4. Sonntag der Osterzeit | 26. April 2026
Meditation - Betend singen
- Foto: Neuhold
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Musik drückt aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“ Das sagte der französische Schriftsteller Victor Hugo (1802–1885). Ich kann es nachfühlen. Und Millionen Liebeslieder (auch jene über gebrochene Herzen) zeugen davon. Aber nicht nur. Kirchenmusik versucht mitunter das Unmögliche: Gott in Worte zu fassen.
Wer das katholische Gebet- und Gesangbuch Gotteslob aufschlägt, hat einen reichen Schatz an religiösem Liedgut aus beinahe allen Epochen vor sich. Es fasziniert mich, zu wissen, dass bereits Gläubige Generationen vor mir diese Lieder betend gesungen haben. Und auch in so manchen sperrigen oder altertümlichen Formulierungen finde ich etwas, das mich trotz Fremdheit im Innersten berührt.
Zur gleichen Zeit ist da eine große Sehnsucht nach geistlichen Liedern, in denen Worte vorkommen, die ich aus dem Alltag kenne und tagtäglich gebrauche. Lieder, die mein Erleben in die Sphäre des Heiligen hineinnehmen. Die meine Erfahrungen mit dem Göttlichen in Verbindung bringen. Lieder, in denen auch mein Leben vorkommt.
Auf sehr poetische Weise hat der niederländische Theologe Huub Oosterhuis (1933–2023) gezeigt, dass eine aktuellere Sprache in Kirchenliedern möglich ist. Im Gotteslob (2013) ist eines meiner Lieblingslieder von ihm abgedruckt: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“ (GL 422). Es liest sich wie ein moderner Klagepsalm, beginnend mit dem verzweifelten Ausruf: „Fremd wie dein Name sind mir deine Wege“. Es wirft Fragen auf: „Hast du mit Namen mich in deine Hand, in dein Erbarmen fest mich eingeschrieben?“ Und endet dann – allem Zweifel zum Trotz – mit einer von Hoffnung erfüllten Überzeugung: „Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.“
Katharina Grager
Sprich du das Wort,
das tröstet und befreit
und das mich führt
in deinen großen Frieden.
Schließ auf das Land,
das keine Grenzen kennt,
und lass mich unter deinen Kindern leben.
Sei du mein täglich Brot so wahr du lebst.
Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.
Huub Oosterhuis
(GL 422, 3. Strophe)
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.