Aus meiner Sicht - Anna Maria Steiner, Redakteurin
Namenlos: Nie wieder!
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Vor etwa 20 Jahren, auf einem Forschungsaufenthalt in Deutschland, kam ich beim Mittagessen neben einem älteren Mann zu sitzen. Die Suppe löffelnd, stellten wir einander vor, und auf die Frage, wo er als Niederländer so gut Deutsch gelernt habe, sagte er „in Auschwitz“. Wie etwa 400.000 anderen Menschen wurden ihm im KZ Ziffern in den linken Unterarm gestochen, und dieses Herabwürdigen zu einer Nummer stand erst am Beginn von unsagbarem Leiden.
Der eigene Name ist mehr als seine Buchstaben – er lässt uns ansprechbar werden und ist, etwa beim Kennenlernen, oft das Erste, das über jemanden preisgegeben wird. In meinem Elternhaus wurde der Tag der Namensheiligen stets klein, aber fein gefeiert. Statt dem Kaffeehäferl wartete die Goldrandtasse am Frühstückstisch, daneben ein Wiesenblumenstrauß und, begleitet von einem „Möge die Mutter Anna dich beschützen“, gab es sogar ein kleines Geschenk. Mein Name gibt mir das Gefühl von Heimat.
Wer, wie im Falle meines 2012 verstorbenen Bekannten Max Hamburger, jemandem den Namen nimmt, tilgt seine Herkunft und gibt ihm einer Masse preis. Auch daran denke ich, wenn sich die (Selbst-)Befreiung von Arbeits- und Vernichtungslagern wie Buchenwald, Auschwitz oder Mauthausen (S. 15) heuer zum 80. Mal jährt.
Anna Maria Steiner, Redakteurin
anna.steiner@graz-seckau.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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