Aus meiner Sicht - Anna Maria Steiner, Redakteurin
Amaquella für alle
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Waren Sie schon in Bolivien? Ich nicht. Doch kürzlich durfte ich mit einer Frau sprechen, die dort lebt. Sie war nach Österreich gekommen, um aus ihrer Heimat zu berichten (siehe dazu die Seiten 8 und 9). Águeda, so heißt sie, ist Indigena – wörtlich übersetzt „Eingeborene“. Als solche lebt sie stark im Einklang mit der Natur.
Auf meine Frage, was in ihrer Kultur Bedeutung habe, nannte sie mir drei Prinzipien: „Sei kein Dieb“, „Sei kein Lügner“ und: „Sei nicht faul.“ Ich war verwundert. Nicht stehlen und nicht lügen, gut. Diese Gebote kenne ich aus dem Christentum, und auch nomadische Gesellschaften brauchen sie für ihr Zusammenleben. Doch die Forderung, nicht faul zu sein, erstaunt mich – verbinde ich den Leistungsgedanken doch vorrangig mit einem Leben im industrialisierten Asien oder Europa.
Águeda erklärte mir: „Amaquella“, wie das Wort für schöpferisches Tätigsein in ihrer Sprache Quechua heißt, meint weder Schuften bis zum Umfallen noch Produzieren zum Zweck der Gewinnmaximierung. Vielmehr geht es um Tätigkeiten, die zum eigenen Wachstum und zu dem der Gemeinschaft beitragen. Wenn das so ist, fordere ich ab sofort zum 1. Mai zusätzlich zur Arbeit, von der jede/r leben kann, auch noch die Arbeit, die das Leben aller besser macht.
Anna Maria Steiner, Redakteurin
anna.steiner@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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