Meine Lieblings-BIBELSTELLE
Mt 8,8 | Astrid Wagner

„Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund.“
Diese Worte vor dem Kommunionempfang haben mich als Kind sehr beschäftigt. Unter „eingehen“ verstand ich damals „sterben“, so wie in meinem Kinderzimmer ein Kaktus nach dem anderen „eingegangen“ ist, wenn die selbst verursachte Trockenzeit mehrere Monate andauerte. Trotzdem wartete ich in der Kirche jedes Mal gespannt auf diese Worte, denn das Gemurmel der Gemeinschaft verlieh ihnen einen magischen Klang und stimmte mich zuversichtlich. Am Ende wird die Seele gesund. Ende gut, alles gut!
Dass ich damals, ohne die Geschichte vom Hauptmann von Kafarnaum zu kennen und trotz Missverständnis zu dieser Erkenntnis gekommen bin, stimmt mich heute als Religionslehrerin zuversichtlich. Die Worte der Bibel erreichen die Kinder und Jugendlichen, vielleicht auf ungewöhnliche Art und Weise.
So wie der heidnische Hauptmann, der sich an Jesus wendet. Bei der Erzählung im Lukasevangelium kommt es zu keiner persönlichen Begegnung. Der Hauptmann vertraut Jesus, schickt Freunde und lässt durch diese ausrichten: „Herr, bemüh dich nicht! Denn ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach einkehrst. Deshalb habe ich mich selbst auch nicht für würdig gehalten, zu dir zu kommen. Aber sprich nur ein Wort, dann wird mein Diener gesund.“
Beim Lesen dieses – mit gegenseitiger Wertschätzung „aufgeladenen“ – Dialogs läuft mir ein „wohliger Schauer“ über den Rücken, denn: Damals wie heute genügt oft ein Wort, um Leib und Seele zu heilen. Und: Am Ende wird alles gut!

Astrid Wagner, BEd MA
Religionslehrerin im Gymnasium der Ursulinen Graz

Sonntagsblatt, 27. September 2020

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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