Allerheiligen | 1. November 2026
Meditation
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Vom verlorenen Umgang mit dem Tod
Allerheiligen ist die Zeit des Erinnerns. Wir gedenken unserer Verstorbenen, besuchen Friedhöfe und werden für einen kurzen Moment mit der Endlichkeit unseres Lebens konfrontiert. Für wenige Tage erhält der Tod einen festen Platz in unserem Denken. Noch nie zuvor waren wir dem Tod so fern und gleichzeitig so nahe. Wir sprechen über ihn, wenn wir müssen, vermeiden ihn aber, wo immer es möglich ist. Dabei ist der Tod keine Ausnahme des Lebens, sondern dessen unvermeidbarer Bestandteil.
Viele verbringen die letzten Stunden ihres Lebens im Krankenhaus. In Zentraleuropa sind es rund 80 Prozent der Bevölkerung, die hinter den Mauern von Spitälern sowie Alters- und Pflegeheimen sterben. Der Tod im vertrauten Zuhause ist zur Ausnahme geworden. Es ist daher nicht überraschend, dass wir den Tod zunehmend tabuisieren. Selbst in den mit der Natur verbundenen Gesellschaften am Land wächst die Distanz zu diesem Thema.
Auch wir Jägerinnen und Jäger sind oft mit Unverständnis, Wut und Ablehnung konfrontiert, wenn wir mit einem erlegten Stück Wild nach Hause fahren. Doch wir entscheiden nicht leichtfertig über Leben und Tod. Jeder Schuss bedeutet Verantwortung gegenüber dem Wildtier, dem Lebensraum und der Gesellschaft.
Dass Wild in seiner vertrauten Umgebung innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde erlegt wird, möchte die Gesellschaft in diesem Augenblick oft nicht hören. Doch stellt sich die Frage: Ist es nicht genau jene Vorstellung vom Tod, die wir uns für uns selbst wünschen? Schnell, möglichst schmerzfrei und in einer vertrauten Umgebung, in der wir uns sicher fühlen, zu sterben?
Die Entfremdung von der Natur schadet nicht nur dem Verständnis für die Jagd, sondern offenbart auch eine bemerkenswerte Doppelmoral. Viele Menschen lehnen den Anblick eines erlegten Wildtieres ab und verurteilen jene, die Verantwortung für diesen letzten Schritt übernehmen. Gleichzeitig konsumieren sie Fleisch, ohne sich mit dessen Herkunft oder dem Tod des Tieres auseinanderzusetzen. Solange der Tod hinter Kühlregalen, Verpackungen und Speisekarten verborgen bleibt, müssen wir uns nicht mit ihm auseinandersetzen.
Wir müssen wieder lernen, dem Tod ins Auge zu sehen. Nicht, um ihn zu verherrlichen, sondern um ihn als unvermeidbaren Teil des Lebens zu begreifen. Geburt und Tod gehören zusammen. Nur wer beides akzeptiert, kann das Leben in seiner ganzen Bedeutung verstehen.
Bezirksjägermeister Johann Silberschneider, Bezirksjagdamt Deutschlandsberg
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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