Palmsonntag | 29. März 2026
Meditation

Foto: Brett Sayles/Pexels

Das Wort vom Kreuz

Über viele Fakten rund um das Kreuz von Golgatha herrscht kein Zweifel. Dass zur Zeit der Kreuzigung ein besonderes Himmelsereignis – möglicherweise eine (Mond‑)Finsternis – beobachtet wurde, ist im Archiv der NASA erwähnt. Zahlreiche Berichte, die nur wenige Jahre später entstanden, sprechen vom Tod Jesu von Nazareths – eines Mannes, der die Menschen damals wie heute herausfordert, sich eine Meinung darüber zu bilden, wer er ist: Gottes Sohn, gestorben für Sünder? Ein Prophet? Ein weiser Lehrer?

Für Paulus ist der Kreuzestod Jesu der Kern seiner Botschaft. Im ersten Korintherbrief schreibt er, er wolle nichts anderes verkündigen „als Jesus Christus, den Gekreuzigten“ (vgl. 1 Kor 2,2). Schon damals gingen die Meinungen auseinander, wie uns die Bibel berichtet. Im ersten Kapitel des Korinther-Briefes sagt Paulus: „Wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten – den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit. Denen aber, die berufen sind, ist Christus Gottes Kraft und Gottes Weisheit.“ (vgl. 1 Kor 1,23–24)

Ein gekreuzigter Messias war für viele Jüdinnen und Juden jener Zeit undenkbar und nach ihrem Gesetz sogar verflucht. Für philosophisch Gebildete, die Paulus „Griechen“ nannte, widersprach ein leidender und sterbender Gott ihrem Ideal von Vernunft, Stärke und philosophischer Weisheit.
Doch was bleibt, wenn wir das Kreuz aus der Bibel streichen? Es gibt PredigerInnen, die ein Lieblingsthema haben und von jeder Bibelstelle eine Brücke dorthin bauen. Das erinnert mich an „Johnny One Note“ – der Geschichte über einen Sänger, der nur eine einzige Note singen konnte. Wenn ich nur eine Note singen dürfte, dann wäre es die vom gekreuzigten Christus. Denn für mich führt jede biblische Geschichte dorthin.

Bei Noah und der Arche wird deutlich: Die Sintflut konnte nicht heilen, was seit dem Sündenfall zwischen Mensch und Gott steht – die Schuld, die uns trennt. Doch am Kreuz schafft Jesus die Versöhnung. Bei David erinnert uns die Verheißung daran, dass einer kommen soll, der größer ist als er.

Das Kreuz ist der rote Faden, der die ganze Bibel zusammenhält – der Ort, an dem Gottes Liebe und Gerechtigkeit sichtbar werden und das Leben der Auferstehung beginnt.

Maria Wilbrink

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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