Interview
„Mich fasziniert die Leidenschaft Gottes“

In der Pfarrkirche Eggersdorf hat Keiko Sadakane das Rosettenfenster gestaltet. Es wurde vor einem Monat eingeweiht. Im Gespräch mit Hochschulseelsorger Alois Kölbl erzählt die Künstlerin von ihrem Zugang zum Geheimnis der Dreifaltigkeit.
  • In der Pfarrkirche Eggersdorf hat Keiko Sadakane das Rosettenfenster gestaltet. Es wurde vor einem Monat eingeweiht. Im Gespräch mit Hochschulseelsorger Alois Kölbl erzählt die Künstlerin von ihrem Zugang zum Geheimnis der Dreifaltigkeit.
  • Foto: Peter Sturm
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Die Künstlerin Keiko Sadakane ist eine Grenzgängerin zwischen den Kulturen. Aufgewachsen in Japan begegnete sie in einer französischen Schule dem Christentum und hat sich mit achtzehn Jahren taufen lassen. In vielen ihrer Werke setzt sie auf verhaltene, gebrochene Farben und die subtile Kraft der Zwischentöne, die aus der fernöstlichen Tradition ihrer japanischen Heimat schöpft. Im Rosettenfenster für die Pfarrkirche Eggersdorf verwendet sie kräftige bunte Farben und setzt sich mit einem Bildmotiv auseinander, das der Kultur ihrer Heimat völlig fremd ist. Die Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit hat eine große Tradition in der orthodoxen Ikonenmalerei, in der westlichen Tradition scheint sie in der Barockzeit an einen Endpunkt gelangt zu sein und die vitale Frische verloren zu haben. Vor dem Dreifaltigkeitsfest hat Hochschulseelsorger Alois Kölbl mit der Künstlerin über ihre Beschäftigung mit einem exotisch gewordenen Bildmotiv gesprochen.

Dass sich eine zeitgenössische Künstlerin, die in abstrakter Formensprache arbeitet, mit dem Bildmotiv der Trinität auseinandersetzt, ist – auch wenn es um die Gestaltung eines Kirchenfensters geht – einigermaßen überraschend. Wie kam es dazu?

Für die Gestaltung der Fensterrose an der Westwand der Eggersdorfer Kirche gab es keine thematische Vorgabe der Auftraggeber. Ausgangspunkt waren für mich zunächst zwei Faktoren: der Kreis als die äußere Form, die vorgegeben und von mir nicht veränderbar war, und dann mein persönlicher Wunsch, möglichst viele Farben zu verwenden. Mich faszinierte die Vorstellung, dass sich da alle Farben im Licht mischen. Auch Gott wird theologisch als Licht gefasst. Nach vielen, sehr unterschiedlichen Entwürfen kristallisierte sich das Dreieck als Form heraus, die ich dem Kreis einschreiben wollte. Das ist zunächst eine sehr einfache, fast banale Form. Ich habe sie aber dynamisiert, indem ich drei Dreiecke ineinander verschränkt und diesen wieder drei Dreiecke eingeschrieben habe. Das führte auch zum Titel der Arbeit, der die lebendige Bewegung eines Gebetsrufes in sich trägt: „SANCTUS – SANCTUS – SANCTUS“. Die Umschreibung „Vater“, „Sohn“ und „Geist“ schien mir zu einfach für das, worum es im Mysterium der Trinität geht. Ich wollte jeder der drei Personen wieder drei Personen zuordnen, und zwar als Beziehung. Ich habe mich diesem Thema als Künstlerin, nicht als Theologin genähert und versucht, mich mit dem Mysterium der Trinität ganz unverkrampft zu beschäftigen, im Wissen, dass sich dieses unergründliche Geheimnis nicht auflösen lässt. Es geht um die Dynamik der Liebe, die immer ein Gegenüber braucht und nie nur bei sich bleiben kann. Diese unglaubliche Lebenskraft, ohne die das Christsein und die christliche Religion nicht zu denken sind, fasziniert mich auch als Künstlerin. Im Bild der Trinität kommt eine ganz spezifische Dimension des christlichen Glaubens zum Ausdruck: Mich fasziniert die Leidenschaft Gottes.

Ein Gedanke, der fernöstlichem Denken fremd ist …

In Japan gibt es das Christentum erst seit 500 Jahren. Es ist also im Vergleich zu Europa sehr jung. Es wurde in Japan verfolgt, die Zeit im Untergrund hat es aber auch stark gemacht. Für die meisten Japaner ist das Christentum noch immer etwas sehr Exotisches. Ich habe durch meinen Mann, der in der Steiermark geboren ist, nicht nur die europäische Kultur kennengelernt, sondern profitiere auch von seiner ganz persönlichen Frömmigkeit. Er ist Physiker, aber als Naturwissenschafter getragen von einem starken Glauben.

Die Eggersdorfer Pfarrkirche spricht in ihrer Formen-, Farb- und Bilderwelt eine sehr europäische Sprache. In welchem Verhältnis steht die neue Fensterrose zu diesem Kirchenraum?

Ich habe es vermieden, mich der Formen- und Farbenwelt der Kirche anzupassen. Ich wollte einen Kontrapunkt setzen. Das schafft eine Spannung ganz eigener Art. Auf keinen Fall wollte ich mich anbiedern. Ich wollte nichts vordergründig Schönes schaffen. Das wäre Kitsch und letztlich eine nur-langweilge Harmonie. Umso mehr freut es mich, dass mir nach dem Gottesdienst zur Einweihung des Fensters Mitglieder der Pfarrgemeinde spontan sagten: Die Farben sind einfach schön!

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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