10. Sonntag i.JK26: Dr. Helmut Prader
Jesus kennt unsere Situation, ...
- Wir können darauf vertrauen: Jesus hält uns allen die Hand hin. Auch jenen, die gesellschaftlich geächtet sind.
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Warum haben die Leute daran Anstoß genommen, dass Jesus sich mit Zöllnern getroffen und sogar mit ihnen gegessen hat? Was war eigentlich so anstößig an Zollbeamten oder Finanzbeamten?
Da müssen wir etwas zurückschauen in die Zeit Jesu: Das Heilige Land war besetzt von den Römern, und die haben von den Leuten Steuern verlangt.
Vielzahl an Zoll-Belastungen
Es gab Wegezölle und Torzölle bei Stadtmauern, Brücken und Straßen. Jeder Wagen, jedes Tier, jede Ware wurde besteuert. Es gab auch eine Kopfsteuer: Jeder Jude ab 14 Jahren musste Steuern an Rom zahlen. Hinzu kamen dann auch noch die Tempelsteuer und so manch andere Steuern. Die Römer haben die Steuern nicht selbst eingehoben, sondern dafür haben sie Steuerpächter oder Steuereintreiber engagiert. Sie haben das Recht sozusagen verpachtet. Deren Job war verhasst und lukrativ zugleich.
So ein Zöllner musste jährlich eine festgelegte Summe an Steuern abliefern. Alles, was er darüber hinaus eintrieb, war sein Gewinn. Das war der Anreiz: Je mehr du von den Leuten nimmst, desto reicher wirst du. Sie waren Privatunternehmer mit Gewinninteresse. Für die Römer waren sie ein nützliches Werkzeug, für die Juden waren sie Sünder und Verräter.
Die Zöllner kamen zwar aus dem jüdischen Volk, man hat sie aber deshalb gehasst, weil sie als Kollaborateure der Römer galten. Für die Juden waren sie Verräter am eigenen Volk. Sie arbeiteten für die Besatzungsmacht.
Es gab keine feste Steuertabelle. Zöllner konnten nach Gutdünken „aufrunden“. Wer nicht zahlte, bekam Probleme mit den römischen Soldaten. Nach jüdischer Tora galten sie als Sünder. Sie hatten ständig Kontakt mit Heiden und den Römern, deshalb galten sie als rituell unrein. Kein frommer Jude aß mit ihnen. Darum steht in den Evangelien immer „Zöllner und Sünder“ zusammen.
Matthäus etwa war Zöllner in Kafarnaum. Das war eine Goldgrube. Zöllner konnten sehr reich werden – aber gesellschaftlich waren sie geächtet.
Und vor diesem Hintergrund müssen wir das heutige Evangelium lesen. Mit solchen Leuten, die überall als Zöllner bekannt waren, sitzt Jesus bei Tisch und isst mit ihnen. Wir kennen auch die Begebenheit mit dem Zöllner Zachäus.
Woher komme ich, was ist der Sinn meines Lebens, wo führt mein Leben hin, was ist das Ziel meines Lebens?
Warum aber trifft sich Jesus genau mit diesen Leuten, warum isst er sogar mit ihnen, was als besondere Ehre gegolten hat? Weil er dadurch ihr Herz berührte! Es passierte etwas, das sie selbst nicht für möglich hielten. Denken wir nur an die Bekehrung des Zachäus. Die Hälfte meines Vermögens gebe ich den Armen, und wenn ich zu viele Steuern eingehoben habe, gebe ich es vierfach zurück.
Wir dürfen uns führen lassen
Man muss die menschliche Seite ansprechen, um sie für das Göttliche zu gewinnen. Letztlich war auch den Zöllnern der damaligen Zeit bewusst, dass auch ihr Leben einmal zu Ende gehen wird. Und dann stellen sich die wirklich wichtigen Fragen des Lebens: Woher komme ich, was ist der Sinn meines Lebens, wo führt mein Leben hin, was ist das Ziel meines Lebens? Und letztlich ist die alles entscheidende Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod, gibt es eine letzte Gerechtigkeit?
Paulus formulierte es einmal so: „Ich bin allen alles geworden, um auf jeden Fall einige zu retten“ (1 Kor 9,22). Es ist kein Anbiedern an Gruppen, mit deren Verhalten man nicht einverstanden ist. Vielmehr geht es darum, sie in ihrer jeweiligen Situation abzuholen und sie auf einen besseren Weg zu führen. Und genau da dürfen wir uns ganz konkret angesprochen fühlen. Auch uns holt Jesus in unserer Situation ab, in der wir stehen. Wir dürfen uns führen lassen, wir dürfen uns von ihm ansprechen lassen. Und wir dürfen uns bewusst machen: Er kennt unser Herz besser, als wir uns selbst kennen.
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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