Offen gesagt - Josef Pichler
Der Friedenskönig kommt
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Warum muss es ausgerechnet ein Esel sein, auf dem Jesus in Jerusalem einzieht?
Diese Frage stellt sich vor allem beim genauen Lesen der Texte, denn bei Markus und Lukas ist nur von einem Jungtier die Rede. Eindeutiger wird es bei Matthäus und bei Johannes, denn hier kommt tatsächlich ein junger Esel vor. Alle vier Evangelien zitieren aber beim Einzug Jesu in Jerusalem Sacharja 9,9 („Juble laut, Tochter Zion! … Siehe, dein König kommt … demütig ist er und reitet auf einem Esel, ja, auf einem Esel, dem Jungen einer Eselin.“) und machen damit ihr Anliegen deutlich. So zieht der Friedenskönig in die Stadt ein. Er zeichnet sich nicht durch Macht aus, sondern er ist gerecht und arm, er hilft, er zerstört Kriegsgerät, er bringt Frieden und auch Segen.
Wie schön wäre es, wenn die Mächtigen dieser Welt auch heute so handeln würden! Der Evangelist Lukas spitzt im Sinne einer Aktualisierung des Anliegens durchaus zu und erzählt von den heilsamen Wirkungen des Einzugs Jesu. Für ihn zieht Jesus – wie der Messias – vom Ölberg in die Stadt ein, und der Himmel über Jerusalem ist ausgespannt wie bei der Geburt Jesu in Betlehem. Aufgrund seiner Kriegserfahrung erinnert er an das Grundanliegen Jesu, an Gewaltlosigkeit und Feindesliebe, die auch das Programm der ersten Rede Jesu bei Lukas (6,27–36) bilden. Davon ließen sich die Menschen um Jesus begeistern.
Josef Pichler ist Universitätsdozent am Institut für Neutestamentliche Bibelwissenschaft an der Katholisch-Theologischen Fakultät Graz.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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