Interview zum Tag des Lebens
"Wir brauchen einen positiven Klimawandel für Kinder"
- Sie sieht sich als jemanden, der für die Frauen spricht: Petra Plonner, Vorsitzende der Bürgerbewegung „Fairändern“, setzt sich für politische Maßnahmen zur Reduktion von Abtreibungen ein.
- Foto: zVg
- hochgeladen von Kirche bunt Redaktion
Petra Plonner ist Vorsitzende der Bürgerbewegung „Fairändern“, die sich für Maßnahmen zur Reduktion von Abtreibungen einsetzt. Bei der Lebensschutz-Veranstaltung „Ja zum Leben
sagen“ am 1. Juni sprach sie über „Teenager und schwanger“.
Ihr Engagement für den Lebensschutz hat auch einen biografischen Hintergrund?
Petra Plonner: Ich wurde im Alter von 17 Jahren ungeplant schwanger und war zunächst einmal von der Diagnose des Arztes schockiert, weil ich in keinster Weise damit gerechnet hatte. Der Arzt schlug als „Lösung“ sofort eine Abtreibung vor. Dieser Ausweg erschien mir dann auch als der einfachste – hat aber massive Schuldgefühle und Reue bei mir ausgelöst, obwohl ich damals noch nicht gläubig war.
Beim Thema Abtreibung gehen oftmals die Wogen hoch. Wie kann man darüber sprechen, ohne die Frau zu verurteilen?
Plonner: Wichtig ist, darüber zu sprechen, ohne zu verurteilen – und nicht über die Köpfe der Frauen hinweg. Es darf nicht um eine argumentative „Schlacht“ gehen. Ich verstehe die Frauen, warum sie eine Abtreibung in Erwägung ziehen. Eine ungewollte Schwangerschaft stellt das Leben ganz schön auf den Kopf.
Ein konstruktiver Dialog zu diesem Thema ist auf gesellschaftlicher Ebene kaum möglich, weil die Gräben so tief sind. Meist hat sofort jemand eine Antwort parat und verteidigt seine Position. Mir ist es deshalb wichtig, Brücken zu bauen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Man hört oft das Argument: Mein Körper gehört mir, ich will frei entscheiden können. Wie sehen Sie das?
Plonner: Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist natürlich ein wichtiges Anliegen und ein großes Gut. Aber: Jede Frau weiß, dass sie, wenn sie schwanger ist, ein Kind erwartet. Das hört man kaum in der öffentlichen Diskussion. Mit der Selbstbestimmtheit ist es ja nicht weit her; das merke ich in den Beratungen, die ich durchführe. Die Frauen sind in ihrer Entscheidung für die Abtreibung sehr häufig fremdbestimmt und stehen unter enormem Druck – das hat auch eine IMAS-Umfrage gezeigt. Hauptsächlich drängen der Partner und/oder die Familie darauf.
Ich frage mich manchmal: Wenn wir es als Gesellschaft schaffen würden, diesen Druck zu nehmen: Wie würden sich die Frauen entscheiden? Eine Vision: kein finanzieller Druck, kein Druck aus der Partnerschaft oder vom Chef ... Ich glaube, dass viele Frauen mit einem ermutigenden Wort und stärkerer Unterstützung nicht abtreiben würden. Deshalb engagiere ich mich für die Bewegung „Fairändern“, die sich auf politischer Ebene für Maßnahmen zur Reduktion von Abtreibungen einsetzt.
Die Geburtenstatistik zeigt, dass immer weniger Paare Kinder bekommen wollen. Was sind die Gründe dafür?
Plonner: Das ist eine Frage, die wir uns alle stellen sollten. Historisch betrachtet leben wir ja in einem Goldenen Zeitalter mit sehr hohem Wohlstand. Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft kinderfeindlich ist, aber Kinder kommen heutzutage nicht so gut davon: Sie verhindern Karriere, Kinder-Kriegen sei eine Armutsfalle, heißt es. Wir brauchen einen positiven Klimawandel für Kinder! Familie ist ein wundervolles Abenteuer – das hört man heute viel, viel zu wenig. Kinder zu haben, ist wundervoll!
Ängste – wie etwa vor der Klimakrise – sollten uns nicht davon abhalten, hoffnungsvoll in die Zukunft zu gehen. Angst vor Kriegen, Angst vor Hunger, Angst vor Not hat es schon immer gegeben.
Wird das Thema Abtreibung zu sehr in den privaten Bereich verschoben?
Plonner: Es ist natürlich ein sehr privates, persönliches Thema – das macht das Darüber-Reden so schwierig. Es hat aber große gesellschaftliche Auswirkungen – auch auf uns Frauen. Wir müssen den Diskurs zum Wohle von uns Frauen führen. Es soll keine Frau abtreiben müssen, weil sie so verzweifelt ist. Der Weg mit einem Kind kann steinig sein. Wir brauchen Rahmenbedingungen, dass eine Frau ihr Kind – trotz vielleicht widriger Umstände – bekommen kann und mit Kind ein gutes Leben führen kann. In der Rückschau denke ich, dass ich selbst es mit Kind geschafft hätte.
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.