Erinnern an Leiden und Sterben Jesu
Kalvarienberge in unserer Diözese

Kalvarienberg in Liifenfeld
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  • Kalvarienberg in Liifenfeld
  • Foto: Marlene Ratzinger
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In der Fastenzeit und in der Karwoche kommen viele Gläubige im Diözesangebiet bei den Kalvarienbergen zusammen, um an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz zu erinnern. Kreuzritter und Jerusalem-Pilger brachten die Idee von der Übertragung des letzten irdischen Weges Jesu auch in unsere Gegenden.

Ein Leserbrief in der Kirchenzeitung „Kirche bunt“ im Jahr 1986 von der damals 13-jährigen Birgit Draxler verwies darauf, dass der Kalvarienberg in der Pfarre Aggsbach-Dorf, der bei der nahen Kartause liegt, dringend renovierungsbedürftig war. Bald darauf wurden die Arbeiten gestartet. Das Ehepaar Draxler, die Eltern von Birgit, und weitere Freiwillige kümmern sich heute liebevoll um die Instandhaltung des Weges. Der Berg mit seinen 14 Stationen ist viel besucht und lädt zum Gebet, zum Innehalten und zur Erinnerung an Leid und Auferstehung Jesu. Ganz oben angekommen, bietet sich Gläubigen ein wunderbarer Blick über die Wachau. Gerne feierten Nachbar­pfarren, etwa aus Hafnerbach oder Markersdorf, oder das Bezirksfeuerwehrkommando Melk dort in den letzten Jahren Kreuzwegandachten.

Besonders in der Fastenzeit und in der Karwoche erinnern Kalvarienberge, von denen es in der Diözese St. Pölten knapp 20 gibt, an das Leiden und Sterben Jesu am Kreuz. Als Kalvarienberg bezeichnet man lebensgroße Nachbildungen des Leidens Christi an einem erhöhten Ort, oft nur die Kreuzigungsgruppe mit Jesus und den beiden Schächern (Räubern), aber auch umfangreichere Skulpturengruppen des Leidensweges. Oft wurden Kreuzwegstationen am Anstieg zu Wallfahrts- oder Hausbergen und abgelegeneren Bergkirchen errichtet, wenige oder hunderte Meter in der Ausdehnung.

Ausgang war Jerusalem

Die ersten Kalvarienberge entstanden in der Nachfolge der Kreuzzüge: Nach ihrer Ankunft in Jerusalem war das Ziel der Kreuzritter die über Jesu Hinrichtungsstätte „Golgota“ (lateinisch calvariae, für „die Schädel“) errichtete Grabeskirche. Später kam es zu einer Übertragung des letzten irdischen Weges Jesu in die Heimatländer der Kreuzritter und Jerusalem-Pilger. So wurde es in ganz Europa üblich, im Gedenken an die Passion Christi Kalvarienberge zu errichten. Hauptmotive für die Errichtung von Kalvarienbergen waren der Ersatz einer Wallfahrt in das Heilige Land, Dank für die geglückte Rückkehr, Gelöbnisse nach Kriegen und Seuchen oder Bekenntnisse zum katholischen Glauben. In der französischen Bretagne gelten die Kalvarienberge als Wahrzeichen; diese fanden in der Zeit des Barock nördlich der Alpen große Verbreitung, Heute noch werden Kalvarienberge geplant und gebaut.

Früher gab es fünf oder sieben Kreuzwegstationen. Ältere Kreuzwege haben sich am Schmerzhaften Rosenkranz mit der Zahl fünf orientiert. Auf päpstliches Geheiß wurde 1731 die Zahl auf 14 festgelegt, wie die renommierte Historikerin Walpurga Oppeker sagt. Vorstufen der Kalvarienberge waren Ölbergreliefs in gotischen Kirchen wie in Langenlebarn oder in der Ste­phanuskirche Horn.

Für die Errichtung von Kalvarienberganlagen waren wahrscheinlich nicht immer nur pastorale Überlegungen ausschlaggebend, sondern auch ökonomische und touristische Interessen, wie etwa in Imbach (bei Krems). Oppeker schreibt dazu: „Das Pfarrgebiet war klein und die Einkünfte, die an den damaligen Konvent fielen, waren daher gering.“ Die Historikerin erklärt weiter: „In der Regel wird in der bildenden Kunst und Volkskultur der Barockzeit die Passion den Menschen in Form von Bilderzyklen, Kalvarienbergen oder Darstellungen des Schmerzhaften Rosenkranzes nahe gebracht, um sie zur Nachfolge Chris­ti in Form des frommen Mitleidens anzuregen.“

Pfarre Mühldorf-Niederranna

Etwas abgelegen liegt im Nordos­ten von Unterranna an einem steilen Abhang ein recht typischer Kalvarienberg. Im Jahr 1414 stifteten Hans III. von Neudegg, der Herr zu Ranna, und seine Gattin Kunigunde ein Kloster in Unterranna. In der Zeit der größten Blüte wurde der Kalvarienberg (1675-1680) angelegt. 1985 bis 1993 restaurierte der Verkehrsverein Mühldorf unter Anleitung von Fachleuten die gesamte Anlage. Der Kreuzweg beginnt in Unterranna neben einem Bildstock des heiligen Johannes Nepomuk und führt steil den Berg hinauf. Rechts und links davon befinden sich die Kreuzwegstationen in Form von offenen halbrunden Bildstöcken. Nach neun solchen Kapellen erreicht man die Kreuzigungskapelle. Von der Kapelle führt der Weg hinunter zur Grab­legungskapelle. Der Kalvarienberg der Pfarre Mühldorf-Niederranna wird liturgisch genutzt, wie Karl Höbartner von der Pfarre Mühldorf-Niederranna erzählt: „Jeden Sonntag in der Fastenzeit gibt es bei uns einen Kreuzweg.“
Mancherorts stehen Kalvarienberge, wie jener in Hollenstein, unter Denkmalschutz. Vielen Pflegern ist es wichtig, dass diese nicht „Freiluftmuseen“ werden, sondern dass dort Gottesdiens­te gefeiert werden und dass sie als Glaubenszeugnisse erhalten bleiben.

Restaurierung in Lilienfeld

Zu den größten Kalvarienbergen Österreichs zählt jener in Lilienfeld. Das Zis­terzienserstift bemüht sich derzeit um die Sanierung. „Der Kalvarienberg zählt über 20 Statuen. Dieses Werk aus dem 17. Jhdt. liegt an der Via Sacra, einem traditionellen Wallfahrerweg von Wien nach Mariazell. Es ist der Betrachtung des Leidensweges Jesu Chris­ti gewidmet“, erzählen Abt Pius Maurer und die pensionierte Religionslehrerin Marlene Ratzinger. Das Projekt, an dem sich Bundesdenkmalamt und Land NÖ beteiligen, kostet über 550.000 Euro. Der Abt hofft auf die Übernahme von Patenschaften für die Statuen. Die Res­taurierung einer Statue kostet etwa 12.000 Euro. Bei Interesse freut man sich im Stift über eine Kontaktaufnahme (E-Mail: abt@stift-lilienfeld.at). Weiters hat der neue Josefs-Verein ein Josefs-Büchlein unter dem Titel „Josef, geh mit uns“ herausgebracht, der Erlös kommt der Rettung des Kalvarienbergs zugute. Das Büchlein bietet Wissenswertes um den Josefs-Verein, Geschichten, Lieder und Gebete, und ist bei der Klosterpforte oder bei Marlene Ratzinger erhältlich (E-Mail: marlene.ratzinger@aon.at). W. Zarl

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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