Unser Dom in neuer Gestalt

Zur neuen Feiermitte des Grazer Doms gehören Altar und Ambo, aus Seiser Basalt gestaltet vom Radstädter Künstler Wilhelm Scherübl (links im Bild). Das Evangeliar ist sichtbar auf einem eigenen Pult aufgestellt. Reduzierung des Gestühls im Presbyterium schuf eine freiere Raumqualität.
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  • Zur neuen Feiermitte des Grazer Doms gehören Altar und Ambo, aus Seiser Basalt gestaltet vom Radstädter Künstler Wilhelm Scherübl (links im Bild). Das Evangeliar ist sichtbar auf einem eigenen Pult aufgestellt. Reduzierung des Gestühls im Presbyterium schuf eine freiere Raumqualität.
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Eine selbstbewusste und feinnervige neue Mitte für unsere Bischofskirche.

Der Grazer Dom wurde im 15. Jahrhundert als Hofkirche Kaiser Friedrichs III. errichtet, nach dem Vorbild der Bettelordenskirchen schließt sich an ein breit gelagertes, dreischiffiges Langhaus ein langes, sehr hohes und schmales, lichtdurchflutetes Presbyterium. Langhaus und Presbyterium waren von einem Lettner getrennt, wohl eine gebaute Architektur mit einem Kreuzaltar. Der Kaiser konnte der Liturgie von einem Oratorium an der Nordwand des Chorraumes folgen.
Als die ehemalige kaiserliche Hofkirche in der Zeit der Gegenreformation dem Jesuitenorden übergeben wurde, entfernte man nicht nur den Lettner, sondern der Bau wurde auch mit prächtigen Barockaltären ausgestattet. Der bis zum Gewölbescheitel reichende Hochaltar ist einer der größten Altäre in ganz Österreich und zieht mit seiner Architektur aus verschiedenfarbigen kostbaren Steinen und den bewegten Figurengruppen die Blicke auf sich. Erst 1786 wurde das Gotteshaus zur Bischofskirche der Diözese Graz-Seckau erhoben.

Der Altar: Die neue Mitte ausstrahlen

Als Höhepunkt der nunmehr im Langhaus und Presbyterium abgeschlossenen umfassenden Renovierungsarbeiten, die mittelalterliche Fresken und barocke Einrichtung in voller Pracht in einem Raumgefüge von seltener Harmonie von Gotik und Barock erstrahlen lassen, wurde auch das liturgische Zentrum neu gestaltet.
Das aus einem geladenen Wettbewerb einstimmig als Sieger hervorgegangene Projekt des aus Radstadt stammenden Künstlers Wilhelm Scherübl will mit Pracht und Pathos des historischen Mehrzeitenraumes nicht konkurrieren und definiert gleichwohl selbst-bewusst die liturgische Mitte des Feierraumes in zurückhaltend-reduzierter Formen- und Materialsprache unserer Zeit.
Für Altar und Ambo verwendet er nicht nur dasselbe Material, beide Elemente sind aus einem monolithischen Block herausgeschnitten, als „Tisch des Brotes“ und „Tisch des Wortes“ unmittelbar aufeinander bezogen, wie es das II. Vatikanische Konzil ins Bild fasst.
Sammelnd, bergend und in sich ruhend ist die Form des fast quadratischen Altares, der gewichtig ein Zentrum markiert, das nach dem tridentinischen Ritus bis zum II. Vatikanischen Konzil vom Hochaltar gebildet wurde. „Der Altar soll selbstbewusst die neue Mitte ausstrahlen“, sagt der Künstler.

Der Ambo: Den Hörenden entgegengehen

Der Ambo – an der Stelle, wo im Mittelalter der Lettner eine trennende Raumgrenze schuf – weist hingegen energisch in das Kirchenschiff. Die Verkünder des Wortes Gottes steigen eine Stufe hinunter und den Hörenden entgegen. Am schmalen, in den Himmel weisenden gotischen Chorbogen wird der Raum neu ausgelotet, und Presbyterium und Kirchenschiff werden dynamisch miteinander vernäht.
Von großer Schönheit ist das vom Künstler mit Bedacht gewählte Material: in Südtirol gebrochener Seiser Basalt. Gebürstet bewahrt der Stein eine lebendige Oberfläche, der nobel-zurückhaltende ins Braun und Grün changierende graue Grundton wird nobilitiert durch ein feinnerviges, helles Geäder und silbrig schimmernde Einschlüsse. Sie künden von der Dynamik der Entstehungsgeschichte des Materials, entschweren den Altar und lassen beim Ambo an fallende Flocken denken, an das sanfte Säuseln, in dem Gottes Stimme nicht nur großen Propheten zugänglich wird.

