75 Jahre kfb - Teil 3
Die vielen Mitstreiterinnen
- Das Haus der Frauen in St. Johann bei Herberstein ist eine Frucht des zweiten Steirischen Frauentages 1982.
- Foto: Archiv
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
bewegt.beherzt.unterwegs
Die Frauen der ersten Stunde in der Katholischen Frauenbewegung.
Schon früh an der Seite von Hilde Leb, der ersten steirischen Diözesanleiterin der Katholischen Frauenbewegung (KFB), stand Rosa Illek (1927–2014). Der Aufbau der KFB seit Anfang der 1950er Jahre und vor allem in den ersten drei Jahrzehnten des Bestehens wurde wesentlich von ihr mitgestaltet und entscheidend geprägt. Als Redakteurin der katholischen Mädchenzeitschrift „Schöne Welt“ in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Sonntagsblatt-Schriftleiter Anton Fastl sie kennen und schätzen gelernt und als die „rechte Hand“ für Leb empfohlen.
Strukturierte Arbeit. Illek war die erste hauptamtlich angestellte Diözesansekretärin ab 1953/54, womit eine strukturierte Arbeit der KFB auf Pfarrebene eingeleitet werden konnte. Während ihrer gesamten beruflichen Tätigkeit stand sie unermüdlich im kirchlichen Dienst: Für die steirische KFB war sie der Motor, sei es als engagierte Diözesansekretärin, Bildungsreferentin oder in der leitenden Funktion als erste stellvertretende Vorsitzende, sodann nach dem Tod von Leb als gewählte Diözesanvorsitzende (1977–1985).
Die Zusammenarbeit mit den Geistlichen Assistenten Josef Pfandner (1953/54), Johann Seifried (1954–1962) und besonders an der Seite des langjährigen und unvergessenen KFB-Seelsorgers Max Flucher (1962–1988) erwies sich als wegweisend.
Bereits vor und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gelang es, in den steirischen Pfarren die Katholikinnen in der KFB zu mobilisieren. Durch ihre verlässliche Mitarbeit in vielen konkreten Projekten und Aktionen vor Ort trug die KFB wesentlich zum gelebten Glauben in vielen Pfarren bei. In den Frauen- und Helferinnenrunden, den Frauenmessen und Dekanatsbildungstagen wurden die Mitglieder gestärkt. Gemeinschaftssinn, Glaubens- und Lebensbegleitung sowie umfassende Weiterbildung wurden ermöglicht.
Prospekte machten auf das Selbstverständnis der KFB gezielt aufmerksam und warben auf diese Weise zugleich erfolgreich für eine Mitgliedschaft. Das Zusammenwirken von Diözesan-, Dekanats- und Pfarrleitung bewährte sich ebenso wie die Einrichtung von Arbeitskreisen und „Werken“.
Für die vielen Mitstreiterinnen beim Ausbau der KFB können stellvertretend nur einige genannt werden: Hermine Kapfhammer (1904–1989), die u. a. das Müttererholungswerk ins Leben rief, Maria Therese Kottulinsky (1893–1981), welche sich der Schulung und Weiterbildung von Müttern und Landfrauen (Landfrauenwerk) annahm und zur Wegbereiterin der „Grazer Mütterschule“ wurde, Josefine Gordon (1923–1998) als Stellvertretende Diözesanleiterin, die in der Caritas und für das Schulamt tätig war, sowie Cäcilia Kappel (1920–2002), die sich als wichtige Mitdenkerin der KFB-Leitung u. a. für die soziale und finanzielle Absicherung der Pfarrhaushälterinnen einsetzte.
Seit den Anfangsjahren der KFB besteht die Aktion Familienfasttag (1958) mit dem Ziel des Teilens und Einsatzes für gerechtere Lebensbedingungen von Frauen im globalen Süden. Von ökumenischer Bedeutung ist der jährlich in vielen Pfarren und weltweit begangene Weltgebetstag der Frauen. Die KFB sorgte auch für konkrete finanzielle Projekte für die 1971 entstandene Partnerschaft mit der südkoreanischen Diözese Masan.
Steirische Frauentage. Illek war nicht nur „das Herz“ des ersten Steirischen Frauentages im Jahre 1976, sondern auch des Anfang März 1982 in der Grazer Messehalle begangenen zweiten Frauentages zum 30-Jahr-Jubiläum der KFB. Die Festrednerin Herlinde Pissarek-Hudelist (1932–1994), Österreichs erste katholische Theologieprofessorin, ermutigte bezugnehmend auf das Thema „Freude und Hoffnung aus dem Glauben“ die zahlreichen Teilnehmerinnen zum positiven Denken und zum Tun.
Als herausragende Frucht dieser Zusammenkunft ist das noch im selben Jahr gegründete Haus der Frauen als Erholungs- und Bildungszentrum der Diözese in St. Johann bei Herberstein zu nennen, das von Gusti Wögerer (1934–2012) mit viel Einsatz initiiert worden war.
Der dritte Steirische Frauentag in der Liebenauer Eishalle fand im Juni 1989 unter Ilse Karch, KFB-Diözesanleiterin von 1985 bis 1993, statt. Gemäß dem Motto „Lebendiger Glaube drängt zum Tun“ präsentierten Katholikinnen aus den Dekanaten eindrucksvoll ihren Beitrag zur Lösung gegenwärtiger Probleme und Herausforderungen. Fortsetzung folgt
Michaela Sohn-Kronthaler ist Kirchenhistorikerin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.