Kirche Österreich
Hinschauen nötig
- Als Dachverband von Sozialorganisationen der evangelischen Kirche ist die Diakonie vor allem in den Bereichen Pflege, Gesundheit, Inklusion und Integration tätig. Seit mehr als 150 Jahren begleitet, berät und betreut die Diakonie Menschen in schwierigen Lebenssituationen.
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Diakonie. Direktorin Moser übt Kritik am Sozialsystem und fordert Maßnahmen für mehr Gerechtigkeit.
Probleme im österreichischen Sozialsystem ortete am 17. Mai die Direktorin der Diakonie, Maria Katharina Moser. In der ORF-Pressestunde sprach sie sich für eine bessere finanzielle Absicherung des Pflegesystems aus und forderte mehr Unterstützung für die häusliche Pflege. Moser befürwortete zwar ein steuerfinanziertes System, aber mit besserer Dotierung – etwa in Form zusätzlicher Mittel über eine Erbschafts- bzw. Vermögenssteuer. Als weiteres Problem ortete die Direktorin des Dachverbands von Sozialorganisationen der evangelischen Kirche die Schnittstelle zwischen Gesundheitssystem und Pflege – etwa dann, wenn Menschen nach einem Spitalsaufenthalt keine Kurzzeitpflege finden würden. Betreffend Pflegegeld-Zuspruch plädierte sie für eine unabhängige Stelle für Begutachtungsverfahren und kritisierte, dass Pflegegeld stark medizinisch definiert sei. Zudem würden soziale Kriterien fehlen.
In Österreich beziehen aktuell rund 500.000 Menschen Pflegegeld. 20 Prozent davon befinden sich in stationärer Pflege, 80 Prozent leben daheim. Letztere Gruppe wird zur Hälfte von Angehörigen betreut, von denen ein großer Teil 60 Jahre oder älter ist. Für pflegende Angehörige fehle vielfach nötige Information, so Moser, die analog zum „Gesundheitstelefon 1450“ eine österreichweite „Beratungshotline für Pflege 1460“ vorschlug.
Die steigende Einsamkeit mit ihren sozialen und gesundheitlichen Folgen sei ein weiteres Thema. Sie würde nicht nur Ältere, sondern immer mehr Jugendliche betreffen, so Moser weiter. Die Kirchen mit ihren Gemeinden und Einrichtungen würden kostenlos viele Möglichkeiten bieten, wo Menschen „einfach hinkommen können“ und wieder Kontakt finden. Der „Handy-Sucht“ als Ursache von jugendlicher Einsamkeit solle man nicht nur mit einem Social-Media-Verbot begegnen. Es brauche vor allem präventive Angebote, wie beispielsweise mehr Eltern-Beratung.
Kritik übte Moser an der geplanten Anhebung der bisher reduzierten Arbeitslosenversicherungsbeiträge für geringe Einkommen. Das könnte 700.000 bis 800.000 Personen betreffen, der Großteil davon Frauen. Nicht eindeutig negativ beurteilte sie dagegen die geplante Anhebung der Pensionen knapp unter der Inflationsrate. Der Diakonie seien vor allem die Mindestpensionen wichtig, sagte Moser. Hier stelle sich die Frage, ob man sozial staffeln könne.
Ganz generell mahnte die Diakonie-Direktorin eine gerechte Verteilung der Lasten bei der Budget-Sanierung ein. Das letzte Budget habe die untersten Einkommen, relativ gesehen, mehr belastet als die obersten. Daher brauche es für alle Maßnahmen einen Fairness- oder Gerechtigkeitscheck – und zwar vor Beschluss und nicht erst im Nachhinein, so Moser.
Quelle: Kathpress
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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