungen haben Sie mit der Vorbereitung auf die Erstkommunion gemacht?

Hackl: Zwei meiner vier Kinder haben ihre Erstkommunion bereits gefeiert. Wir haben bei der Vorbereitung mitgeholfen und zusätzlich unsere Kinder auch zu Hause auf Erstbeichte und Erstkommunion vorbereitet. In den vergangenen Monaten habe ich außerdem einige Pfarren und Pfarrverbände besucht und gefragt: Was gelingt gut? Wo gibt es Herausforderungen? Dabei habe ich viel Engagement erlebt, aber auch die Sehnsucht nach neuen Wegen.
Interview: Patricia Harant-Schagerl

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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