Offen gesagt - Dr.in Annemarie Pilarski
Christentum im Wandel
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Vor 1700 Jahren begann das Konzil von Nicäa – wie sah die Welt im Jahr 325 aus? Die Welt, in der das Konzil von Nicäa stattfand, war aus christlicher Perspektive zweifellos eine Welt im Umbruch. Gerade erst war ein epochales Ereignis für das Christentum geschehen: Mit Konstantin stand erstmals ein Kaiser dem Christentum wohlwollend gegenüber. Er tolerierte es – und begann leise, es sogar zu privilegieren oder zumindest den anderen Kulten im Reich gleichzustellen. Das war für die Christen eine völlig neue Situation. Noch kurz zuvor war das Christentum unter verschiedenen Kaisern in Wellen verfolgt worden oder zumindest gesetzlichen Repressalien ausgesetzt gewesen. In diese neue Rolle musste man erst hineinwachsen.
Das Konzil von Nicäa, bei dem der Kaiser selbst eine bedeutende Rolle spielte, markiert dabei einen Punkt, an dem diese Entwicklung sichtbar wird: Das Christentum beginnt, sich als Partner des Staates zu verstehen – und umgekehrt lernt auch der Kaiser, dass er es mit einem religiösen Gegenüber zu tun hat, das eigene Logiken verfolgt und nicht einfach dem kaiserlichen Wort gehorcht. Diese Zusammenarbeit hatte langfristig sowohl positive als auch negative Folgen, prägte aber jedenfalls die weitere Geschichte des Christentums entscheidend.
Auszug aus dem Podcast „Dieseits von Eden“, 13. Juni 2025, diesseits.theopodcast.at
Dr.in Annemarie Pilarski ist Vertretungsprofessorin für Historische Theologie an der Universität zu Köln.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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