Familie
Im Einklang sein
- In der Nacht sortiert unser Gehirn die Erlebnisse des Tages. Erholsamer Schlaf ist eine gute Medizin gegen das Vergessen.
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Schlaf, Bewegung und soziale Kontakte stärken unser Gedächtnis.
Im Langzeitgedächtnis unterscheiden Forschende grob zwei große Systeme. Das deklarative Gedächtnis speichert Fakten und persönliche Erlebnisse. So etwa den Namen der Hauptstadt Frankreichs oder den Geburtstag der besten Freundin. Das prozedurale Gedächtnis hingegen ist für Routinen zuständig: Fahrradfahren, Tippen, Schuhebinden. Diese Fähigkeiten laufen oft wie von selbst ab, ohne dass wir bewusst nachdenken müssen.
Interessanterweise bleiben prozedurale Erinnerungen oft auch dann erhalten, wenn das deklarative Gedächtnis bereits stark beeinträchtigt ist. Deshalb können Menschen mit fortgeschrittener Demenz manchmal noch Klavier spielen, obwohl sie ihre Angehörigen nicht mehr erkennen.
Genug Schlaf und körperliches Training
Eine Schlüsselrolle für stabile Erinnerungen spielt der Schlaf, insbesondere der Tiefschlaf. In dieser Phase werden Verbindungen zwischen Nervenzellen verstärkt, sodass frisch Gelerntes besser ins Langzeitgedächtnis übernommen werden kann. Auch der sogenannte REM-Schlaf – in dieser Schlafphase träumen wir – ist wichtig. Hierbei werden emotionale Erlebnisse ins Gedächtnis integriert. Nicht zu schlafen oder nicht genug Schlaf zu bekommen, kann die Lernfähigkeit erheblich verringern.
Vieles, was dem Körper guttut, hilft auch dem Gedächtnis: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und unterstützt Lernprozesse, ausgewogener Schlaf stabilisiert neue Inhalte. Körperliches Training kann die Neurogenese – die Bildung neuer Nervenzellen – anregen, selbst im Erwachsenenalter.
Soziale Kontakte
Soziale Interaktionen spielen ebenfalls eine große Rolle: Gespräche, gemeinsame Erlebnisse und das Erzählen von Geschichten helfen dabei, Erinnerungen zu festigen und neu zu kontextualisieren.
Nachgedacht
Vom Vergessen und Wiederfinden
Wie hieß noch gleich der Klassiker von Goethe, du weißt schon, der mit dem Teufel? Und die sympathische Schauspielerin aus dem Film „Pretty Woman“? Wer kennt das nicht? Wörter liegen uns auf der Zunge, wollen uns aber einfach nicht einfallen. Dafür spuckt das Gehirn manchmal Tage später die Lösung aus. Warum ist das so?
Unser Gedächtnis ist kein perfektes Archiv, sondern ein Geschichtenerzähler, der jeden Tag neu sortiert, was wichtig ist und was vergessen werden darf. Es entscheidet mit, wie wir uns selbst sehen, wie wir lernen und wie wir die Welt verstehen. Manche Momente brennen sich förmlich ein, andere verschwinden spurlos. Damit eine Erinnerung bleibt, durchläuft sie mehrere Stufen: Zuerst wird ein Sinneseindruck sehr kurz im sensorischen Gedächtnis gespeichert, dann wandert ein Teil davon ins Kurzzeitgedächtnis. Wird eine Information als wichtig eingestuft und wiederholt, kann sie schließlich ins Langzeitgedächtnis übergehen und dort Tage, Jahre oder sogar ein Leben lang bleiben.
Entscheidend für diesen Übergang ist der Hippocampus, eine Struktur aus Nervenzellen tief im Gehirn. Er fungiert als eine Art Vermittler, der neue Eindrücke verarbeitet und später an die Großhirnrinde weiterleitet, wo sie langfristig gespeichert werden.
Aufräumdienst
Auch das Vergessen ist wichtig. Es ist eine Art Aufräumdienst des Gehirns. Indem unwichtige Details verblassen, wird Platz geschaffen für neue Erfahrungen. Unser autobiografisches Gedächtnis formt dabei eine persönliche Erzählung: Wir erinnern uns stärker an Wendepunkte, Gefühle und Bedeutungen als an exakte Details. Und jedes Mal, wenn wir eine Erinnerung abrufen, wird sie leicht verändert, neu bewertet, in einen anderen Kontext gesetzt. Unser Gehirn schreibt Geschichten!
Was aber ist mit den vergessenen Namen? Unser Hirn bleibt bei diesen unvollendeten Suchen in erhöhter Bereitschaft. Wahrscheinlich kann nachlassender Druck oder ein erneuter Hinweis den Weg zu verschütteten Informationen ebnen. Und dann fällt uns zur Spalte links ein: klar, „Faust“ und Julia Roberts!
Deike
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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