Die Kathedra: Segen aus der Verkündigung

Archaisch in den Formen ist auch die Kathedra. Der Bischofssitz ist nun nicht mehr barocker Thron wie in der Zeit der Erhebung zur Bischofskirche, sondern gemahnt im schlichten Material Holz vor dem mit bunten Gesteinen prunkenden Hochaltar an das, was sich im Wappen unserer Diözese auf der Rückenlehne bündelt: ein Segen zu sein aus authentisch gelebter Verkündigung.
Alois Kölbl

Zeichen der Nähe und Gemeinschaft
Altarweihe nach intensiven Renovierungsarbeiten im Grazer Dom.

Am Sonntag „Gaudete“, dem dritten Adventsonntag, konnte im Grazer Dom mit der Weihe von Altar und Ambo ein Höhepunkt nach drei Phasen einer umfassenden Sanierung begangen werden. Eine vierte Phase wird noch mit der Erneue-rung der Orgel folgen. Die coronabedingt kleinere Feiergemeinde, darunter Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer und seine Vorvorgängerin Waltraud Klasnic, tat der Festesfreude keinen Abbruch. Dompfarrer Bischofsvikar Heinrich Schnuderl leitete die Feier und nahm die Altarweihe vor. Bischof Wilhelm Krautwaschl war durch eine K1-Quarantäne verhindert.

Als „sichtbares Zeichen für die uns von Gott geschenkte Nähe und Gemeinschaft“ deutete Dompfarrer Schnuderl in seiner Predigt den neuen Altar. Ein Altar sei der Form nach ein Tisch, an dem wir das heilige Mahl feiern und von dem wir das Brot des Lebens empfangen. Über das Material und die künstlerische Gestaltung hinaus werde dieser Tisch erst durch die Weihe zum Altar, einem geheiligten Ort, an dem uns Gott begegnet. Bei der Weihe wurde der Altar (wie zuvor die Feiergemeinde) mit dem geweihten Wasser der Taufe besprengt, dann gesalbt, dann wurden Weihrauchkörner verbrannt und Lichter angezündet.
Unter dem neuen Altar wurden Reliquien von Glaubenszeugen mit Bezug zu Graz beigesetzt: Johannes Sarkander, der an der Grazer Jesuitenuniversität zum Priester ausgebildet wurde und vor 400 Jahren in Mähren das Martyrium erlitt; und P. Jakob Gapp, Lehrer am Marieninstitut, der als entschiedener Gegner des NS-Regimes und seiner Judenverfolgung 1943 enthauptet wurde.

Schon vor der Verkündigung der Lesungen aus der Heiligen Schrift wurde der Ambo gesegnet. Tisch des Wortes (Ambo) und Tisch des Brotes (Altar) gehören zusammen. Für das Evangeliar, das Buch, aus dem das Evangelium verkündet wird, wurde bei der Neugestaltung der liturgischen Zone durch Wilhelm Scherübl auch ein Ort geschaffen, wo es sichtbar aufgeschlagen bleibt.

Im Jahr 2017 wurde die umfassende Sanierung des Domes mit Außenarbeiten und einem barrierefreien Zugang begonnen. Im Vorjahr wurde das Kirchenschiff mit den großen Seitenaltären und den Gewölbefresken erneuert. Heuer stand das Presbyterium mit dem barocken Hochaltar im Mittelpunkt. Die großen Gemälde, das Chorgestühl und die Kaiserempore wurden erneuert, eine gotische Seitentür freigelegt. Die Kosten für die dringend notwendige dritte Etappe betrugen rund 1,5 Millionen Euro.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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